Redaktionsleiter Ralf Freitag zur Kommentarfunktion auf LZ.de

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Ralf Freitag ist Geschäftsführer Medien & Kommunikation bei der Lippischen Landes-Zeitung. - © Vera Gerstendorf-Welle
Ralf Freitag ist Geschäftsführer Medien & Kommunikation bei der Lippischen Landes-Zeitung. (© Vera Gerstendorf-Welle)
Liebe Nutzerinnen und Nutzer von LZ.de,

es gibt Situationen, da muss auch eine Lokalzeitung Farbe bekennen. Die von Rechten und Nazis immer wieder unterwanderte Debatte über die Situation der Flüchtlinge in unserer Region ist so eine. Draußen auf der Straße ist es einfach. Da hält die Wachsamkeit der Menschen die dumpfe Rechte in Schach. Im Internet ist das anders. Täglich haben wir in den vergangenen Wochen erlebt, wie Menschen, die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen und für eine bunte Gesellschaft in ihren Kommentaren einsetzen, unfair auf unserer Homepage angegangen wurden.

Da ist zum Beispiel unsere Kommentarfunktion. Hier kann man Kommentare mit einem „Plus“ oder einem „Minus“ versehen – je nachdem, ob einem ein Kommentar gefällt oder eben nicht. Missfällt vielen Usern ein Kommentar, erhält er also viele „Minus“-Klicks, dann wird der Kommentar fast unleserlich ausgegraut. Viele Kommentare von Usern, die für eine Aufnahme der Flüchtlinge in Deutschland plädierten, waren ganz schnell ausgegraut.

Oder aber ihre Kommentare wurden verbal derart massiv angegangen, dass der weitere Diskurs unmöglich wurde und abbrach. Ein solches Verhalten hat mit Meinungsfreiheit nichts zu tun. Menschen, die sich so verhalten, wollen eine echte Diskussion über das Flüchtlings- und Asylthema verhindern. Wir haben in der Redaktion lange darüber diskutiert, wie wir mit diesem Phänomen umgehen.

Vorher jeden Kommentar anzuschauen und zu bewerten, wäre ebenfalls nicht im Sinne eines freien Diskurses. Überhaupt wäre Diskurs dann nicht möglich. LZ.de noch intensiver zu beobachten wäre auch keine Lösung. Auch wenn menschenverachtende Hetz-Kommentare nur für Minuten im Netz wären, würden sie eine Wirkung entfalten, die wir nicht wollen. Wir hätten gern diese Debatte – auch mit kritischen Stimmen zur Aufnahme von Flüchtlingen – fortgesetzt, sehen uns dazu aber angesichts eines solch rücksichtslosen Verhaltens einiger weniger, die sich immer wieder mit neuen fingierten Daten einen Account zulegen und daher nicht zu stoppen sind, dazu nicht in der Lage.

Links zum Thema

Wir haben uns daher dazu entschieden, bei Beiträgen, die sich mit dem Thema „Flüchtlinge“ beschäftigen, die Kommentarfunktion grundsätzlich zu sperren. Wer uns dennoch seine Meinung zu diesem für unsere Gesellschaft so wichtigen Thema mitteilen will, der kann dies per Mail an die Adresse leserbriefe@lz.de schicken.

Wir freuen uns auf Ihre Meinung und veröffentlichen sie in der Zeitung gern, auch wenn Sie sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Hetze und Menschenverachtung aber haben weder auf unserer Homepage, noch in unserer Zeitung einen Platz.

Ralf Freitag
Geschäftsführer Medien & Kommunikation

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