Volksbank strukturiert Filialen um

Abzug: In Pivitsheide und Horn-Bad Meinberg bleiben nur die Automaten stehen

Astrid Sewing

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<p class="articletextcaption">Wird SB-Filiale: die Volksbank in Pivitsheide.</p> 
- © Marlen Grote

Wird SB-Filiale: die Volksbank in Pivitsheide.

(© Marlen Grote)

Detmold/Horn-Bad Meinberg. Die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold reagiert auf das geänderte Kundenverhalten. Weil immer mehr Bankgeschäfte per Telefon oder online erledigt werden, zieht der Finanzdienstleister die Berater aus den Filialen in Pivitsheide und Horn-Bad Meinberg zum 16. November ab. Die Seniorenbeiräte kritisieren die Entscheidung.

Im Kreis Lippe gibt es bislang neun Filialen, drei Selbstbedienungs-Standorte und zwei Geldautomaten der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold. Wie die Volksbank schreibt, ist die Zahl der Bankgeschäfte, die online oder per Telefon erledigt werden, in den vergangenen fünf Jahren um 70 Prozent gestiegen. Insgesamt nutzten 2014 mehr als 60 Prozent aller Kunden mit Girokonto den Online-Weg zur Bank (2010: 40 Prozent).

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Verbraucherzentrale erreichen viele Beschwerden

"Es ist sicher richtig, dass immer mehr Kunden die Bankgeschäfte online oder per Telefon abwickeln. Aber das ist nicht der einzige Grund dafür, dass die Geldinstitute ihren Beraterservice konzentrieren", sagt Dr. Annabell Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Vielmehr sei es so, dass die Institute Geld sparen wollten. "Ab 2000 wurden die Giro-Kontoführungsgebühren gestrichen, aktuell wird im Kredit- und Wertpapiergeschäft wenig verdient. Der Filialservice kostet aber Geld, so kommt es, dass sich das Netz verändert", so Oelmann. Nicht nur Beschwerden von Senioren erreichten die Verbraucherschützer. "Das geht durch alle Gruppen. Frauen zum Beispiel fühlen sich unsicher, wenn sie in so einem SB-Gebäude allein sind. Senioren oder Menschen mit Handicap sind nicht mit dem Computer generell überfordert, aber sie haben bei der Bedienung der Automaten Probleme", stellt sie fest. Sie empfiehlt, sich genau zu überlegen, welcher Service einem wichtig ist, gegebenenfalls Gebühren in Kauf zu nehmen und das Geldinstitut zu wechseln. "Viele bieten einen Kontoumzugsservice an, das ist einfach." Weitere Infos gibt es unter www.vz-nrw.de/Rund-ums-Girokonto-6 .
<p class="articletextcaption">Automaten bleiben: Die Mitarbeiter der Volksbank in Bad Meinberg beraten künftig in Horn.</p> 
- © Marlen Grote

Automaten bleiben: Die Mitarbeiter der Volksbank in Bad Meinberg beraten künftig in Horn.

(© Marlen Grote)

Die klassischen Arbeiten wie das Ausgeben der Kontoauszüge, das Ausfüllen der Überweisungsbelege, die Auszahlung von Bargeld oder die Buchungen für Sparbücher würden immer weniger nachgefragt. "Heute fließt diese Zeit in die individuelle Beratung zu grundlegenden Finanz- und Vermögensfragen", stellt Günter Vogt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, fest. Die Umwandlung der Filialen bringe Vorteile für die Kunden, denn in Hiddesen und Horn gebe es "ein umfangreicheres Service- und Beratungsangebot und erweiterte Öffnungszeiten".

Für Marianne Siewecke, die sich ehrenamtlich im Seniorenbeirat Horn-Bad Meinbergs engagiert, ist der Schritt der Volksbank nicht nachvollziehbar. "Es gibt vier große Seniorenheime und drei Einrichtungen des betreuten Wohnens. Die Senioren müssen jetzt nach Horn fahren, wenn sie Beratung wollen. Und wer hilft ihnen, wenn sie in den SB-Filialen nicht zurechtkommen?" Ihrer Einschätzung nach, gibt es viele Senioren, die mit dem Computer sehr gut zurechtkommen, aber die Bankgeschäfte lieber mit Hilfe erledigen und in den SB-Filialen so Probleme haben. Siewecke weiß, wovon sie spricht, denn sie sitzt im Rollstuhl. "Meine Hände sind nicht so beweglich, ich kann die kleinen Tasten nicht bedienen und viele Terminals sind zu hoch."

Auch Angelika Wohlgemuth, die ebenfalls im Seniorenbeirat arbeitet, ist alles andere als erfreut. "Die Barrierefreiheit beschränkt sich nicht nur darauf, in die Filialen zu kommen, sondern umfasst auch, dass die Geräte von allen genutzt werden können. Und das ist viel öfter ein Problem als die Geldinstitute zugeben", sagt sie. Sehbehinderte zum Beispiel seien auf eine Sprachführung angewiesen. "Wenn man selber betroffen ist, dann merkt man aber, dass das keineswegs durchgängig der Fall ist. Ich bleibe an einer Stelle stecken, werde auf die Anzeige verwiesen, kann sie aber nicht erkennen. Wer hilft mir dann?" Der Seniorenbeirat werde das Gespräch mit dem Geldinstitut suchen und auf die Probleme hinweisen. Die Volksbank signalisiert Gesprächsbereitschaft. "Wir werden uns um die Einwände kümmern und auch die Einzelfälle prüfen", sagt Pressesprecherin Jutta Hanke.

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