Unwetter zerstört Naturdenkmäler - Straßen sind wieder frei

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Doppelter Sturmschaden: Die Dorflinde in Remmighausen, die 1953 gepflanzt worden war, hat die Sturmböen von „Zeljko“ nicht überstanden. Die mehr als 60 Jahre alte Linde ist einfach umgekippt und hat ein Auto unter sich begraben. - © Torben Gocke
Doppelter Sturmschaden: Die Dorflinde in Remmighausen, die 1953 gepflanzt worden war, hat die Sturmböen von „Zeljko“ nicht überstanden. Die mehr als 60 Jahre alte Linde ist einfach umgekippt und hat ein Auto unter sich begraben. (© Torben Gocke)

Kreis Lippe. Der Sturm hat junge Bäume entwurzelt, aber auch drei sehr alte Naturdenkmäler. In Dörentrup, im Detmolder Ortsteil Oettern-Bremke und in Stapelage haben sich die Experten des Kreises Lippe am Montag die Schäden angesehen.

„Es können durchaus noch mehr Naturdenkmäler in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Das wird vielleicht später gemeldet“, erklärt Birgit Steffen-Waschek aus der Umweltbehörde des Kreises. Dass die Linde vor der Stapelager Kirche umgestürzt war, war dort durch die Nachfrage der LZ bekannt geworden. Die Fachstelle Umwelt des Kreises Lippe ist für die Verkehrssicherheit zuständig.

Information
Zugang zu Wäldern ist nicht gesperrt

„Wir hatten wirklich Glück im Unglück“, so die Sturmbilanz von Hans-Ulrich Braun, Forstdirektor des Landesverbandes. Die Schäden in den Wäldern seien übersichtlich, daher könne er im Großen und Ganzen Entwarnung geben. Auch die Zugänge zu den Wäldern, die in der Vergangenheit nach Stürmen gesperrt worden seien, würden nach „Zeljko“ für Besucher geöffnet bleiben. „Dies bedeutet für alle Spaziergänger, dass sie auf eigene Gefahr den Wald betreten“, betont Braun. Natürlich könnten abgeknickte Äste noch herunterfallen, daher sei es wichtig, dass alle Waldbesucher „Augen und Ohren offenhalten“, rät Braun. Sein Tipp: den Wald besser ein paar Tage meiden.

Rund 400 Bäume, so erklärt Birgit Steffen-Waschek, würden regelmäßig kontrolliert. „Einmal im Jahr auf alle Fälle, und wenn bekannt ist, dass der Baum besonders gefährdet ist, dann wird er von Experten auch im kürzeren Abständen begutachtet.“ Die Eigentümer seien darüber hinaus verpflichtet, Veränderungen an den Naturdenkmalen zu melden.

Im Fall der Stapelager Kirche habe solch eine Sondersituation nicht vorgelegen. Der Baum, der zwischen 200 und 300 Jahre alt ist, war am Wochenende zum Glück nicht in den Turm, sondern auf die Kirchhofmauer gestürzt.

Die Linde war innen hohl und mit Verstrebungen gesichert. Erst im vergangenen Jahr hatten Baumpfleger den Riesen beschnitten und kontrolliert. Äußerlich gab es keine Hinweise darauf, dass der Stamm nicht stabil ist oder der Baum abstirbt. Äste und Krone standen in vollem Laub.

Letzteres ist allerdings auch die Gefahr. „Bei Windstärke 7 fallen auch jüngere kerngesunde Bäume um, denn das Laub ist sehr nass und schwer. Das ist ein immenses Gewicht“, sagt Steffen-Waschek.

Der Kreis werde sich jetzt mit der Kirchengemeinde in Verbindung setzen, denn der Baum „werde selbstverständlich in Kürze auch abtransportiert“. „Das ist eine exponierte Lage an der Kreuzung, das war wirklich ein Glück, dass er nicht auf die Straße gestürzt ist.“

An der Kirche in Stapelage steht ein weiteres Naturdenkmal – das Pendant zu der umgestürzten Linde auf der anderen Seite des Eingangs. „Da kann man überlegen, ob es nicht eine Ersatzpflanzung geben sollte“, sagt Steffen-Waschek.

Straßen und Gleise sind wieder frei

Die Feuerwehr hat dutzende Bäume nach dem Sturm „Zeljko“ von den Straßen geräumt, und auch die Züge haben seit gestern morgen wieder freie Fahrt.

