Angriff auf Atomkraftwerk: SEK übt am AKW Grohnde

Silke Buhrmester

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in Höhen-Spezialist des SEK seilt sich von einem der Kühltürme ab. Geprobt wurde am Freitag auch ein Einsatz gegen „Umweltaktivisten", die das Gelände des Kernkraftwerkes gestürmt hatten. - © Hauke-Christian Dittrich/dpa
in Höhen-Spezialist des SEK seilt sich von einem der Kühltürme ab. Geprobt wurde am Freitag auch ein Einsatz gegen „Umweltaktivisten", die das Gelände des Kernkraftwerkes gestürmt hatten. (© Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Kreis Lippe/Emmerthal. Am frühen Freitagmorgen kreist ein Polizeihubschrauber über dem Kernkraftwerk Grohnde. An den Kühltürmen des niedersächsischen AKW, das nur wenige Kilometer von der Landesgrenze zu Lippe an der Weser liegt, entdeckt die Besatzung Menschen: Umweltaktivisten haben eine Art Hängematte zwischen beiden Kühltürmen des Kraftwerks gespannt. Die Beamten informieren die zuständige Polizeiinspektion in Hameln. Die leitet die Nachricht direkt ans Landeskriminalamt (LKA) in Hannover weiter. Ein Fall für das niedersächsische Spezialeinsatzkommando (SEK).

Unter realen Bedingungen haben rund 100 Spezialkräfte der Polizei etwa zehn Stunden lang den Ernstfall im und am Kernkraftwerk Grohnde geprobt. Höhen-Spezialisten des SEK aus Nordrhein-Westfalen mimten dabei nach Angaben von LKA-Pressesprecherin Katrin Gladitz die „Gegner", die auf die Kühltürme geklettert waren und von den niedersächsischen Einsatzkräften geborgen werden mussten.

Beteiligt war auch die Hubschrauberstaffel aus Niedersachsen: „Die Beamten lieferten während der gesamten Zeit Live-Bilder aus Grohnde an die Zentrale nach Hannover. Dort wurde der Einsatz vom LKA geplant", erläuterte Gladitz die weitere Vorgehensweise.

Fiktive Geiselnahme auflösen

Zum Einsatz kamen darüber hinaus Spezialisten der Polizei mit dem Schwerpunkt Chemie: „Ziel war es auch, die technische Ausrüstung unter realen Bedingungen zu testen", sagte Gladitz. Die Ausstattung der Polizei soll vor chemischer, biologischer, radioaktiver und nuklearer Kontaminierung (CBRN) schützen. Aufgabe war es, eine fiktive Geiselnahme in einem möglicherweise kontaminierten Bereich im Inneren des Kraftwerkes aufzulösen.

Dass ein solches Szenario Wirklichkeit werden könnte, fürchtet Preussen Elektra nach Angaben von Unternehmenssprecherin Almut Zyweck zwar nicht, aber: „Dass sich Umweltaktivisten aus Protest Zutritt zu unserem Gelände verschaffen, ist nicht unrealistisch. Das hat es auch schon gegeben", sagte sie. Allerdings seien bislang Personen maximal in den äußeren Sicherheitsbereich vorgedrungen, nicht in den inneren, wo sich die relevanten Anlagen befänden. Dennoch sei es auch für das Unternehmen wichtig, dass die Polizei trainiere, wie sie sich i im Ernstfall schnell Zugang zu dem Kontrollbereich verschaffen könnte.

Auf der Suche nach realitätsnahen Schauplätzen

„Regelmäßig unterschiedliche Szenarien zu trainieren, ist für unsere Spezialkräfte enorm wichtig, um im Ernstfall professionell und schnell vorgehen zu können", sagte LKA-Vizepräsident Bernd Gründel. Dabei ist die Polizei immer auf der Suche nach realitätsnahen Schauplätzen: „Ich freue mich, dass die Kraftwerk-Crew und der Betreiber Preussen Elektra es uns ermöglicht haben, im Kernkraftwerk diese nicht alltägliche Situation zu trainieren", sagte Gründel weiter.

„Die Vorbereitung der Aktion war ein großer Aufwand. Aber über allen stand, dass unser Anlagenbetrieb dadurch nicht beeinträchtigt werden durfte", unterstrich Unternehmenssprecherin Zyweck. Die Preussen Elektra übe intern kerntechnische Szenarien regelmäßig, eine derartige Großübung der Polizei sei aber bislang einzigartig.
Das AKW Grohnde liegt im Landkreis Hameln/Pyrmont, wenige Kilometer Luftlinie von Lippe entfernt. Es soll spätestens Ende 2021 vom Netz gehen.

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