"Fridays for Future"-Bewegung: Kreis soll Klimanotstand ausrufen

Martin Hostert

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 Liam Alexander Frevert (links) und Marius Lüdemann überreichen Dr. Axel Lehmann Unterschriftenlisten. Im Hintergrund (von links): Manuel Zimmer (Scientists for Future), Naomi Brendler (Fridays for Future, Lemgo), Kreis-Klimamanagerin Laura Schuster, Fachbereichsleiter Olrik Meyer und Umweltdezernentin Dr. Ute Röder. - © Bernhard Preuß
 Liam Alexander Frevert (links) und Marius Lüdemann überreichen Dr. Axel Lehmann Unterschriftenlisten. Im Hintergrund (von links): Manuel Zimmer (Scientists for Future), Naomi Brendler (Fridays for Future, Lemgo), Kreis-Klimamanagerin Laura Schuster, Fachbereichsleiter Olrik Meyer und Umweltdezernentin Dr. Ute Röder. (© Bernhard Preuß)

Kreis Lippe. Aktivisten der lippischen „Fridays for Future"-Bewegung haben Landrat Dr. Axel Lehmann am Donnerstag eine Liste mit knapp 2.000 Unterstützer-Unterschriften überreicht.

Den jungen Leuten ist sehr wohl bewusst, dass die Ausrufung ein symbolischer Akt wäre. Aber: „Wir erlauben uns im Namen von fast 2.000 Lippern, an Sie heranzutreten und es besser zu wissen als diejenigen, die uns vorwerfen, wir würden uns infiltrieren lassen. Wir haben verstanden, um was es in der Welt geht", sagte Naomi Brendler, Schülerin aus Lemgo. Es gehe nämlich um nichts Geringeres, als darum, die Erderwärmung zu stoppen, „die zu einer existenziellen Bedrohung" geworden ist, ergänzte Liam Alexander Frevert, der in Lemgo studiert.

Ein Blick auf die trockenen Böden und den Zustand der Wälder reiche, die Statistik bestätige: Der Juni war der heißeste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. „Es ist ein grundlegender Wandel nötig, sonst werden wir die international vereinbarten Klimaziele nie erreichen." Vor Ort könne mit einem kostenlosen Bus- und Bahnverkehr begonnen werden, regionale und ökologische Produkte sollten billiger werden.

Konsumenten müssten umdenken und Industrie und Landwirtschaft den Bedürfnissen der Natur und der Menschen folgend produzieren. Frevert bedankte sich bei den Jusos für ihre Unterstützung und auch bei Linken und Grünen: „Sie wollten dies auch beantragen und lassen uns den Vortritt." Auch bisherige Bemühungen des Kreises würdigte er.

Landrat Dr. Axel Lehmann lobte die Jugendlichen für ihren „tollen Einsatz". Er stellte klar: „Ich werde im zuständigen Kreisausschuss für Ihren Antrag werben. Klimaschutzmaßnahmen waren schon vor meiner Amtszeit für den Kreis relevant." Nachhaltigkeit oder Biodiversität seien fest im Zukunftskonzept 2025 verankert. Den „Klimanotstand" zu erklären, würde den politischen Willen bekräftigen, diese Aktivitäten zu verstetigen.

Lehmann führte etwa die geplante energetische Erneuerung der Kreishausfassade, die Photovoltaikanlage in Mosebeck oder das Sozial- und das Jobticket für den ÖPNV an. „Dadurch werden die Tickets um die Hälfte billiger." Allerdings, ergänzte Fachbereichsleiter Olrik Meyer: „Die Bürger müssen den Bus auch annehmen. Wir schaffen die Klimaziele nur, wenn alle mitmachen." Lehmann stellte klar, dass Klimapolitik nicht allem anderen unterzuordnen ist. „Sie kann nicht das entscheidende Kriterium sein. Wir müssen wirtschaftlich handeln und sind verpflichtet, mit Steuermitteln gut zu haushalten." Naomi Brendler widersprach: „Wenn wir das mit dem Klimaschutz nicht hinbekommen, ist alles andere auch egal."

Die „Friday for Future"- Bewegung versteht sich durchaus als Streikbewegung, die nicht nur demonstriert. Auch deswegen würden die Versammlungen in Detmold und Lemgo auf den Freitagmittag gelegt, wenn teilweise noch Unterricht laufe, sagte Frevert. Unterstützung bekamen die Jugendlichen vom Detmold Landwirt Ulf Allhoff-Cramer. „Der Kreis kann bundesweit Vorbild sein, folgt er dem Antrag. Es gibt keine Alternative." Umweltdezernentin Dr. Ute Röder sagte, Klimanotstand auszurufen helfe, das Thema weiter zu verinnerlichen. „Jede Unterstützung ist dabei wichtig."

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