Demokratie, Demonstration und AfD-Politiker Höcke in Augustdorf

Martin Hostert, Kristoffer Fillies, Andreas Eickhoff, Miriam Scharlibbe und Tilo Sommer

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Die Partei "Die Linke" hat am Bahnhof in Detmold zur Gegen-Demonstration aufgerufen. - © Tilo Sommer
Die Partei "Die Linke" hat am Bahnhof in Detmold zur Gegen-Demonstration aufgerufen. (© Tilo Sommer)

Detmold/Augustdorf. Der rechte Rand der AfD ist am Samstag zum sogenannten "Hermanns-Treffen" nach Augustdorf gekommen. Zu den Gästen zählte auch der bekannteste Rechtsaußen der Partei: Thüringens AfD-Chef Björn Höcke. Begleitet wurde die Veranstaltung von Protestaktionen in Detmold.

Der AfD-nahe Verein "Alternativer Kulturkongress Deutschland" (AKD) aus Paderborn hatte das Treffen organisiert. Aus dem Veranstaltungsort war im Vorfeld ein großes Geheimnis gemacht worden. Bei der Ankunft in Augustdorf haben viele der angemeldeten 250 Teilnehmer schon eine Art "Schnitzeljagd" durch OWL hinter sich.

Schnitzeljagd durch OWL

Der Veranstalter beordert die vorher angemeldeten Anhänger am Samstagmorgen zu Sammelstellen, an denen diese Hinweise zum weiteren Verlauf des Tages bekommen. So treffen sich beispielsweise am Autohof Paderborn-Mönkeloh an der Autobahn 33 etwa 20 Teilnehmer aus der Region. Ihr Erkennungszeichen: eine große Deutschlandflagge. Alle müssen gültige Ausweispapiere mitbringen - zum Überprüfen der Personalien und einem Abgleich mit der Teilnehmerliste.

Am frühen Nachmittag sammeln sich die AfD-Anhänger - die alle vorab 25 Euro Eintrittsgeld überweisen mussten - dann in einer Eventlocation in Augustdorf. In dem ehemaligen Heidekrug gibt es schon seit geraumer Zeit keinen Kneipenbetrieb mehr. Der Saal wird allerdings noch für Veranstaltungen vermietet. Einige Gegen-Demonstranten haben sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite versammelt. Der Protest verläuft allerdings ruhig und friedlich.

Höcke nutzt den Hintereingang

Von der Ankunft des AfD-Politikers Björn Höcke bekommen die Schaulustigen nur wenig mit. Er betritt das Gebäude durch einen Hintereingang. Am Gebäude selbst sind die Fensterscheiben zugeklebt. LZ.de fragt vor Ort nach, ob die Presse von der Veranstaltung berichten dürfe. Doch man möchte unter sich bleiben. „Tut uns leid, geschlossene Veranstaltung", heißt es von einem Mitarbeiter der Security am Eingang.

Im ehemaligen Heidekrug in Augustdorf findet das "Hermanns-Treffen" statt. - © Tilo Sommer
Im ehemaligen Heidekrug in Augustdorf findet das "Hermanns-Treffen" statt. (© Tilo Sommer)


Neben Höcke sind Christian Blex und Thomas Röckemann von der nordrhein-westfälischen AfD als Redner bei dem Kongress gelistet. Außerdem dabei: Gianluca Savoini von der italienischen Regierungspartei „Lega". Er ist ein enger Berater vom rechtspopulistischen italienischen Innenminister Matteo Salvini.

Sicherheitsvorkehrungen für "reibungslosen Ablauf"

Matthias Tegethoff, Vorsitzender des AKD Paderborn, begründet die Geheimhaltung des Ortes mit sicherheitstechnischen Gründen: „Da bekannte Politiker erwartet werden, die ganz oben auf der Abschussliste der Antifa stehen, müssen wir zum reibungslosen Ablauf gewisse Sicherheitsvorkehrungen treffen." Auch die Teilnehmer würden einer Kontrolle unterzogen, bevor sie den Ort erfahren. In der Vergangenheit hätten schon Veranstaltungen abgesagt werden müssen, weil Gastwirte, die Räume zur Verfügung stellten, unter Druck gesetzt worden seien.

Der Paderborner betonte in der Vergangenheit, dass es sich nicht um eine Veranstaltung der AfD handelt. Er selbst ist allerdings, ebenso wie sein Vater, Karl-Heinz Tegethoff, im Vorstand des AfD-Kreisverbandes Paderborn aktiv.

Der Hermann kein Schauplatz für "Europakongress"

Rund 70 Lipper waren der Einladung von Landesverband und Landesmuseum gefolgt und zum Aktionstag "100 Jahre Demokratie" zum Hermannsdenkmal gekommen. Ein großes Transparent am Denkmal wies auf die Ausstellung im Museum hin, Redner betonten die Bedeutung der Ereignisse der Revolution 1918.

Gerade dieser historische Ort sei von hoher aktueller Bedeutung angesichts der politischen Lage, sagte Verbandsvorsteherin Anke Peithmann - in Anspielung auf das Erstarken rechter Kräfte. Eine Handvoll Anhänger der AfD hatte sich am Vormittag am Hermann blicken lassen, war dann jedoch offensichtlich nach Augustdorf weitergefahren. Der Landesverband hatte mit dem Aktionstag verhindern wollen, dass der Hermann Schauplatz des "Europakongresses" werden könnte - dies ist gelungen.

"Zusammenstehen gegen Rechts"

Die Partei "Die Linke" hatte zum Protest am Detmolder Bahnhof aufgerufen. 30 bis 50 Teilnehmer wurden zu dieser Kundgebung erwartet - letztlich waren es sogar noch etwas mehr. Evelin Menne, Fraktionsvorsitzende der Linken im Detmolder Stadtrat, moderierte die Veranstaltung. Sie zeigte sich angesichts des kurzen Vorlaufs sehr zufrieden mit der Resonanz und sagte: "Alle demokratischen Kräfte in Deutschland müssen zusammenstehen gegen Rechts."

Evelin Menne, Fraktionsvorsitzende der Linken im Detmolder Stadtrat, bei der Kundgebung am Bahnhof. - © Tilo Sommer
Evelin Menne, Fraktionsvorsitzende der Linken im Detmolder Stadtrat, bei der Kundgebung am Bahnhof. (© Tilo Sommer)


Zu den Rednern am Bahnhof gehörten unter anderem der Bundestagsabgeordnete Friedrich Straetmanns aus Bielefeld, Lothar Kowelek (Ratsmitglied und Stadtverbandssprecher für "Die Linke" in Detmold) sowie Arthur Gubar (Schatzmeister Kreisverband "Die Linke" Lippe).

LZ.de berichtete aus Detmold


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