Polizei nimmt weiter Hinweise auf mutmaßlichen Pädophilen entgegen

Augenzeugen fotografieren den mutmaßlichen Täter - Anwohner sind entsetzt

Erol Kamisli und Martin Hostert

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Tatort Spielplatz: Nicht alle sexuellen Übergriffe werden bei der Polizei angezeigt. Betroffene Familien sollten nach einem Vorfall nicht lange zögern, sondern gleich Strafanzeige stellen, raten die Ermittler. - © Archivfoto: Vera Gerstendorf-Welle
Tatort Spielplatz: Nicht alle sexuellen Übergriffe werden bei der Polizei angezeigt. Betroffene Familien sollten nach einem Vorfall nicht lange zögern, sondern gleich Strafanzeige stellen, raten die Ermittler. (© Archivfoto: Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe/Blomberg. Er sprach die beiden jugendlichen Mädchen auf Spielplätzen in der Innenstadt an und streichelt sie anschließend am Körper. Mindestens zwei Mal soll ein 20- bis 35-jähriger Mann im Juli dieses Jahres Mädchen auf dem Spielplatz sexuell belästigt haben.

Der letzte bekannte Übergriff passierte auf dem Spielplatz am Park an der Heutorstraße, Ecke Gartenstraße/ Große Mauer. "Als der Mann dabei von Zeugen beobachtet und anschließend fotografiert wurde, entfernte er sich vom Spielplatz", sagt Polizeisprecher Uwe Bauer. Ob es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Blomberger handele, der vielleicht in der Nähe des Spielplatzes wohne, wisse die Polizei noch nicht . "Es ist auch möglich, dass er aus angrenzenden Kreisen oder Gemeinden stammen könnte", fügt Bauer hinzu.

Information
Hinweise bitte an Kripo in Blomberg unter Tel. 05235-96930.

Kurz nach den Vorfällen hätten die Eltern der beiden Jugendlichen Strafanzeige bei der Blomberger Polizei erstattet - wie hoch eine mögliche Dunkelziffer sei, müssten die Ermittlungen der Polizei zeigen. "Ich kann nur allen Betroffenen empfehlen, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten", sagt Bauer. Ganz wichtig sei, dass Eltern ihren Nachwuchs aufklärten. "Die Kinder müssen ermutigt werden, dass sie in solchen Notsituation auf sich aufmerksam machen oder Hilfe holen."

Trotz Aufklärung ihrer 13-jährigen Tochter macht sich Anwohnerin Sabine Schröder, die ihren echten Namen nicht nennen will, große Sorgen. "Meine Tochter ist auch mit Freunden häufig auf dem Spielplatz, aber sie wurde zum Glück noch nicht belästigt", sagt die 46-Jährige. Natürlich werde in der Nachbarschaft spekuliert, "aber wir stehen hier irgendwie unter Schock und können es immer noch nicht glauben, dass hier so etwas passiert ist."

Auch Rolf Schmidt, der in der Nähe des Spielplatzes wohnt, ist entsetzt: "Ich hoffe, die kriegen den Mann, und dann herrscht hier wieder Ruhe", sagt der 69-jährige Rentner. Es mache schon Angst, dass solche Übergriffe direkt vor der Haustür passierten, daher sei er froh, dass Zeugen "geistesgegenwärtig das Handy gezückt haben, um den Übeltäter zu fotografieren", fügt der Blomberger hinzu. Seine Nachbarin Sylvia Wittenberg hat über das Internet von den Übergriffen erfahren: "Ich werde künftig noch mehr auf mein Umfeld achten", sagt die Hausfrau. Sie hoffe auf einen schnellen Fahndungserfolg der Polizei.

"Angst lähmt im Zweifelsfall"

Was können und sollten Eltern in einer Situation wie der Blomberger tun? Die LZ fragte Irmgard Weishaupt. Sie ist Leiterin der Schulpsychologie Lippe. "Wichtig ist, Kindern Sicherheit und Verständnis zu vermitteln, ihnen klarzumachen, dass sie über unangenehme Erlebnisse sprechen können - auch wenn der Verursacher vielleicht ein (bekannter) Erwachsener ist." Es gelte, ihnen zu sagen: "Du darfst deinen Gefühlen vertrauen - wenn Du Dich unwohl fühlst oder ekelst, darfst Du Berührungen oder Kontakte ablehnen."

Es sei nötig, Handlungsmöglichkeiten für den Ernstfall zu besprechen. "Eltern sollten sagen: "Du darfst wegrennen, schreien, laut ,nein? rufen, andere Leute ansprechen, erzählen, was passiert ist und sie bitten, dich zu beschützen, gemeinsam die Eltern anzurufen, dem unangenehmen Menschen klar machen, dass er aufhören muss."

Wichtig sei, den Kindern Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu vermitteln und keine Angst. Denn: "Angst lähmt im Zweifelfall." Kindern sollte altersgerecht der Sachverhalt erklärt werden - soweit sie nachfragten. "Leider passieren die weitaus meisten Übergriffe im sozialen Umfeld der Kinder - auch wenn im aktuellen Fall vermutlich die Warnung ,vor dem fremden Mann? zutreffend sei, sollten Eltern übergriffige Verhaltensmuster aus dem persönlichen Umfeld thematisieren."

An vielen Schulen gibt es Kurse und Angebote für Kinder und Eltern zum Thema "Ich-Stärkung", Wenn Eltern unsicher oder Kinder betroffen oder ängstlich sind, empfiehlt die Psychologin, Kontakt zu Beratungsstellen aufzunehmen.

Polizei nimmt Hinweise entgegen

Bei der Polizei sind mittlerweile zehn Hinweise auf den Mann eingegangen.

Zeugen hatten einen Vorfall beobachtet und den Mann fotografiert. Dieses Foto hatte ein Richter für die Veröffentlichung freigegeben. „Eine solche Fahndung dürfen wir nur starten, wenn einwandfrei geklärt ist, dass die fotografierte Person tatsächlich mit zumindest einer Tat in Zusammenhang gebracht werden kann", sagt Polizeipressesprecher Uwe Bauer.

Der Richter prüfe die Glaubwürdigkeit der Zeugen sowie die Details und Daten der Aufnahme. Das Foto diene auch dem Zweck, weitere Betroffene zu finden. Vielleicht gab es Vorfälle, die eigenartig waren oder aber die Opfer haben bislang nicht den Mut gefunden, den Mann anzuzeigen", sagt Bauer.

Bis gestern allerdings meldeten sich bei der Polizei keine weiteren Betroffenen.

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