Auch Smart-Home-Lösungen schützen nicht vor Einbrechern

Mechanische Sicherungen halten Täter hingegen eher auf

Astrid Sewing

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Auf der weltgrößten Sicherheitsmesse in Essen, der Security, ist ein komplett vernetztes Haus aufgebaut worden. Per Tablet und Smartphone lassen sich alle Kameras, Fenster, Türen und Geräte steuern. - © Messe Essen IPTC
Auf der weltgrößten Sicherheitsmesse in Essen, der Security, ist ein komplett vernetztes Haus aufgebaut worden. Per Tablet und Smartphone lassen sich alle Kameras, Fenster, Türen und Geräte steuern. (© Messe Essen IPTC)

Kreis Lippe. Sie liegen in Spanien am Strand, schauen auf Ihr Smartphone und sehen, wie Männer in Ihr Haus einbrechen. Sie rufen die Polizei in Deutschland an und verfolgen die Festnahme live. Diese Fälle gibt es, aber nur ausgefeilte Smart-Home-Technik macht das möglich. Aus Sicht der Polizei und des Bundesverbandes für Sicherheitstechnik (BHE), ist das Beispiel aus München keine Blaupause: Die Einbrecher waren Anfänger, der Hausherr ist IT-Fachmann. „Effektiver Schutz setzt Fachwissen voraus, das haben Laien nicht", sagt Norbert Schaaf, Vorstandsvorsitzender des BHE.

Der Sicherheitsexperte, der an internationalen Prüfnormen und Richtlinien mitarbeitet, sieht den klaren Trend, das Haus und die Wohnung technisch zu steuern. Damit einher gehe ein weiter wachsendes Sicherheitsbedürfnis, die Branche verzeichne ein stetiges Umsatzwachstum. „Das bringt die Leute darauf, dass sie sicher sind, wenn sie Kameras mit ihren Smartphones vernetzen, aber das ist ein Trugschluss." Die Zeit, die die Einbrecher brauchen, ist der Knackpunkt.

- © Grafik: Benjamin Möller (Quelle: Polizei)
(© Grafik: Benjamin Möller (Quelle: Polizei))

„Osteuropäische Banden schicken Profis, die nicht länger als drei Minuten brauchen, bis sie mit der Beute weg sind. Kameras schrecken die nicht ab, die lassen sich auch filmen." Außerdem sei es sehr komplex, Steuerungs- und Sicherheitstechnik zu vernetzen. „Paket-Lösungen erfassen so gut wie nie alle Anforderungen, die Sie in Ihrem speziellen Fall haben. Und wenn Sie das nicht sehr gut mit Passwörtern absichern, dann können die Kameras gehackt und Sie in Ihrem Haus beobachtet werden. Da gibt es Anleitungen im Internet", sagt Schaaf. Die Smart-Home-Technik biete andere Vorteile. „Sie können die Anwesenheit simulieren, per Smartphone oder Tablet die Heizung steuern, das Licht und vieles mehr. Das sind Faktoren, die präventiv wirken." Wer Angst davor hat, dass er einem Einbrecher begegnet, der müsse ohnehin eine Alarmanlage einbauen lassen. „Das erhöht für die Täter das Entdeckungsrisiko und ist ein zusätzlicher Schutz."

Der lippische Kriminalhauptkommissar Christian Weicht sieht da einen weiteren Vorteil. „Sicherheitsfachleute überprüfen die Anlagen. Wenn es Fehlalarme gibt, dann testen die das System, um auszuschließen, dass Täter daran manipuliert haben." Die Polizei stelle keine Rechnung aus, wenn sie nach einem Fehlalarm gerufen werde – allerdings gibt es Ausnahmen. „Wenn ein Smart Home ständig Meldungen sendet, zum Beispiel, dass ein Fenster geöffnet wurde, dann kann es sein, dass wir darauf hinweisen, dass wir nicht mehr kommen", sagt Weicht. Bislang allerdings sei dies noch nicht vorgekommen.

Polizei und BHE-Experte raten dazu, zunächst den mechanischen Schutz zu verbessern. „Mehr als 40 Prozent der Taten bleiben im Versuch stecken. Je länger die Täter brauchen, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Vorhaben aufgeben."

Tipps für ein sicheres Zuhause gibt die Polizei bis Freitag im Foyer des Rathauses in Bad Salzuflen, Rudolph-Brandes-Allee, von 10 bis 18 Uhr.

Kommentar: "Ungewollte Einladung"

von Thomas Reineke

Einbruch. Dieses Wort macht Angst. Und die wird in der dunklen Jahreszeit nicht kleiner. War früher eher der Westen Lippes mit Bad Salzuflen und Leopoldshöhe durch die Nähe zur A 2 bevorzugtes Revier von Tätern, dehnen sie ihren Aktionsradius auf ganz Lippe aus. Auffällig in den vergangenen Wochen waren Serieneinbrüche in Nordlippe oder Lügde. Professionelle Banden scheinen sich auch ländliche Regionen gezielter vorzunehmen.

Die entscheidende Frage für Haus- und Wohnungsbesitzer ist: Was kann ich tun, um Einbrecher fernzuhalten? Und das mit einem (finanziell) vertretbaren Aufwand. Ein Heim lässt sich nahezu festungsmäßig hochrüsten. Doch wer kann viele Tausend Euro dafür 
lockermachen oder gar einen privaten Wachdienst engagieren? Wer sich schnell über Basisverhaltensregeln informieren will, wird unter www.polizei-beratung.de fündig. Wer die gröbsten Fehler vermeidet (Fenster auf Kipp halten, nicht verschlossene Haustüren oder draußen „versteckte" Schlüssel), hat schon einiges getan. Dazu hilft eine weitere Maßnahme, die nichts kostet: eine aufmerksame Nachbarschaft.

Fazit: Eine absolute Sicherheit gegen ungebetene Gäste gibt es nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie viel ihm die Unversehrtheit der eigenen vier Wände wert ist. Tatsache ist aber auch: Wer das Thema beiseite schiebt und denkt, es werde ihn schon nicht treffen, spricht den Tätern ungewollt eine Einladung aus.

Information

Die Polizei empfiehlt ...

  • Schließen Sie Ihre Haus- und Wohnungstür so oft wie möglich ab, auch wenn Sie nur kurz weggehen.
  • Gekippte Fenster sind offene Fenster.
  • Kellerlichtschächte und Kellerfenster sollten mit massiven, gut verankerten Gittern und Gitterrosten gesichert werden.
  • Hauseingangstüren von Mehrfamilienhäusern sollten auch tagsüber geschlossen werden.
  • Rolläden sollten nur nachts herunter gelassen werden, sonst entsteht der Eindruck, die Bewohner seien nicht da.
  • Wertsachen sollten dokumentiert werden und nicht offen herumliegen.
  • Lassen Sie sich von Sicherheitsexperten kostenlos beraten, die Polizei und zertifizierte Handwerker zeigen Lösungen auf, was man umbauen oder ändern muss, um die Plakette „Zuhause sicher" zu bekommen. Für Einiges gibt es Fördermittel. Wer die Plakette hat, kann auch bei den Versicherungsbeiträgen sparen.
  • Sensibilisieren Sie Ihre Nachbarschaft und melden Sie Verdächtiges der Polizei unter 110.

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