Parkour: Mit Akrobatik über Mauern und Zäune

Die lippischen Parkoursport-Experten Alex Safraider und Visa Tisath bieten Kurse in Sportvereinen an

Judith Stracke

  • 0
Über alle Hindernisse: Der Schulhof wird zum Spielplatz, wenn ihn Rene Gottschalk, Alex Safraider, Lorien Göner und Visa Tisathi (von links) zum Parkourtraining betreten. - © Judith Stracke
Über alle Hindernisse: Der Schulhof wird zum Spielplatz, wenn ihn Rene Gottschalk, Alex Safraider, Lorien Göner und Visa Tisathi (von links) zum Parkourtraining betreten. (© Judith Stracke)

Lemgo. Abseits vom klassischen Sportbetrieb hat sich eine neue Szene etabliert, enorm leistungsfähig, ohne Wettkampfdruck, eher selbstorganisiert und ohne großes Regelwerk: die Parkoursportler.

Lässig gekleidet mit Jogginghose und Schlumpf betreten Mädchen und Jungen im Alter zwischen neun und 25 Jahren einen Schulhof in Lemgo. „Die ganze Stadt ist ein Spielplatz. Wir sind wie große Kinder, die ihn erobern wollen“, meinen Alex Safraider (24) und sein Freund Visa Tisathi (22). Die beiden jungen Männer sind die „Väter“ des Parkoursports in Lippe.

Sie arbeiten mit dem TV Blomberg und dem TBV Lemgo und seit neuestem auch mit der TG Schötmar zusammen, um den Sport weiter zu etablieren. „Väter“ ist dann auch das passende Stichwort, denn die beiden Spezialisten, die seit mehr als acht Jahren fast täglich trainieren, verbindet nicht nur eine besondere Vorstellung von der Art der Bewegung, sondern auch eine bestimmte Philosophie. „Es geht uns um Bescheidenheit, Respekt und Aufgeschlossenheit. Wir sind wie eine große Familie, die voneinander lernt und sich unterstützt“, erzählen sie. Eine Familie, die auch TBV-Vorstandsmitglied Heinz Stock inzwischen lieb gewonnen hat. „Es sind tolle Jungs und Mädchen, exzellente Bewegungskünstler, die es wert sind, gefördert zu werden.

„Parkour ist eine Chance, um jungen Menschen eine ganz andere Sportart näher zu bringen“, sagt der 71-Jährige. Und auch TV-Turn-Abteilungsleiter Gerhard Nagel weiß, warum der TV Blomberg als erster Sportverein Lippes dem Parkoursport eine Chance gab: „Die Natur zum Sportplatz zu machen, ist toll.“ Springen, laufen, klettern, abrollen, Hindernisse überwinden ohne Matte, aber mit Respekt. Vorbilder seien sie, keine Stuntmen und auch keine Adrenalin-Junkies. Alles ist trainiert, jeder Katzensprung auf die Mauer zeugt von absoluter Körperbeherrschung.

Sie wissen, was sie tun und sie wissen, was sie wollen: Keine Medaillen und keine Rangfolgen. Oder wie Alex Safraider weiß: „Beim Fußball, Handball oder Kampfsport habe ich mich eingeengt und eingeschränkt gefühlt, schon allein wegen der Begrenzung der Spielfelder. Beim Parkour gleicht kein Gelände dem anderen. Ich trainiere nicht nur meinen Körper, sondern auch die Psyche.“

Angst sei dazu da, um überwunden zu werden, aber auch um Respekt zu lernen. „Wir springen nicht über die Mauer, wenn unten Glasscherben liegen oder laufen eine Wand hoch, die durch den Regen rutschig geworden ist“, sind sich die Sportler einig. Training überwiegt das Talent, das oftmals auf der Strecke bleibt. „Jeder hat schon in seinem Leben Parkour gemacht, ist auf Bäume geklettert oder hat auf Baumstämmen balanciert. Nur leider verlernen wir das meistens im weiteren Verlauf des Lebens. Insofern ist Parkour der natürlichste Sport, den ich machen kann“, ist Visa Tisathi überzeugt.

Info: Vereine bieten Parkour an
TV Blomberg, TBV Lemgo und TG Schötmar bieten Parkoursport an. Treffpunkt in Blomberg ist mittwochs von 16 bis 18 Uhr sowie samstags von 13.30 bis 17 Uhr an der Sporthalle des Schulzentrums. Beim TBV Lemgo wird jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr mit Erwachsenen sowie von 16 bis 18 Uhr mit Kindern und Jugendlichen trainiert. Infos im Netz unter parkour@tbv-amateure.de Bei der TG Schötmar findet das Training samstags von 12 bis 14 Uhr an der Grundschule Ahornstraße statt. Weitere Infos oder Kontakt zu Lippes Parkourssportlern über alexsafraider@gmail.com oder für Blomberg bei Gerhard Nagel, Tel.: (0 52 35) 86 10.

Kalorienabbau beim Sport
Egal, ob man schwimmt, walkt oder tanzt – bei jeder Art von Bewegung verbrennt der Körper Kalorien. Aber oft wird dieser Kalorienverbrauch überschätzt. Er ist abhängig vom Trainingszustand, Körpergewicht und der Intensität. Für einen Riegel Schokolade muss man ca. 10 Minuten zügig schwimmen, 15 Minuten biken, walken oder eine halbe Stunde tanzen. Um eine Bratwurst abzutrainieren, sind eine Stunde joggen oder 45 Minuten Aerobic fällig. Langfristig bewirkt Bewegung eine Steigerung der Muskelmasse. Dies führt dazu, dass sich der Energieverbrauch in Ruhe erhöht und der tägliche Kalorienbedarf ansteigt.
(Sabine Brandt, Ernährungsberatung und Diättherapie)

Straffe Oberschenkel
Anna Muer, Fitnesstrainerin im Sportpark-Lippe, zeigt „Beinlift“ und trainiert damit den vorderen Oberschenkel. Zu Beginn ist ein sicherer und schulterbreiter Stand wichtig. Dabei werden die Schultern zurückgezogen und der Bauch angespannt. Ein Bein anwinkeln und anheben, sodass Hüfte und Knie einen 90 Grad Winkel bilden. Das Standbein ist jetzt leicht gebeugt. Die Hände befinden sich in der Hüfte. Nun das angewinkelte Bein hochziehen und bis knapp über den Boden senken. Anschließend diese Bewegung circa 20 mal wiederholen. Wer kann, macht mehr! Danach das Bein wechseln.

Alle Serienteile unter www.lz.de/
;wirbewegenlippe

Video

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!