800 Euro verschwinden aus den Räumen der Kreispolizeibehörde

Erol Kamisli

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(© Symbolfoto Pixabay)

Kreis Lippe. Dass Asservate während eines Strafverfahrens verschwinden, ist nicht unüblich, das hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Ralf Vetter schon vor geraumer Zeit in einem LZ-Interview gesagt. Nun ist ein neuer Fall zutage getreten: Aus den Räumlichkeiten der Kreispolizeibehörde Lippe in Detmold sind 800 Euro verschwunden. Die mutmaßliche Tat geschah 2016, sie wurde aber erst jetzt öffentlich bekannt.

Lippische Streifenbeamte hatten vor zwei Jahren einen Transporter aus Osteuropa kontrolliert. Der Wagen hatte Kleidung geladen, zu deren Herkunft der Fahrer und Beifahrer allerdings keine nachvollziehbaren Angaben machen konnten.

„Da Diebstahlsverdacht bestand und die Osteuropäer keinen Wohnsitz in Deutschland hatten, mussten sie insgesamt 800 Euro hinterlegen", sagt Polizeisprecherin Dr. Laura Merks. Solche Sicherheitsleistungen seien durchaus üblich, um sicherzustellen, dass Geld für eine mögliche Geldstrafe vorhanden ist, sollte ein Verdächtiger nicht zur Gerichtsverhandlung in Deutschland erscheinen.

Das Geld sei innerhalb der Behörde an die Verwaltungsabteilung weitergeleitet worden. Kurz darauf stellte die Detmolder Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die beiden mutmaßlichen Diebe ein, es fehlten die Beweise. Den Männern sollten die 800 Euro erstattet werden, aber unter der von ihnen angegebenen Adresse war niemand zu erreichen. Das Geld wurde also niemals abgeholt.

„Im Juni 2016 fiel bei der Sachbearbeitung des Falles in der Kreispolizeibehörde auf, dass die 800 Euro der Osteuropäer weg waren", sagt Merks. Eine umfangreiche Suche sei ohne Erfolg geblieben. Ermittlungen hätten zu einem Mitarbeiter der Direktion „Zentrale Aufgaben" geführt. Er sei die letzte Person gewesen, die das Geld verwahrt habe.

Die Behörde habe Strafanzeige gegen den Mitarbeiter erstattet. Dieser habe vehement bestritten, das Geld genommen zu haben. Oberstaatsanwalt Ralf Vetter betont, dass es keinen hinreichenden Tatverdacht gegen ihn gab, und die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren eingestellt habe. Nach disziplinarrechtlichen Ermittlungen wurde dem Mitarbeiter eine „Missbilligung" ausgesprochen, erklärt die Polizeisprecherin.

Nach diesem Vorgang habe die Behörde die Regelungen für die Abwicklung, Aufbewahrung und Dokumentation von Vorgängen, bei denen Geld im Spiel ist, vereinheitlicht.

„Die Veröffentlichung dieser Dienstanweisung steht unmittelbar bevor", sagt Merks. Rückforderungen der beiden Osteuropäer soll es bisher nicht geben. Sollten die Männer doch noch ihr Geld zurückhaben wollen, müsste in diesem Fall der Staat – also indirekt der Steuerzahler – die 800 Euro erstatten.

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