Experten bangen wegen WhatsApp & Co. um Handschrift

Roland Beck und Kirsten Fuhrmann

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Etwa 70 bis 80 Prozent der Grundschüler können nicht mehr richtig mit der Hand schreiben. - © Symbolbild: Pixabay
Etwa 70 bis 80 Prozent der Grundschüler können nicht mehr richtig mit der Hand schreiben. (© Symbolbild: Pixabay)

Nürnberg. Heute ist der Internationale Tag der Handschrift. Aber die Schreibschrift ist in Gefahr: In Finnland müssen Schüler sie schon gar nicht mehr lernen, andere Länder diskutieren über die Abschaffung. Auf dem Vormarsch sind Tablet und PC. Aspekte rund um das Schreiben mit der Hand.

FEHLENDE KOMPETENZ

Zum Tag der Handschrift schlägt die Nürnberger Bildungsforscherin Stephanie Müller Alarm: „Etwa 70 bis 80 Prozent der Grundschüler können nicht mehr richtig mit der Hand schreiben". Die Folgen seien gravierend: „Das Erlernen der Handschrift ist ein hochkomplexer Vorgang, der für die Feinmotorik der Kinder wichtig ist. Kinder, die wenig mit der Hand schreiben, haben weniger motorische Fähigkeiten". Die Handschrift sei deshalb mehr, als Linien und Striche auf Papier.

FÜLLER-FÜHRERSCHEIN

In den meisten Ländern spielen Tinten-Füller im Unterricht keine große Rolle. Weltweit beliebt ist der Bleistift, chinesische Schriftzeichen werden mit einem Kalligraphiestift- oder Pinsel erlernt. In Indien greifen Schüler am liebsten zum Kugelschreiber. An vielen deutschen Grundschulen dagegen bekommen Schüler einen symbolischen Füller-Führerschein, wenn sie mit dem Tinten-Füller umgehen können.

STIFT, TASTATUR, TABLET?

Der Psychologieprofessor Daniel Oppenheimer von der UCLA Anderson School of Management in Los Angeles führte mit seinen Studenten einen Versuch durch: Die eine Hälfte musste bei seiner Vorlesung von Hand mitschreiben, die andere tippte das Gehörte in den Computer. Die Mitschreiber schnitten deutlich besser ab. Weil sie nicht jedes Wort notieren konnten, hatten sie insgesamt mehr Lehrstoff im Gehirn gespeichert.

Wissenschaftler am Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm untersuchen an 150 Kindern, mit welchem Medium sich Lerneffekte am stärksten im Gehirn verankern: Klassischer Stift, Tastatur oder digitaler Tablet-Stift. In der Vorstudie zeigten sich Vorteile der Schreibschrift.

FINNLAND SETZT AUF PC

Finnische Schüler müssen die Schreibschrift seit Herbst nicht mehr lernen. Ähnliche Überlegungen gibt es in den USA und in der Schweiz, wo die „Schnürli-Schrift" zur Debatte steht. Die Bundesregierung will fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung von Schulen ausgeben. „Einmaleins und ABC nur noch mit PC", heißt es dazu auf der Internetseite des Bundesbildungsministeriums.

Kreis Lippe bietet Tablet-Workshops an

Das Zentrum für Bildung, Medien und Beratung (ZBMB) veranstaltete vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung einen Tablet-Workshop in Bad Salzuflen. Dabei informierten die Veranstalter über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von digitaler Technik im Schulalltag.

Oliver Dudek, stv. Leiter der Gesamtschule Aspe, Horst Tegeler, Tobias Bachert und Gordon Gröne (von links). - © Privat
Oliver Dudek, stv. Leiter der Gesamtschule Aspe, Horst Tegeler, Tobias Bachert und Gordon Gröne (von links). (© Privat)

Gordon Gröne, Medienbeauftragter der Gesamtschule Aspe, berichtete von seinen Erfahrungen. Konkrete Unterrichtsbeispiele vermittelten den rund 20 Teilnehmern Anknüpfungspunkte für den eigenen Unterricht, heisst es in einer Pressemitteilung. Medienpädagoge Tobias Bachert aus Mainz stellte Beispiele für den Einsatz von Tablets in technischen und mathematischen Fächern und in der Sprachförderung vor.

Der Leiter des ZBMB, Horst Tegeler, freute sich über das große Interesse der Teilnehmer und stellte den Mehrwert von Tablets im Unterricht heraus: "Die Nutzung der Funktionen und die breite Palette an Apps für alle Unterrichtsthemen bietet ein außergewöhnliches Kreativpotenzial für spannende Unterrichtsgestaltung, die einen Motivationsschub für Schüler wie auch Lehrer bringen kann. Gemeinsam mit den Medienberatern für den Kreis Lippe werden wir die Schulen in diesem Prozess sehr gern weiter unterstützen." Im April soll ein weiterer Workshop stattfinden.

Information
Für interessierte Lehrer und Medienbeauftragte steht neben dem Kompetenzteam für den Kreis Lippe das Zentrum für Bildung, Medien und Beratung auch Horst Tegeler unter Tel. 05231-623650 oder h.tegeler@kreis-lippe.de zur Verfügung.

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