James Bond spielt Schach auf lippische Art

Der neue 007-Film „Spectre“ startet in den deutschen Kinos

Janet König

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Prosit James: Helene Kunau, Christian Piorunneck, Maik Fiebig und Julia Tewes (von links) stoßen bei der Vorpremiere in der mit rund 1200 Bond-Fans ausverkauften Filmwelt Lippe in Lage auf den neuen 007-Film „Spectre“ an. - © Bernhard Preuß
Prosit James: Helene Kunau, Christian Piorunneck, Maik Fiebig und Julia Tewes (von links) stoßen bei der Vorpremiere in der mit rund 1200 Bond-Fans ausverkauften Filmwelt Lippe in Lage auf den neuen 007-Film „Spectre“ an. (© Bernhard Preuß)

Kreis Lippe. Das Warten hat ein Ende: Ein neuer Teil der legendären Agentenreihe zieht in die deutschen Kinos ein. Der Clou dabei: Nach genau 50 Jahren hat es neben „Graf Lippe“ in „Feuerball“ mit Sean Connery ein weiterer Lipper in den James- Bond-Kosmos geschafft. Diesmal auf dem Schachbrett – das will ein Experte festgestellt haben.

Bereits im zweiten Bondklassiker, „Liebesgrüße aus Moskau“ von 1963, haben die Macher die legendäre Schachszene einer historischen Partie nachempfunden, jetzt soll die Darstellung im neuen Streifen mit Daniel Craig einen ähnlichen Hintergrund mit Blomberger Beteiligung haben. Der Hamburger Schachexperte und Chefredakteur des Onlinefachmagazins Chessbase, André Schulz, hat die dargestellte Spielsituation durch eine elektronische Datenbank aus knapp sechseinhalb Millionen Partien gejagt und dabei eine erstaunliche Entdeckung gemacht: „Mit ein paar Abstrichen gleicht die Darstellung der Partie von 1872, als Louis Paulsen aus Blomberg in Österreich Meister wurde“, stellt Schulz fest. Es handelt sich dabei um eine eher seltenes Motiv im Schach, daher sei die unterstellte Absicht gar nicht so weit hergeholt.

Wichtige Merkmale wie Mattsituation und Materialanordnung stimmen darüber hinaus vollständig überein, somit käme das prominente Suchergebnis zustande. Anhand von Szenenbildern hat der Schachexperte das Spielgeschehen rekonstruiert, für die Abweichungen in verschiedenen Sequenzen hat er eine ganz eigene Theorie. „Daniel Craig könnte in den Pausen versehentlich ans Spielbrett gestoßen sein. Da kein Experte mehr am Set war, konnte auch nicht mehr alles ordnungsgemäß nachgebaut werden“, resümiert Schulz scherzhaft.

Louis Paulsen wurde in Blomberg geboren und war ein berühmter Schachspieler. - © Wikipedia
Louis Paulsen wurde in Blomberg geboren und war ein berühmter Schachspieler. (© Wikipedia)

Doch warum nimmt sich das weit entfernte Hollywood ausgerechnet einen Lipper zum Vorbild? Auch dieser Frage ist der langjährige Experte akribisch nachgegangen. Das Ergebnis ist folgendes: Da der Film teilweise in Österreich gedreht wurde, könnte sich die Requisite für die Szenenrecherche aus einer dortigen Bibliothek zur Schachgeschichte bedient haben: „Klar, dass man da schnell auf ein Buch zum Wiener Schachkongress von 1873 stößt“, behauptet Schulz.

Neben sachlicher Fakten hat der Hamburger auch ein wenig Fantasie in seine Theorie mit einfließen lassen. „Es ist halb Spaß, halb ernst“, gibt der Experte zu. Eine beinahe agentenreife Story ist die Geschichte mit Paulsen aber allemal.

Information
Hermann Louis (Ludwig) Paulsen

"Louis Paulsen ist einer der weltbesten Spieler des 19. Jahrhunderts gewesen, wird aber leider oft unterschätzt", weiß Fachredakteur und Experte André Schulz über den prominenten Schachspieler aus Lippe. Wegen seiner defensiven Spielweise habe Paulsen zwar nicht den gleichen Bekanntheitsgerad wie Zeitgenosse und Schachprofi Adolf Anderssen erlangt, dennoch schnitt er im direkten Vergleich immer besser ab. Geboren ist Louis Paulsen am 15. Januar 1833 auf Gut Nassengrund bei Blomberg, wo er 58 Jahre später starb. Dazwischen erlangte der Profi vor allem in den USA ein hohes Ansehen. Die dargestellte Partie aus dem Bondfilm gewann Paulsen gegen den Engländer Henry Edward Bird.

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