Gesundheit im Dialog: Alarm im Darm

Erol Kamisli

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Privatdozent Dr. Johannes Tebbe kann mit dem Gastroskop den oberen Verdauungstrakt untersuchen. Die Beleuchtung sorgt fürs Licht und eine 40-fache Vergrößerung, die auf dem Bildschirm wiedergegeben wird. - © Vera Gerstendorf-Welle
Privatdozent Dr. Johannes Tebbe kann mit dem Gastroskop den oberen Verdauungstrakt untersuchen. Die Beleuchtung sorgt fürs Licht und eine 40-fache Vergrößerung, die auf dem Bildschirm wiedergegeben wird. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Der Darm ist ein Tabuthema. Kaum jemand spricht über Verdauungsprobleme, doch die kommen – vor allem im Alter. Die Zahl der Lipper, denen das sensible Organ große Sorgen bereitet, steigt. Daher laden LZ, Ärztekammer, AOK und das Klinikum Lippe zu einer Diskussionsrunde unter dem Titel „Darmbeschwerden – Ursachen und Folgen" ein.

Im Detmolder Residenz-Hotel werden Privatdozent Dr. Johannes Tebbe, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Lippe, und Dr. Uwe Burghardt, Allgemeinmediziner aus Lage, Kurzreferate halten. Anschließend stehen sie für Fragen der Zuhörer zur Verfügung.

„Der Darm ist von mehr als hundert Millionen Nervenzellen umhüllt. Sie sind ähnlich organisiert wie im Gehirn, deshalb spricht man auch vom Bauchhirn", sagt Privatdozent Dr. Tebbe. Das Organ reguliere die Verdauung, reagiere sehr sensibel auf Stress und schlage bei Unverträglichkeiten oder Giftstoffen Alarm. Zudem kontrolliere es den Transport des Darminhalts und entscheide selbstständig, ob dieser länger im Darm bleiben oder beschleunigt ausgeschieden werden müsse. Das „Bauchhirn" reagiere empfindlich auf Stress und falsche Ernährung. „Dabei kann es zu Verstopfungen, Blähungen oder Durchfall kommen", so der Mediziner.

Wichtige Alarmsignale sind: Blut im Stuhl, dauernder Durchfall, massiver Gewichtsverlust und anhaltende Schmerzen. In allen Fällen müsse eine gründliche Untersuchung erfolgen, die abklärt, „ob Erkrankungen wie Reizdarm, die chronisch-entzündlichen Krankheiten Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Lactose- oder Fructoseintoleranzen oder gar Darmkrebs vorliegen." Der Alarm im Darm müsse daher sehr ernst genommen werden.

Die zuverlässigste Methode, um krankhaften Veränderungen auf die Spur zu kommen, ist die Spiegelung. „Dabei wird ein flexibles Endoskop eingeführt, das mit Kamera und Lichtquelle ausgestattet ist", sagt Dr. Tebbe. Die Bilder aus dem Inneren seien dann auf einem Bildschirm zu sehen. Zusätzlich enthalte das Endoskop einen Arbeitskanal, durch den – falls erforderlich – therapeutisch eingegriffen werden könne. „So lassen sich Polypen entfernen, Blutungen stillen und Gewebeproben entnehmen."

Diese Untersuchung gehöre längst zu den Standardverfahren und sei weitgehend schmerzfrei. Wer sehr aufgeregt sei, könne vorher ein beruhigendes Medikament nehmen. Es sei wichtig, vor der Untersuchung ausführliche Gespräche zu führen, um Vertrauen zu schaffen. Denn: „Die verbreitete Angst vor dieser Untersuchung ist unbegründet", erklärt der Mediziner. Ab dem 55. Lebensjahr sollte – geschlechterübergreifend – im Rahmen der Krebsvorsorge auf jeden Fall alle zehn Jahre eine Darmspiegelung vorgenommen werden.

„Doch die Beschwerden beginnen bereits viel früher. In unserem Wartezimmer sitzen schon Jugendliche und klagen über Unverträglichkeiten", sagt Dr. Uwe Burghardt. Beim anschließenden Gespräch stelle sich dann heraus, dass die Ernährung dieser junge Menschen „eine einzige Katastrophe" sei. „Fastfood und Limo stehen auf dem Speiseplan", sagt Dr. Burghardt. Er könne nur zu einer ausgewogenen Ernährung raten, die helfe auch dem Darm.

Fragerunde mit Medizinern

Dem Thema Darmbeschwerden widmet sich „Gesundheit im Dialog" am Donnerstag, 23. Mai, im Residenz-Hotel Detmold (Paulinenstraße 19).
Von 19 bis 20.30 Uhr referieren die beiden Mediziner aus Lippe, Privatdozent Dr. Johannes Tebbe, Chefarzt für Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Lippe, und Allgemeinmediziner Dr. Uwe Burghardt. Sie sprechen über Ursachen und Folgen von Darmbeschwerden sowie Untersuchungs- und Operationsverfahren. Anschließend kommen Sie zu Wort – die Referenten freuen sich auf Ihre Fragen. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Der Eintritt ist frei.

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