Das müssen Sie zur Knochenmarkspende wissen

Erol Kamisli

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Für den krebskranken Patrick wird ein neuer Spender gesucht. - © DKMS
Für den krebskranken Patrick wird ein neuer Spender gesucht. (© DKMS)

Kreis Lippe. Viele krebskranke Menschen sind auf der Suche nach dem passenden Spender. Doch wer darf spenden? Muss ich operiert werden? Gibt es Nebenwirkungen? Wir haben die Antworten zur Stammzellenspende mit Stefanie Bräutigam vom Westfalen-Büro der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Hövelhof zusammengefasst.

Passiert es häufig, dass potenzielle Spender abspringen?

„Es sind sehr wenige Fälle", sagt Bräutigam. Wenn die Gewebemerkmale des Spenders mit denen eines Patienten übereinstimmen, seien weitere Untersuchungen nötig. „Da kann sich herausstellen, dass ein Spender aus gesundheitlichen Gründen gar nicht in Frage kommt", sagt Bräutigam.  Das Recht, die Spende zurückzuziehen, habe jeder, denn sie sei freiwillig.

Wie funktioniert die Spende?

„In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen aus der Blutbahn entnommen", sagt Bräutigam.  Eine Operation entfällt. „Diese ist nötig, wenn eine Knochenmarkspende vorgenommen wird", so Bräutigam. Dabei wird unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen.  Die Operation dauere eine Stunde, innerhalb von zwei Wochen regeneriere sich das Knochenmark. Der Krankenhausaufenthalt dauere etwa drei Tage.

Sind die Spender abgesichert?


„Ja. durch die Unfallversicherung", so Bräutigam. Die DKMS schließe zwei weitere Versicherungen für Spender ab – dabei seien die Operation, die Stammzellentnahme sowie die An- und Abreise zur Klinik versichert.

Wird man zur Spende krankgeschrieben?

„Wir sprechen mit Arbeitgebern und bitten um Freistellung", so Bräutigam.

Lernen sich Spender und Empfänger kennen?

Die Spende ist anonym. Man könne sich nach zwei Jahren treffen, wenn alle wollten.

So läuft eine Stammzellenspende ab

1. Registrierung 

Jeder, der in Deutschland lebt, zwischen 17 und 55 Jahren alt und gesund ist, kann sich registrieren lassen. „Ab einem gewissen Alter nehmen Krankheiten zu, daher die Grenze", erklärt Stefanie Bräutigam von der Knochenmarkspenderdatei. Auch wer deutlich unter 50 Kilo wiegt, darf nicht spenden, da dann die Zahl der Stammzellen zu niedrig sei. Auch starkes Übergewicht führe zum Ausschluss.

2. Blutspende 

Zur Bestimmung der Gewebemerkmale des Spenders wird entweder eine Blutprobe oder ein Wangenschleimhautabstrich benötigt. „Die Daten werden anonymisiert gespeichert und stehen weltweit für Anfragen zur Verfügung", so Bräutigam. Wenn die Gewebemerkmale des Spenders tatsächlich mit denen eines Patienten übereinstimmen, würden weitere Untersuchungsschritte eingeleitet.

3. Treffer

„Ein potenzieller Spender muss einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Anschließend muss der Spender sich wieder Blut zum Beispiel bei seinem Hausarzt abnehmen lassen", sagt Bräutigam. Danach werde das Blut auf bestimmte Infektionserreger überprüft. Wenn alles in Ordnung ist und das Blut mit dem des Empfängers übereinstimme, folge die Stammzellenspende.

4. Nebenwirkungen

Bei der Stammzellenspende könne es zu grippeähnlichen Symptomen oder auch Kopfschmerzen kommen, so Bräutigam. Mehr nicht. „Bei der Knochenmarkspende kann ein lokaler Wundschmerz auftreten, ähnlich einer Prellung", fügt Bräutigam hinzu. Selten komme es zu länger anhaltenden Schmerzen. Grundsätzlich solle jeder, der sich registrierte, zu beiden Methoden bereit sein.

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