AOK-Auswertung: Wenn das Kind krank ist, übernimmt meistens Mama die Pflege

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Laut einer aktuellen AOK-Auswertung übernehmen vor allem die Mütter die Pflege ihrer kranken Kinder. - © AOK/hfr
Laut einer aktuellen AOK-Auswertung übernehmen vor allem die Mütter die Pflege ihrer kranken Kinder. (© AOK/hfr)

Kreis Lippe. Das Kind ist krank, Vater und Mutter arbeiten und die Großeltern können auch nicht einspringen – für Eltern ist es da doppelt schwierig, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Laut einer Studie der AOK Nordwest sind es vornehmlich Mütter, die im Notfall die Pflege in die Hand nehmen. Die Zahl der Anträge steigt.
Die Krankenkassen erheben diese Daten, weil sie das Kinderpflege-Krankengeld auszahlen. Bei der AOK Nordwest haben es im vergangenen Jahr 1933 Mütter beantragt. „Deren Anteil liegt damit bei rund 79 Prozent. Jeder fünfte Vater übernahm die Pflege des Kindes", sagt AOK-Regionsleiter Matthias Wehmhöner. In Zahlen: 2018 reichten 2435 Versicherte einen Antrag für das Kinderkrankengeld ein. Im Durchschnitt blieb ein Elternteil pro Krankheitsfall zwei Tage zu Hause.

Grundsätzlich: Eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Das Gesetz sagt lediglich, dass Arbeitnehmer in Notsituationen bei fortlaufender Gehaltszahlung bis zu fünf Tage fehlen dürfen – dazu zählt auch die Erkrankung eines Kindes. Gibt es keine Vereinbarung oder gesetzliche Verpflichtung, dass der Arbeitgeber den Lohn weiterzahlt, springen die Krankenkassen ein. Die Lohnfortzahlung kann auch in Tarifverträgen geregelt werden, erklärt Gewerkschaftssekretär Nicolas Böttcher. In Lippe gebe es aber keinen Tarifvertrag mit solch einer Regelung. „In Norddeutschland ist das anders. Dort zahlen die Arbeitgeber in einigen Branchen zehn Tage und noch einmal fünf extra, wenn die Voraussetzungen gegeben sind", sagt Böttcher.

Die Voraussetzungen: Die Pflege eines erkrankten Kindes ist ein triftiger Grund für den Arbeitnehmer, der Arbeit fernzubleiben. Voraussetzung ist, dass es im Haushalt keine andere Person gibt, die das Kind pflegen kann. Außerdem muss der Arzt bescheinigen, dass das Kind betreut werden muss. Das muss bei der Krankenkasse eingereicht werden. „Um den Verdienstausfall auszugleichen, unterstützen die gesetzlichen Krankenkassen berufstätige Eltern dann mit dem so genannten Kinderpflege-Krankengeld", erklärt Matthias Wehmhöner.

Der Anspruch: Sind die Kinder unter zwölf Jahre, gibt es bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr Kinderpflege-Krankengeld. Alleinerziehende können bis zu 20 Arbeitstage geltend machen. Gehören mehrere Kinder unter zwölf Jahren zur Familie, ist die Zahl der Freistellungstage auf insgesamt 25, für Alleinerziehende auf 50 Arbeitstage pro Jahr begrenzt. Sonderregelungen gelten, wenn Kinder besonders schwer erkrankt sind.

Die Höchstgrenze: „Das Kinderkrankengeld beträgt 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts", erklärt Rainer Lange, Pressesprecher der DAK. Gab es Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld in den voraus gegangenen zwölf Kalendermonaten, werden diese anteilig berücksichtigt. „Das Höchstkrankengeld darf dabei jedoch nicht überschritten werden. Dieses beträgt 2019 pro Arbeitstag 105,88 Euro. Voraussetzung ist immer, dass das erkrankte Kind gesetzlich krankenversichert ist."

Die Entwicklung: Es werden immer mehr Anträge gestellt. Die AOK NordWest verzeichnete im Kreis Lippe in 2018 im Vergleich zum Vorjahr 2195 Fälle, eine Steigerung von 11 Prozent. Allein im vergangenen Jahr zahlte die AOK im Kreis Lippe dafür rund 273.000 Euro an ihre Versicherten. Die DAK erhebt keine Zahlen für den Kreis Lippe, aber für Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr wurden 12.438 Anträge eingereicht. Zwar würden diese überwiegend von Müttern gestellt, sagt Rainer Lange, aber der Anteil der Väter nehme seit Jahren zu. Er liege um die 20 Prozent, 2009 waren es noch zehn Prozent.

Kündigung

Sind die Krankheitstage ausgeschöpft, sollten sich Eltern auf keinen Fall selbst krankmelden. Dies kann im Zweifel ein Grund zur fristlosen Kündigung sein, sagt DAK-Pressesprecher Rainer Lange. Arbeitgeber können im Verdachtsfall auf einem Attest bestehen. Besser sei es, zu versuchen, mit dem Arbeitergeber eine gemeinsame Lösung, wie zum Beispiel eine unbezahlte Freistellung, zu finden. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte die Regelung dann unbedingt schriftlich festgehalten werden.

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