Hinter den Kulissen: Stoppelfeld, Stormtrooper und ein Ford Taunus, Baujahr 1960. Eine Spannende Mischung. - © Peter Rüger

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Hinter den Kulissen: So läuft ein Videodreh mit Oldtimer, Stormtrooper und Superman

Hinter den Kulissen: Stoppelfeld, Stormtrooper und ein Ford Taunus, Baujahr 1960. Eine Spannende Mischung. (© Peter Rüger)

Kreis Lippe. Ein Oldtimer zischt durch das Lipperland - für das Autokino am Schiedersee geht es auf eine filmische Zeitreise. Doch um den Spot zu produzieren, musste das LZ-Team einige Hindernisse überwinden. Ein Erfahrungsbericht.


Meine Hände schließen sich um das Lenkrad. Es hat deutlich mehr Ähnlichkeit mit dem eines Lkws als dem, was ich von meinem Auto gewohnt bin. Ich ziehe einen Hebel auf der rechten Seite zu mir, gebe ihm einen kräftigen Ruck und hoffe, den ersten Gang erwischt zu haben. Mit dem Fuß auf dem Gas des Ford Taunus 17M, den ich für heute fahren darf, bin ich bereit für große Abenteuer. Doch dann passiert - nichts.

Tja. "Sie fuhr Ford und kam nie wieder", haben meine Freunde früher behauptet. Kurz schießt mir dieser Satz in den Kopf, als ich mitten auf einem Feld in Lage über die offene Motorhaube gebeugt stehe. Bis dahin hat alles prima funktioniert, doch nun geht gar nichts mehr. Keine Zündung, kein Motorschnurren und vor allem kein Vorwärtskommen. Und das, bevor die Kamera überhaupt die erste Szene aufgenommen hat. Doch Hilfe ist nicht weit.

Fahrschule 2.0

Mit vier Leuten ging es an diesem Morgen los - Beifahrer Till Sadlowski, Kameramann Jannik Stodiek sowie Tonfrau Katja Akulenko und ich. Schon beim Ford-Händler Auto Weege in Bad Salzuflen hätte ich ahnen können, dass mit einem so alten Auto nicht immer alles glatt geht. "Der Wagen ist Baujahr 1960. Bei diesen älteren Modellen kann es sein, dass technisch mal etwas nicht stimmt", hatte Chef Achim Weege uns noch mit auf dem Weg gegeben. Genau so wie seinen Mitarbeiter Peter Rüger - für alle Fälle. Und für ein wenig Fahrunterricht.

Zum ersten Mal Oldtimer zu fahren, das ist ein bisschen so, wie neu zu lernen, Auto zu fahren. Bevor ich den Wagen in den Straßenverkehr bringe, übe ich auf dem Firmengelände der LZ. Keine Servolenkung, keine Bremsverstärkung und die Schaltung am Lenkrad - das hatte ich mir alles irgendwie leichter vorgestellt. Bis zum zweiten Gang ist das Ganze soweit kein Problem. Abgesehen davon, dass meine Hand immer wieder nach dem nicht vorhandenen Schaltknüppel in der Mitte greifen will. Nur der dritte Gang will einfach nicht rein. Aber naja, wer muss schon schnell fahren, denke ich mir. Schrittgeschwindigkeit reicht ja eigentlich auch zum Filmen.

Motorhaube auf und ab dafür: Um den Ford Taunus zu starten, muss neu verkabelt werden. - © Jannik Stodiek
Motorhaube auf und ab dafür: Um den Ford Taunus zu starten, muss neu verkabelt werden. (© Jannik Stodiek)


Zurück nach Lage. An meiner Fahrkunst liegt diese erste Panne definitiv nicht, beschließe ich. Und auch Peter Rüger pflichtet mir bei. "Da saß wohl das Zündkabel locker", sagt der Oldtimer-Experte, geht zum Kofferraum und rupft kurzerhand ein dort lose hängendes Kabel ab. "Das ist noch von einem alten Lautsprecher, nichts wichtiges." Oben auf dem Hügel sehe ich das Kamerateam gestikulieren. Ja, nun, schneller geht's halt nicht. Ich bin ja schon froh, wenn der Wagen überhaupt wieder läuft.

Ganz wie MacGyver

Kurze Zeit später schnurrt der Taunus wieder. Peter, wir haben uns derweil auf das Du geeinigt, hat mit dem Kabelfetzen und seinem Schlüssel eine Überbrückung gebaut. MacGyver hätte es nicht besser machen können. Jetzt kann man die Zündung zwar nicht mehr mit dem Schlüssel stoppen. Oder starten. Aber immerhin. Wenige Minuten später fahren wir zum ersten Mal durch die Lagenser Steppe. Am Straßenrand setzt ein Stormtrooper gerade seinen Helm auf. Sicherlich nicht sehr angenehm, bei 30 Grad in Rüstung in der Sonne zu stehen. Aber Michael Mohaupt kennt das. Mit seiner Gruppe "Endor Base Star Wars Fans OWL" ist er häufiger im Kostüm unterwegs. In Kinderkrankenhäusern, Filmpremieren oder bei Redaktionsbesuchen.

