Neue Unfall-Statistik: Lipper sind die besten Autofahrer der Region

Matthias Schwarzer und Friderieke Schulz

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- © Symbolbild: Pixabay
Autofahren (© Symbolbild: Pixabay)

Bielefeld/ Kreis Lippe. Der Bielefelder denkt sich: Auf dem Land können die Leute nicht Autofahren. Running-Gag ist hier vor allem der Kreis Lippe. Für das Autokennzeichen "LIP" gibt es die kreativsten Dichtungen. Eine neue Unfall-Statistik dürfte diesen Mythos jedoch gehörig durcheinanderbringen. Denn tatsächlich steht der Kreis Lippe ziemlich gut da - während Bielefeld in Sachen Unfälle OWL-weit auf dem Spitzenplatz steht.

Konkret geht es um den "Karambolage-Atlas" der Generali-Versicherung. Dort lässt sich auf einer interaktiven Karte ziemlich konkret ablesen, welche Region in Deutschland durch Unfälle die meisten Schäden verursacht. Bielefeld kommt dabei auf 11,6 Schäden pro 100 Fahrzeuge, bei denen im Jahr 2017 ein durchschnittlicher Schaden von 2.437 Euro entstanden ist.

Damit liegt Bielefeld vor allen anderen Kreisen in OWL. Im Kreis Lippe sind im selben Zeitraum nur 9,7 Schäden pro 100 Fahrzeuge entstanden. Der Schaden lag bei durchschnittlich 2.375 Euro. Weitere Zahlen: Kreis Gütersloh (10 Schäden, 2.499 Euro), Kreis Herford (9,3 Schäden, 2.733 Euro), Kreis Minden-Lübbecke (10 Schäden, 2.349 Euro), Kreis Paderborn (10,2 Schäden, 2.584 Euro) und Kreis Höxter (10 Schäden, 2.214 Euro).

Ralf Collatz vom ADAC Ostwestfalen-Lippe erklärt das so: "Verkehrsdichte und auch Topografie spielen eine nicht unerhebliche Rolle bei der Anzahl von Unfällen. Bergstraßen sind generell unfallträchtiger, weil sie witterungsabhängiger sind. Gehen auch noch Autobahnen durch die Stadt, steigt die Zahl der Unfall-Schwerpunkte." Beides sei in Bielefeld der Fall. So sei zum Beispiel das Gebiet rund um Hoberge besonders anfällig für Unfälle aufgrund von Wetterbedingungen.

OWL steht im Vergleich gut da

Auch die oftmals von Großstädtern verhassten münsterländischen Autofahrer stehen in der Statistik ziemlich gut da. Coesfelder oder Warendorfer bauen im Vergleich deutlich weniger Unfälle als die Bielefelder. Auch das erklärt Collatz mit der Verkehrsdichte. Denn in einer Großstadt wie Bielefeld seien generell mehr Fahrzeuge unterwegs. Da komme es häufiger zu den Klassikern wie Auffahrunfällen oder Unfällen aufgrund einer misachteten Vorfahrt.

Schlimmer als in Bielefeld sieht es in der Nachbarschaft nur im Landkreis Osnabrück aus, wo die Verkehrsdichte ebenfalls hoch ist. Hier zeigt die Karte statt grün die Farbe Gelb an. 12,1 Schäden pro 100 Autos haben die Osnabrücker gesammelt - dabei entstanden durchschnittliche Schäden von 2.221 Euro.

Im NRW-Vergleich steht ganz Ostwestfalen übrigens gut da. Während hier auf der Karte alles grün ist, zeigen Regionen im Sauerland die Farbe Rot an. Das bedeutet: 14 Schäden oder mehr. Weit vorne sind hier beispielsweise die Kreise Olpe und der Märkische Kreis. Auch im Rhein-Sieg-Kreis, in Köln, Aachen und Düsseldorf sind die Unfallzahlen hoch. Im Ruhrgebiet bauen Duisburger, Bottroper, Hagener, Oberhausener und Essener viele Unfälle.

Unfallzahlen sinken

Deutschlandweit ist Berlin übrigens das Bundesland mit den meisten Unfällen. Dahinter liegen Hamburg und Nordrhein-Westfalen.

Die bundesweiten Zahlen bestätigen die Collatz: Eine hohe Verkehrsdichte auf engem Raum führt zu mehr Unfällen. Positiv ist, dass die Unfälle deutschlandweit zurückgehen. Grund dafür sind laut der Versicherung auch die verbesserten Sicherheitssysteme in Autos. Viele Neuwagen bremsen inzwischen sogar selbst, um einen Unfall zu vermeiden. Und auch Collatz stellt trotz der vermehrten Unfälle in Großstädten fest, dass diese in der Regel nicht so schlimm seien. "Das liegt daran, dass die meisten Menschen mit nicht so hohen Geschwindigkeiten in den Städten unterwegs seien. Folgenschwere Unfälle, wie etwa der Zusammenstoß mit einem Baum, sind eher für Landstraßen üblich."

Auch spielen im Stadtverkehr andere Faktoren, wie Fahrradfahrer, Fußgänger oder Straßenbahnen, eine größere Rolle als auf dem Land. 

Information

Warum macht die Generali die Erhebung?


Jährlich passen Versicherungen die Preise für den Versicherungsschutz an. Basis dafür sind Daten, zu denen auch die Unfallstatistik der Stadt zählt, in der das Auto angemeldet wird. Gibt es dort ein hohen Unfallaufkommen ist die Versicherung teurer als auf dem Land, wo es seltener knallt.

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