Gestern gegen 15 Uhr floss der Verkehr wieder über die Papenhauser Straße zwischen Lemgo und Bad Salzuflen. Auch in Kükenbruch wurde die Straße für den Verkehr freigegeben. Nach und nach muss aber noch auf kleineren Straßen Grünzeug weggeräumt werden. Gestern wurden laut Polizeipressesprecher Jürgen Ridderbusch in Detmold im Bentweg und der Londoner Straße und auf der Heidentalstraße Bäume und Äste zersägt und teilweise abtransportiert. Die Feuerwehr ist nur dann gefordert, wenn öffentliche Straßen geräumt werden müssen. Auf privaten Grundstücken sind die Eigentümer in der Pflicht. In Kalletal und Extertal müssen nach Angaben der Polizei noch einige Waldbesitzer Wirtschaftswege räumen.

Eurobahn-Pressesprecherin Katrin Osbelt war gestern nur per Handy zu erreichen, denn der Sturm hat einiges durcheinander gewirbelt. Zwar fährt die Bahn wieder, aber immer noch gebe es Verzögerungen, weil Äste, die der Sturm geknickt hat, auf die Gleise fallen. „Drei Triebwagen wurden leicht beschädigt. Gestern Morgen waren wir noch damit beschäftigt, die Strecken frei zu machen. Die Anweisung gilt, langsamer zu fahren.“

Welche Versicherung zahlt und was Betroffene tun können

Mit Wucht ist Sturmtief „Zeljko“ über Lippe gebraust und hat viel Chaos hinterlassen. Umgeknickte Bäume, kaputte Autos und gesperrte Straßen – die Regulierung der Schäden übernehmen die Versicherungen.

Damit’s reibungslos läuft, müssen Schäden umgehend gemeldet werden, rät Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der NRW-Verbraucherzentrale.

Wer haftet grundsätzlich für Sturmschäden?

Es sind die Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Allerdings: Stürmisch finden die Gesellschaften es erst ab Windstärke 8 – das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 62 Kilometern pro Stunde. „Hat der Sturm Ziegel und Dachpappe mitgehen lassen, müssen Versicherte dies nicht einzeln nachweisen“, sagt Weidenbach. Es reiche aus, dass es vorher eine offizielle Sturmwarnung gegeben hat und Nachbarhäuser beschädigt worden seien. „Wurde Hausrat zum Spielball des Sturms, sind diese Schäden durch die Hausratversicherung nur abgedeckt, wenn der Hausrat während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und dort beschädigt wurde“, erklärt Weidenbach. Ausnahme: Antennen und Markisen, die einem Mieter gehören, außen am Gebäude angebracht sind und nur durch die Bewohner der versicherten Wohnung genutzt wurden.

Was tun bei Autoschäden durch Dachziegel?

Schleudert der Sturm Dachziegel auf ein parkendes Auto, zahle die Teilkasko des Kfz-Halters. Versichert sei in vielen Fällen nicht der Neupreis des Fahrzeugs, sondern der Zeitwert. Weidenbach: „Viele haben eine Selbstbeteiligung, die von der Entschädigungssumme abgezogen wird.“

Wer zahlt bei Schäden durch umgestürzte Bäume?

Stürzt ein Baum auf ein Auto, trete die Teilkasko für den Schaden ein. Hingegen hafte die Vollkaskoversicherung, wenn ein Baum auf die Straße stürzt und ein Fahrzeug auffährt, da es nicht mehr rechtzeitig bremsen kann. „Ist ein morscher Baum umgestürzt und hat Haus oder Auto beschädigt, müssen der Baumbesitzer oder seine Haftpflichtversicherung zahlen“, so Weidenbach. Meist sei die Beweislage in solchen Fällen schwierig. Wenn ein gesunder Baum umfalle, gelte dies als „höhere Gewalt“, und der Eigentümer hafte nicht für Schäden.

Spezialfall Solaranlage

Schäden an der Anlage werden von der Wohngebäudeversicherung übernommen. Aber nur, wenn die Anlage extra in die Police aufgenommen wurde. „Wer eine neue Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und seinen Versicherungsschutz nicht angepasst hat, guckt in die Röhre“, meint Expertin Weidenbach.

Schäden sofort melden

Die Versicherten müssen Schäden nicht nur schnell und wahrheitsgetreu melden, sondern „alles unterlassen, was die Feststellung des Schadens erschwert – ansonsten droht der Verlust des Versicherungsschutzes“, betont Elke Weidenbach. Kaputte Gegenstände sollten erst nach Rücksprache mit dem Versicherer entsorgt werden, fügt die Expertin hinzu. Allerdings dürfn Gefahrenquellen beseitigt und so abgesichert werden, dass kein weiterer Schaden entsteht. Ihr Generaltipp: „Schäden sollten per Foto oder Film dokumentiert werden.“

Weitere Infos unter 
www.vz-nrw.de.

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