Grundkursus in Trüffelsuche für Hund und Herrchen

Sabine Hörnicke bietet in Leopoldstal den Kursus an. Hier lernen die Tiere spielerisch, die geruchsintensiven Pilze aufzuspüren

Tanja Watermann

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Nasenarbeit, die Spaß macht: Sabine Hörnicke (links) ist Deutschlands erste diplomierte Trüffelberaterin. Am Landhaus Blumengarten erklärt sie den Hundebesitzern die Suche nach den unterirdischen Pilzen. Im Vordergrund Susanne Tingelhoff mit "Phibie". 
- © Tanja Watermann
Nasenarbeit, die Spaß macht: Sabine Hörnicke (links) ist Deutschlands erste diplomierte Trüffelberaterin. Am Landhaus Blumengarten erklärt sie den Hundebesitzern die Suche nach den unterirdischen Pilzen. Im Vordergrund Susanne Tingelhoff mit "Phibie". (© Tanja Watermann)

Horn-Bad Meinberg. Ein Grundkursus in Trüffelsuche? Das klingt zunächst einmal kurios. Doch Sabine Hörnicke (43), Deutschlands erste diplomierte Trüffelberaterin, die deutschlandweit Grund- und Fortgeschrittenenkurse anbietet, ist zum Trüffelsuchen ins Lippische gekommen. Nach Leopoldstal.

Hier suchen sieben Hunde mit ihren Besitzern schon eifrig im Garten des Landhauses Blumengarten. Denn Trüffelsuche ist etwas für feine Nasen. Und Hunde verfügen über einen viel besseren Geruchssinn und finden die Fruchtkörper der Trüffel spielerisch.

Information

Tuber sind eine Delikatesse

Das Wort Trüffel hat im Deutschen eine Doppelbedeutung, da es zum einen alle Pilze umfasst, die ihre Fruchtköper hypogäen (also unterirdisch) ausbilden. Zum zweiten bezeichnet es die spezielle Gattung Tuber, zu der einige der teuersten und kulinarisch wertvollsten Trüffel gehören.


Nicht alle Trüffel kann man essen, von den weltweit 2000 Arten - 300 in Deutschland - gehören nur 20 zu den Tuber. Zehn davon sind für die Gastronomie relevant. Trüffel stehen seit 1986 in Deutschland auf der Roten Liste für besonders geschützte Arten. Die kugelig-knolligen Fruchtkörper verströmen einen starken Geruch. Fast alle in Deutschland gehandelten Trüffel kommen aus Plantagen in Italien, Frankreich oder Spanien.

Zunächst müssen die Hunde jedoch auf den Geruch konditioniert werden, so dass sie die ein paar Zentimeter unter der Erde vorkommenden Trüffel anzeigen können. Als Paradebeispiel für den wohl erfolgreichsten Trüffelhund, ist die kleine Trüffeljägerin "Jule" von Sabine und Udo Hörnicke mit angereist. Die Mischlingshündin hat allein in Deutschland schon mehr als 40 Trüffelarten nachgewiesen. Nicht alle davon sind kulinarisch wertvoll (siehe Kasten).

Hörnicke bildet weitere Trüffeljäger aus, weil es zum einen eine schöne Teamleistung für die Hunde und ihre Besitzer ist. Zum zweiten arbeitet sie als Gebietsleiterin West in der Forschungsgruppe Hypogäen und hat ein großes Interesse daran, die Trüffelvorkommen und -arten in Deutschland zu kartographieren. Lange galt Deutschland nämlich als "weißer Fleck" auf der Karte, weil keine Vorkommen nachgewiesen wurden.

Dabei war Deutschland vor den Weltkriegen ausgemachtes Trüffelland, viele Ältere können oft heute noch zielsicher Trüffelvorkommen benennen. Um als Mensch erfolgreich zu suchen, muss man sein Auge jahrelang schulen, denn anhand der Baumpartner und gewisser Parameter kann man seine Trefferquote auch ohne Hund erhöhen.

Astrid (48) und Stephan (53) Hillekamp nehmen mit ihren Golden Retrievern "Pelle" (5) und "Matti" (9) teil. "Obwohl wir kilometerweite Spaziergänge machen, sind die Hunde oft nicht ausgelastet. Da ist die ,Nasenarbeit? perfekt", erklärt Hundebesitzer Hillekamp, der mit seinen Vierbeinern schon Mantrailing, die Dummyarbeit und Agility ausprobiert hat. Außerdem hat er zum 50. Geburtstag vier mykorizierte, also mit Trüffeln infizierte, Eichen geschenkt bekommen. "Die Hunde sollen jetzt überprüfen, ob das stimmt", sagt er lachend.

Für die Trüffelsucharbeit präparieren die Teilnehmer nach der zweistündigen Theorie nun jeder vier Dummies. Drei werden mit natürlichem Trüffelöl versehen, ein weiterer richtiger Trüffel dient ebenso als Spielzeug zum Suchen. Alle Hunde, egal ob jung oder alt, groß oder klein, sind mit Feuereifer dabei.

Den Besitzern geht es gar nicht um die Trüffel selbst, sondern um die besondere Herausforderung mit dem Hund. "Ich mache gerne Sachen mit dem Hund, die sonst keiner macht. Man muss ihnen was bieten", sagt Susanne Tingelhoff über sich und ihren Therapiehund "Phibie".

Während die Hunde noch auf der Trainingswiese ihren Trüffelspielzeugen hinterherjagen, hat sich "Jule" leise davongestohlen und sogar im Garten des Landgasthauses zwei - allerdings kulinarisch unbedeutende, wie sich später herausstellt - Trüffelsorten gefunden und angezeigt.

Die Deutschlandkarte mit den Trüffelnachweisen hierzulande dürfte in ein paar Jahren ganz schön bunt aussehen.

Nähere Informationen zu Trüffel und Kursen unter www.natrueff.com.

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