Archiv bereitet uralte Familiendaten auf

Martin Hostert

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Er digitalisiert historische Dokumente: Volker Wetschera von "FamilySearch" an seinem Arbeitsplatz im Landesarchiv. Er hat in den vergangenen anderthalb Jahren 4000 Register fotografiert. - © Martin Hostert
Er digitalisiert historische Dokumente: Volker Wetschera von "FamilySearch" an seinem Arbeitsplatz im Landesarchiv. Er hat in den vergangenen anderthalb Jahren 4000 Register fotografiert. (© Martin Hostert)

Detmold. 44.000 Sterberegister zu digitalisieren und online zur Verfügung stellen: Dieses ehrgeizige Ziel hat sich das Landessarchiv in Detmold gesetzt. Mit "sensationeller Geschwindigkeit", so lobt Archivleiter Dr. Johannes Burkardt, sind die Mitarbeiter des Datenbank-Portals "FamilySearch" bei der Arbeit.

"FamilySearch" ist eine Forschergemeinschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage - der Mormonen. Sie fotografiert die Register fürs Archiv gebührenfrei ab, die Detmolder Experten verarbeiten die Fotos so weiter, dass die Urkunden bei der Recherche im Netz möglichst schnell gefunden werden können. "Das Interesse an Familiengeschichte steigt. Manche suchen blaublütige Vorfahren, manche wollen Ahnentafeln erstellen, andere die Ursprünge ihre Namens erforschen", sagte Dietmar Czieslau von "FamilySearch". Ihr Interesse hingegen sei theologisch begründet: "Wir glauben, dass Familien für ewig bestehen. Das sind die Ursprünge unserer genealogischen Gemeinschaft." Es gebe 4600 Forschungsstellen weltweit, nicht alle Forscher seien Kirchenmitglieder, sie werden durch Spenden bezahlt.

Information
Geburten, Hochzeiten, Todesfälle

Die Scans werden mit den Erschließungsdaten verknüpft, so dass jedes Digitalisat eindeutig einem Registerband zugeordnet werden kann. Das Landesarchiv NRW stellt "FamilySearch" die scanfähigen Originale und die erforderlichen Metadaten zur Verfügung. Es pflegt im Anschluss die Daten und stellt sie online bereit. Familienforscher sind eine der größten Kundengruppen des Archivs, sie suchen Daten über Geburten, Heiraten und Sterbefälle.

www.archive.nrw.de

In Detmold hat Volker Wetschera von "FamilySearch" seit Frühjahr vergangenen Jahres 4000 Register der Jahrgänge 1874 bis 1938 mit Sterbeurkunden aus dem Regierungsbezirk Münster fotografiert - eine halbe Million Aufnahmen. Knapp ein Viertel davon sind bereits online gestellt; sie stammen aus dem Landkreis Beckum. Dem Landesarchiv geht es um Service für seine Nutzer - die Register aus dem Regierungsbezirk Detmold werden deshalb zuletzt eingescannt, schließlich haben es die Ahnenforscher aus OWL nicht soweit zum Detmolder Lesesaal und können dort in den Originalen forschen.

Vor allem aber sei wichtig, dass diese Unikate geschont werden, betonte Burkardt. Es sei zentrale Aufgabe des Archivs, diese Kulturgüter zu erhalten. Register, deren Urkunden online verfügbar sind, werden künftig nicht mehr aus den Regalen geholt. "Sie sind im Lesesaal sehr, sehr nachgefragt. Wir fahren sie tonnenweise dorthin."

Die Fachkompetenz der Archivmitarbeiter werde durch die Unterstützung der Mormonen nicht in Frage gestellt, viele Dateien führten zu weiteren Anfragen. Er würdigte die Kooperation mit den Mormonen als "enorm wichtig" und als Gewinn.

Dr. Bettina Joergens vom Staatsarchiv dankte dem großen Team ihres Hauses und von "FamilySearch". Sie verdeutlichte die Mammutaufgabe mit Zahlen: Gerade mal zwei Prozent aller auf den 31 Regalkilometern gelagerten Register seien digitalisiert - nicht nur von "FamilySearch"; viele Kirchbücher etwa seien bereits online. Insgesamt verwahrt das Archiv 170.000 standesamtliche Personenregister.

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