Stromnetz: Gesetz entlastet Unternehmen

Thorsten Engelhardt

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Hochspannung: Blick auf das Umspannwerk bei Detmold-Vahlhausen. - © Bernhard Preuss
Hochspannung: Blick auf das Umspannwerk bei Detmold-Vahlhausen. (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Ein neues Bundesgesetz wird sich bei lippischen Stromkunden auf mittelfristige Sicht im Portemonnaie bemerkbar machen. Vor allem Unternehmen dürften eine Entlastung spüren. Allerdings nicht sofort.

Das überregionale Stromnetz, das Übertragungsnetz in ganz Deutschland, wird von Für Lippe ist Netzbetreiber „TenneT" zuständig. Aus dem Hochspannungsnetz kommt der Strom in die lokalen Verteilnetze, die in Lippe den jeweiligen Stadtwerken oder Westfalen-Weser-Energie gehören. Die Netzbetreiber erhalten von ihren Kunden für die Durchleitung des Stroms Netzentgelte.

Stromnetzbetreiber „TenneT" hat zum 1. Januar 2017 das Netzentgelt um rund 80 Prozent erhöht. Die Begründung: Das Hochspannungsnetz wird durch die Zuleitungen von Solar- und Windenergie besonders belastet, sagt „TenneT". Maßnahmen, um das Netz zu stabilisieren, kosten Geld. Allerdings profitieren alle davon, die am deutsche Höchstspannungsnetz hängen, teilt Sprecherin Ulrike Hörchens mit. 2015 und 2016 hätten „TenneT-Kunden 70 Prozent der deutschlandweiten Kosten für Notmaßnahmen tragen müssen. Darum fordert „TenneT" einheitliches Netzentgelt, um die Kosten fairer zu verteilen.

Die bisherige Schieflage hat den Strompreis nach oben getrieben, denn auch die lokalen Energieversorger haben die Anhebungen an ihre Kunden gegeben, bestätigt Arnd Oberscheven, Geschäftsführer der Stadtwerke Lemgo.

Die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK) hat sich als einzige IHK in Nordrhein-Westfalen für eine fairere Verteilung der Netzentgelte stark gemacht, sagt ihr Energieexperte Matthias Carl. Denn im Gegensatz zu Lippe liegt der Großteil NRWs im Bereich des Netzbetreibers Amprion, der nur halb so hohe Netzentgelte verlangt, weil er die Kosten der Energiewende bei ihm nicht so zu Buche schlagen.

Aber in Bundestag und Bundesrat haben sich jetzt die „Umverteiler" durchgesetzt. Beide Parlamente haben sich dafür ausgesprochen, die Netzentgelte bundesweit schrittweise anzugleichen. Das freut Matthias Carl sehr, denn damit werde ein Wettbewerbsnachteil der lippischen Industrie ausgeglichen.

Immerhin betrage der Anteil des Netzentgeltes am Bruttostrompreis bis zu einem Drittel – abhängig von Verbrauch der Unternehmen. Und in Lippe sei die Industrie in diesem Jahr erstmals mit höheren Netzentgelten konfrontiert als auf der NRW-Ebene und im Bundesdurchschnitt. Das hat der aktuelle Netzentgeltvergleich der IHK Lippe ergeben. „Im Schnitt zahlen die Unternehmen pro Kilowattstunde Strom ein Netzentgelt von 4,55 Cent", sagt Matthias Carl. Bei einem bundesweiten Strompreis von 17,12 Cent brutto seien das immerhin über 25 Prozent.

Einheitliche Netzentgelte auf Ebene des Übertragungsnetzes brächten allen Unternehmen etwas, sagt Carl. Zehn Prozent geringere Stromkosten seien am Ende möglich, schätzt er.

Eine energieintensive Branche in Lippe ist beispielsweise die Kunststoffproduktion. So freut sich Markus Orbke, bei der Firma Brummernhenrich in Bad Salzuflen für das Thema Energie zuständig, über die Nachricht aus Berlin. „Im Endeffekt bleibt so mehr Geld übrig, das wir an anderer Stelle investieren können", sagt er. Brummernhenrich produziert mit 55 Mitarbeitern und rund 50 Maschinen an zwei Standorten in Bad Salzuflen technischen Spritzguss.

Markus Orbke. Er spricht von sieben Prozent Energiekosten, gemessen am Umsatz. Zwei Millionen Kilowattstunden benötige das Unternehmen im Jahr, 17 Cent betrage der Bruttopreis für eine Kilowattstunde. Bei einer Stromrechnung von 340.000 Euro kommt am Ende durch die Gesetzesänderung nicht die große Entlastung dabei raus, aber sie kommt dennoch gut an: „Ich freue mich über alles, was die Kosten drückt."

Zu große Euphorie ist nach Ansicht von Stadtwerke-Chef Arnd Oberscheven aber nicht angebracht. Denn die Angleichung der Netzentgelte soll schrittweise bis 2023 erfolgen.

Weniger Aufwand, weniger Kosten

Vor allem Unternehmen, die mit eigenen Transformatoren die Spannung herunterregeln, kommen in den Genuss der Entlastung, erläutert Arnd Oberscheven. Denn die örtlichen Energieversorger wie die Stadtwerke haben ja selbst mit dem von ihnen weitergeleiteten Strom aus dem „TenneT"- Hochspannungsnetz nicht so viel Aufwand, sie müssen die Spannung zum Beispiel nicht selbst noch einmal heruntertransformieren. Entsprechend sind ihre eigenen Netzentgelte hier geringer.

Zum Herunterladen
  1. 170714_0833_karte_mittelspannung_2017.pdf
  2. 170714_0834_tabelle_netzentgelte_und_berechnung_netzentgelte_uebertragungsnetz.pdf

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