Weiter geht es nach einer kurzen Currywurst-Pause zum "Entenkrug" in Belle. Hier soll Superman Popcorn reichen, während wir an ihm vorbeifahren. Es ist übrigens Ferien- und damit Urlaubszeit. Es herrscht ein Engpass an freiwilligen Schauspielern - daher ist Superman heute Jannik, unser Kameramann. Schnell schmeißt er sich ins Kostüm und steht am Rand, während der Ford Taunus, Till und ich auf Position gehen. Die folgende Szene kann für Autoliebhaber verstörend wirken.

Immer wieder heißt es: Gang rein, Kupplung laaaaange kommen lassen und ab dafür. Die Strecke geht bergauf und wir fahren nur wenige Meter. Zurücksetzen und wieder von vorne. Nach dem zehnten Take habe ich das Gefühl, das Auto ist unglücklich mit der Fahrweise. Es ruckelt und buckelt und irgendwie riecht es auch komisch. Bei Take 12 sehe ich auf einmal Qualm aus der Motorhaube aufsteigen. Kein Wölkchen. Sondern eine Riesenwolke hüllt das Auto ein. Ich ziehe die Handbremse, würge den Motor ab und husche mit schnellen Schritten einige Meter vom Auto weg. Wer weiß, ob der Oldtimer diesen Zeitpunkt wählt, um hinter mir zu explodieren.

Verzweifelte Blicke

"Sowas hab ich auch noch nicht gesehen", sagt Peter, der Techniker. Das ewige Auf und Ab ist dem Kühler nicht gut bekommen. Gar nicht gut, um genau zu sein. Der Motor ist überhitzt und durch den ganzen Druck der Kühlerschlauch geplatzt. Und wieder ein bekanntes Bild: Wagen am Straßenrand, offene Motorhaube und verzweifelte Blicke.

Gut, dass wir voll ausgerüstet sind. Gafferband, eine Schere und unsere gesammelten Vorräte an Trinkwasser machen es möglich, dass wir etwa eine Stunde später weiterfahren können. Jetzt muss alles auf Anhieb klappen. Ich weigere mich, diese Szene mehr als ein weiteres Mal zu drehen. Wir befestigen die GoPro-Kamera an der Windschutzscheibe und filmen die Szene von außen und innen. Am Schiedersee angekommen stellen wir fest, dass die GoPro nach drei Sekunden Aufnahme den Betrieb eingestellt hat. Verflixt und zugenäht.

Es wird dunkel, als wir uns auf der Wiese am Schiedersee für die letzten Szenen vorbereiten. Auch Katja, die sich bislang um den Ton gekümmert hat, muss jetzt vor die Kamera. Im "Bootshaus", einer Gastronomie am See, bereitet sie sich mit reichlich weißer Schminke, einer Perücke und Hotpants auf ihren Einsatz als "Harley Quinn", Schurkin aus der Comicverfilmung von "Suicide Squad", vor.

Wie aus Katja Akulenko "Harley Quinn" wird. - © Peter Rüger
Wie aus Katja Akulenko "Harley Quinn" wird. (© Peter Rüger)


Wie erschreckt man sich eigentlich glaubhaft vor der Kamera? Indem man eine Großpackung Popcorn in die Luft wirft, findet mein Beifahrer Till. Und schon bin ich von oben bis unten in die klebrigen Maiswölkchen gehüllt. Dreimal sammeln wir das Popcorn aus dem Fußraum und den Ritzen in der Lederpolsterung auf.

Popcorn soweit das Auge reicht. - © Peter Rüger
Popcorn soweit das Auge reicht. (© Peter Rüger)


Es ist plötzlich wieder hell. Zwei Lichtstrahler leuchten uns in die Augen. Für die letzte Szene springt Katja, aka "Harley Quinn", mit Farbfolie wedelnd vor dem Licht herum. Till und ich blicken gebannt auf eine imaginäre Leinwand. Zwischen dem Popcorn, das wir genüsslich schlemmen sollen, finden sich immer wieder Grashalme und kleine Kieselsteine. Knusprig.




Wir liegen uns in den Armen, geschafft! Am Ende ist das Equipment wieder verstaut, das Popcorn aufgesammelt und ich gebe den Schlüssel zum Ford zurück in die vertrauensvollen Hände von Peter Rüger ab. Ohne ihn wäre dieser Dreh schon gescheitert, bevor er eigentlich so richtig begonnen hat. Wer braucht schon Superman & Co, wenn man einen Helden des Tages hat?



Fast erledigt: Während sich Katja umstylt, posieren Till Sadlowski und Yvonne Glandien fürs Fotoshooting. - © Jannik Stodiek
Fast erledigt: Während sich Katja umstylt, posieren Till Sadlowski und Yvonne Glandien fürs Fotoshooting. (© Jannik Stodiek)

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von Yvonne Glandien

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