Landgericht Detmold verurteilt Georgier zu mehrjährigen Haftstrafen

Verurteilten droht die Abschiebung

Erol Kamisli

Kreis Lippe. Mit vielen Gesprächen auf Gerichtsfluren und hinter verschlossenen Türen begann der zweite Prozesstag gegen fünf Georgier, die sich vor dem Detmolder Landgericht wegen schweren Bandendiebstahls verantworten müssen. Das Gericht verurteilte drei Angeklagte wegen Einbrüchen in Tankstellen und Getränkemärkte zu zwei bis drei Jahren Haft – ohne Bewährung.

Der Prozess gegen zwei weitere Angeklagte wurde abgetrennt, da weitere Taten ungeklärt sind – Fortsetzung am 18. November.

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages hatte Richter Karsten Niemeyer den Angeklagten ein Geständnis nahe gelegt, dies reduziere die Strafe und sie könnten schneller in ihre Heimat zurück: „Sie alle müssen damit rechen, dass sie wieder zurück nach Georgien müssen.“

Die fünf Georgier im Alter von 25 bis 33 Jahren hatten im vergangenen Jahr die Kaukasusrepublik wegen „politischer Verfolgung“ verlassen und stellten Asylanträge in Deutschland. Kurze Zeit später gründete das Quintett eine Einbrecherbande, die in der gesamten Republik tätig war.

Von Herbst 2014 bis Frühjahr dieses Jahres haben die Georgier in unterschiedlicher Besetzung im Bundesgebiet rund 20 Einbrüche in Getränkemärkte und Tankstellen verübt. Ihre Beute: Zigaretten und Alkoholika im Wert von rund 25.000 Euro, bei ihren Raubzügen hinterließen sie einen Sachschaden von mehr als 50.000 Euro. Einen Großteil der Einbrüche gestanden die Angeklagten, deren Handys von der Polizei abgehört wurden. Während ein Teil der Gruppe einbrach, sollen die übrigen Mittäter Schmiere gestanden haben. „Die Bandenmitglieder standen über Handy ständig in Kontakt und informierten sich bei Gefahr“, sagte Staatsanwalt Björn Heidberg.

Am 26. April dieses Jahres klickten die Handschellen während eines Einbruchversuchs in eine Star-Tankstelle in Leopoldshöhe. Die Polizei konnte drei Angeklagte auf frischer Tat festnehmen. Vier Wochen später wurden die anderen beiden Angeklagten verhaftet. Daher findet der Prozess gegen die fünf Georgier, die eigentlich in Chemnitz und Wuppertal wohnen, vor dem Detmolder Landgericht statt.

Bereits am ersten Prozesstag betonten zwei Angeklagte auf Nachfrage, dass sie nach Verbüßung ihrer Haft wieder nach Georgien zurückkehren wollten, trotz widriger politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse. Inzwischen wollen drei Angeklagte wieder freiwillig nach Georgien. Sie hätten ihre Asylanträge gestoppt und wollten zurück in die Hauptstadt Tiflis, um ein neues, straffreies Leben zu beginnen.

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