Brakelsieker Steinmeier ist seit zwei Jahren Bundespräsident

Thomas Laning

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Der lippische Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. - © Vera Gerstendorf-Welle
Der lippische Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Berlin. Es ist ein Bild, das recht typisch ist für die Gemütslage des Bundespräsidenten. Frank-Walter Steinmeier hat in Addis Abeba gerade erfahren, dass sein Regierungsflieger „Theodor Heuss" wegen einer Panne nicht starten kann. Er sitzt auf der Terrasse des Hotels in der äthiopischen Hauptstadt und könnte ungehalten sein, verärgert. Aber er lächelt – ziemlich entspannt. Am 12. Februar 2017 ist Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt worden, und er lässt eigentlich keinen Zweifel daran, dass er sich wohlfühlt im höchsten Amt des Staates.

In diesen zwei Jahren hat sich das innen- wie außenpolitische Klima verändert, und sicher nicht zum Besseren. Das Erstarken von Nationalismus und Populismus sowie die Bedrohung der alten internationalen Ordnung durch US-Präsident Donald Trump und andere haben Steinmeiers zunächst verschwommene Botschaft präziser werden lassen. Das sperrige Thema „Demokratie" bekam durch die Stärkung der AfD und rechtsextreme Aufmärsche in Chemnitz und anderswo eine neue Relevanz. Dies hat ihm geholfen, einen klaren Schwerpunkt für seine Amtszeit zu setzen. Es geht um die Verteidigung der demokratischen Ordnung.

Am 1. November, gut zwei Monate nach der tödlichen Messerattacke und den darauf folgenden rechten Ausschreitungen, kommt Steinmeier selbst nach Chemnitz und sagt: „Eine Grenze ist überschritten worden, als die aufgewühlte Stimmung missbraucht wurde, um Hass auf Ausländer zu schüren, verfassungsfeindliche Symbole zu zeigen und Gewalt auf die Straßen zu tragen."

Konsequenzen seien notwendig. Das waren klare Worte. Aber was wäre wohl passiert, wenn Steinmeier im Oktober bei der Anti-Rechts-Demonstration des Bündnisses #Unteilbar in Berlin für Toleranz und Weltoffenheit dabei gewesen und den über 200.000 Teilnehmern seine Solidarität gezeigt hätte? So mutig sind sie dann doch nicht im Präsidialamt. Schließlich wurde in den sozialen Netzwerken schon Steinmeiers Empfehlung für ein Konzert der Links-Punker Feine Sahne Fischfilet direkt nach den Ausschreitungen von Chemnitz heftig kritisiert.

Jedenfalls bekam Steinmeiers Reise durch die deutsche Provinz unter der Überschrift „Land in Sicht" mit der Debatte über abgehängte Regionen neues Gewicht. In der Uckermark, im Bayerischen Wald oder in Sachsen informierte er sich über die Probleme der Menschen in diesen manchmal tristen Gegenden.

„Eigentlich komme ich aus Brakelsiek, einem Dorf im südöstlichen Lipperland. Das ist meine Heimat, hier habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht." So beschreibt er auf dem Zukunftsforum Ländliche Entwicklung in Berlin seine Herkunft. „750 Meter von einem Ortsende zum anderen, damals eine Stunde zur nächsten Autobahn, 900 Einwohner."

 

Dass der 63-Jährige seit Jahrzehnten erst in Hannover und dann in Berlin zuhause war, ändert nichts daran, dass er gerne seine bodenständige Herkunft betont. Vater Tischler, Mutter Fabrikarbeiterin. Hohe Beliebtheitswerte in den Umfragen weisen darauf hin, dass das ankommt bei den Menschen. In seiner Weihnachtsansprache wendet er sich direkt an die Bürger: „Ich habe den Eindruck, wir Deutsche sprechen immer seltener miteinander. Und noch seltener hören wir einander zu."

Das ist nun seine Botschaft: „Sprechen Sie mit Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind! Sprechen Sie ganz bewusst mal mit jemandem, über den Sie vielleicht schon eine Meinung haben, mit dem Sie aber sonst kein Wort gewechselt hätten. Ein Versuch ist das wert."


Besuch aus der Heimat

von Silke Buhrmester

LZ-Redakteurin Silke Buhrmester im Gespräch mit Frank-Walter Steinmeier in Berlin.  - © Vera Gerstendorf-Welle
LZ-Redakteurin Silke Buhrmester im Gespräch mit Frank-Walter Steinmeier in Berlin.  (© Vera Gerstendorf-Welle)


Kreis Lippe/Berlin. Eine Lippische Landes-Zeitung der besonderen Art gab es für den Brakelsieker Frank-Walter Steinmeier von LZ-Redakteurin Silke Buhrmester bei ihrem Besuch in Berlin: die Zeitung vom 5. Januar 1956, dem Geburtstag des künftigen Bundespräsidenten.

Dass just an jenem Januartag vor 61 Jahren Konrad Adenauer seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte, war dem ehemaligen Außenminister und SPD-Politiker natürlich bekannt. In seinem kleinen Abgeordneten-Büro im Paul-Löbe-Haus nahm sich das deutsche Staatsoberhaupt in spe viel Zeit, um die Fragen seiner Heimatzeitung zu beantworten.

Fotostrecke: Zu Besuch bei Frank-Walter Steinmeier


Seine Büroleiter Dörte Dinger und Sebastian Haase nahmen an dem Gespräch teil, in dem Steinmeier über die großen Herausforderungen des neuen Amtes ebenso sprach wie über seine lippischen Wurzeln und Eigenschaften. Was er sich als Mitbringsel aus Lippe gewünscht hätte? Steinmeier musste nicht lange überlegen: „Pickert mit Rosinen – die süße Variante, nicht mit Leberwurst." Beim nächsten Mal, versprochen!

Hier geht's zum Interview zu Beginn seiner Amtszeit vor genau zwei Jahren - am 12.2.2017.

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