Elektro-Auto im LZ-Test - mit Video

Stromern ist das neue Fahren

Astrid Sewing

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Nichtszu hören: Der Golf läuft, aber LZ-Redakteurin Astrid Sewing traut sich nicht recht, das E-Auto in Gang zu setzen. 
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Nichtszu hören: Der Golf läuft, aber LZ-Redakteurin Astrid Sewing traut sich nicht recht, das E-Auto in Gang zu setzen. (© LZ-Videoteam)
Wie viele Kilometer noch gefahren werden können, kann sie auf der Reichweitenanzeige sehen. 
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Wie viele Kilometer noch gefahren werden können, kann sie auf der Reichweitenanzeige sehen. (© LZ-Videoteam)

Dörentrup. Der weiße E-Golf steht neben dem Solar-Carport. Er ist geladen. Ich auch. Denn ich bin sehr gespannt, wie sich das E-Auto fährt. Innen sieht es auf den ersten Blick aus, wie andere Fahrzeuge. Ich drehe den Schlüssel - und höre nur ein kurzes Signal, dann herrscht Stille. Stephan Vogelskamp lacht. Mein Beifahrer ist der Koordinator des Forschungsprojektes "EMiLippe" - Elektromobilität und erneuerbare Energie - im Innovationszentrum. Er kennt den Aha-Moment.

Das einzige Geräusch stammt vom Regen, der auf das Dach prasselt. Der Automatik-Wagen gleitet langsam zurück, zaghaft trete ich aufs Pedal. Der Golf schnurrt los, auf der Landstraße am Schloss Wendlinghausen gewöhne ich mich erstmal ein. Dann gebe ich wieder Gas, doch Gas ist das falsche Wort. Die Energie stammt nicht aus dem Verbrennungsmotor, sondern aus einem Akku. Am Armaturenbrett ist links so etwas wie ein Verbrauchsmesser. Beschleunige ich - und das Auto macht da richtig Spaß, denn es geht ab wie Schmitz Katze - , geht die Anzeige in den blauen Bereich, mache ich nichts, bewegt sich der Zeiger zur Null. Der Golf wird allerdings nicht so schnell langsamer. "Das liegt daran, dass der E-Golf ausläuft, ohne durch den Motor ein unterstützendes Bremsmoment zu entwickeln", sagt Vogelskamp.

Information
E-Auto-Ausstellung am Samstag

Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, ist am Samstag, 11. Juni, in Dörentrup, Energiepark 2, richtig. Am Innovationszentrum werden ab 14.30 Uhr Tesla, VW, BMW, Renault und einige andere Hersteller die Fahrzeuge vorstellen. Es gibt Informationen rund ums Tanken und die Technik. Außerdem wird ein Weltrekordversuch gestartet. Die 70 Teilnehmer der World Advanced Vehicle Expedition (WAVE) kommen mit E-Fahrzeugen, gerne sollen weitere dazu kommen. Ab 19 Uhr sollen so viele Fahrzeuge wie möglich mit Solarstrom betankt werden.


Nach der Fahrt wird unter dem Solar-Carport der Stecker einfach in den "Tank" gesteckt. 
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Nach der Fahrt wird unter dem Solar-Carport der Stecker einfach in den "Tank" gesteckt. (© LZ-Videoteam)
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Seit mehreren Jahren stehen die verschiedensten Modelle am Innovationszentrum des Kreises Lippe, das Thema ist E-Mobilität und die Kombination mit erneuerbarer Energie. Das bringt mich aufs Tanken, die Reichweitenanzeige gibt an, dass ich noch 175 Kilometer fahren kann - wenn das stimmt. Doch meine Sorge zerstreut der Experte. "Das ist zuverlässig." Das muss es auch sein, denn die Frage, wie ich weiterkomme, wenn der Akku mitten auf der Strecke leer ist, beantwortet Vogelskamp schmunzelnd. "Dann klingeln Sie an einem Haus, packen das Kabel aus, bitten um Strom und laden sich für ein Stündchen zum Kaffee ein. Dann haben Sie eine Reichweite von um die 30 Kilometer." Die Anfragen dafür dürften sich im Kreis Lippe nicht häufen: Aktuell sind 141 reine E-Autos angemeldet.

Alle reinen Stromer, so erfahre ich, können nicht von anderen per Seil oder Stange abgeschleppt werden. Wer liegenbleibt, der muss sicherheitshalber den Abschleppwagen rufen, der das Auto huckepack nimmt. Noch. "Wenn es mehr Fahrzeuge gibt, werden sich die Serviceclubs und Werkstätten technisch anders ausstatten. Dann wird es Möglichkeiten geben, die Autos über Schnellladesysteme mit Strom zu versorgen", ist Vogelskamp überzeugt. Außerdem verbessern die Hersteller auch die Antriebe. Als es bergab geht, bewegt sich die Nadel in den grünen Bereich. Statt sie zu verbrauchen, gewinnt der Wagen Energie durch die Rekuperation. Praktisch.

Das E-Auto wird mehr als nur die Fahrgewohnheiten umkrempeln. Der herkömmliche Mechaniker ist nicht mehr gefragt. Die andere Antriebstechnik erfordert andere Qualifikationen, klassisch mechanisch ist nur noch wenig. Dass er so leise ist, ist ungewohnt, die Stille hat noch ihren Preis: 35.000 Euro muss ein Käufer für den Golf hinlegen. Rechnet sich das, Herr Vogelskamp? "Nein, was die rein finanzielle Bilanz angeht, wenn man die Tankkosten zugrunde legt. Aber die Umwelt profitiert ganz sicher, und es gibt mittlerweile auch günstigere Modelle anderer Hersteller."

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