Pläuschchen, Piks und Putensteak: Heute ist Weltblutspendetag - Mit Video

Silke Buhrmester

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Angezapft: Gaby Ledig kümmert sich um Blutspender Sebastian Siepert. - © Katja Akulenko
Angezapft: Gaby Ledig kümmert sich um Blutspender Sebastian Siepert. (© Katja Akulenko)

Horn-Bad Meinberg. Auf dem Schulhof der Grundschule in Bad Meinberg herrscht reges Treiben. Kinder spielen Fangen, lautes Stimmengewirr und der Duft von Grillfleisch signalisieren schon von Weitem: Hier wird gefeiert. Doch der Schein trügt. Die „Party" hat der DRK-Ortsverein Bad Meinberg organisiert. Ein Blutspendetermin der anderen Art.


Es ist schwül-warm an diesem Nachmittag. Der Mann am Grill dreht und wendet Fleisch und Würstchen – kein Traumjob, und doch ist Bruce Hartwig ehrenamtlich tätig. Ebenso wie seine Frau Anja, die als stellvertretende Vorsitzende des DRK-Ortsvereins die Fäden beim Blutspendetermin in der Hand hält. Und nicht nur das: Das gigantische Büffet, bestehend aus elf Salaten, hat die 30-Jährige gemeinsam mit ihren drei Kindern selbst hergestellt: „Und dann die Kühlschränke der Nachbarn in Beschlag genommen", lacht die sympathische Frau. Schon seit sie 14 ist, ist sie in Sachen Blutspende aktiv. Denn ihre Mutter Heide Hanusch (74) ist langjährige Vorsitzende des Ortsvereins. „Ich hab schon in der Cafeteria geholfen, seit ich denken kann", sagt die 30-Jährige, während sie hier und da freudestrahlend Spender begrüßt.



Gesundheitsfragebogen als Check

In Bad Meinberg kennt man sich, die Menschen kommen, um zu helfen, sicher, aber auch, um andere Bewohner zu treffen, ein bisschen zu plaudern. Doch erst die Pflicht, die Blutabnahme, dann das Vergnügen. In verschiedenen Räumen der Grundschule müssen die Spender das Anmeldeverfahren durchlaufen: Den umfangreichen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und sich in die lange Schlange einreihen, die in Richtung Arztzimmer steht und wartet.

Das Gespräch bei Dr. Hans-Heinrich Hermanni dauert am Ende nicht lange: Der Blutdruck ist top, irgendwelche Krankheiten gibt es nicht, frühere Blutspenden wurden gut vertragen. Dr. Hermanni, den viele Spender aus seiner Praxis in Horn kennen, scannt fachmännisch die Antworten auf dem Fragebogen, dann nickt er – mit Spendenausweis, Personalausweis und Fragebogen in der Hand geht es zur nächsten Station.

Auch vor der Tür zum eigentlichen Spenderraum, in dem sieben Liegen aufgebaut sind, steht eine Schlange. Mit einem Tablett voller Kekse geht Anja Hartwig durch die Reihe: „Muss doch ein bisschen was für die Stimmung tun", schmunzelt sie. Doch Stress mit der Wartezeit scheint hier niemand zu haben. Schließlich lässt sich auch im Stehen ein Pläuschchen halten.

Zahl der Spender nimmt ab

Zehn Minuten später: Ein kleiner Piks in den Finger, der Eisenwert passt, und schon geht es auf die Liege. Neben den Hauptamtlichen des Blutspendedienstes, die die Kanüle routiniert setzen, sind hier viele ehrenamtliche Damen tätig: „Früher habe ich selbst Blut gespendet, aber seit ich einen Herzinfarkt hatte, darf ich nicht mehr. Doch das Helfen macht Spaß – und man kommt unter Leute", sagt die ältere Dame im weißen Kittel, während sie den Spendern ein rotes Gummi-Herz in die Hand gibt – kräftig drücken, damit das Blut schneller fließt.

Das Team um Anja Hartwig und ihre Mutter Heide Hanusch umfasst rund 20 Ehrenamtliche, zumeist Damen ab 65. „Unsere älteste Ehrenamtliche war 92 – und sie hat immer Pfirsichhälften mit einer besonderen Käsecreme zubereitet", erinnert sich Anja Hartwig.

Ob in der Küche beim Brötchenschmieren und Kaffeekochen, beim Spülen, bei der Aufnahme, beim Spenden selbst oder in dem „Wellnessraum", wo sich die Spender im Anschluss zehn Minuten ausruhen sollen – die Hilfe der Damen des Ortsvereins ist überall gefragt. Viele Menschen kommen regelmäßig zur Blutspende nach Bad Meinberg, weil es hier persönlich und familiär zugeht: „Sogar Spender aus Bad Lippspringe oder Paderborn sind darunter", sagt Anja Hartwig nicht ohne Stolz.

Dennoch verhehlt sie nicht, dass auch in ihrem Ortsverein die Zahl der Blutspender abnimmt – bei steigendem Bedarf an Blutkonserven. Knapp 130 Spender kamen diesmal, ein sehr gutes Ergebnis. Und doch haben die Rotkreuzler einen Wunsch: Mehr Menschen mittleren Alters anzulocken, denn zwischen treuen älteren und jungen Erstspendern klafft ein Loch. Woran das liegt? An der mangelnden Umsorgung der Spender ganz sicher nicht.

1,7 Millionen Blutspender gibt es bundesweit. 12.000 Blutkonserven werden täglich benötigt. - © Grafik: Benjamin Möller
1,7 Millionen Blutspender gibt es bundesweit. 12.000 Blutkonserven werden täglich benötigt. (© Grafik: Benjamin Möller)


Wissenswertes

Wer darf wie oft Blut spenden?

Blutspender müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Eine Obergrenze für Wiederholungsspender gibt es seit 2009 nicht mehr, allerdings dürfen Erstspender höchstens 68 Jahre alt sein. Blutspender müssen mindestens 50 Kilogramm wiegen.Frauen dürfen in Deutschland viermal, Männer sechsmal jährlich ihr Blut spenden.

Tabu mit Tattoo?

Auch Tätowierte kommen als Blutspender in Frage. Nach einer Tätowierung, bei neuen Ohrlöchern oder Piercings muss lediglich eine Wartezeit von vier Monaten eingehalten werden. Grund ist eine eventuelle Infektion mit Hepatitis oder HIV, die jedoch erst nach einer gewissen Zeit im Blut nachgewiesen werden kann.

Homosexuelle Spender?

Homosexuelle Männer dürfen nach einer neuen Richtlinie der Bundesärztekammer seit 2016 Blut spenden. Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, müssen jedoch zunächst zwölf Monate enthaltsam sein.

Nach dem Urlaub erholt zur Blutspende?

Es gibt Reiseziele, in denen ein gewisses Risiko für eine Virusinfektion besteht. Menschen, die sich in einem dieser Länder aufgehalten haben, können eine Zeit lang kein Blut spenden. Krankheiten können unter anderem Malaria, Dengue-Fieber oder das Zika-Virus sein.

Wofür wird mein Blut verwendet?

Etwa ein Fünftel der Konserven werden bei Krebspatienten eingesetzt. Etwas weniger, 16 Prozent, sind es bei Herzerkrankungen, so viel wie auch bei Magen-Darm-Krankheiten. 12 Prozent der Blutkonserven werden für Verletzungen jeglicher Art genutzt.

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