Fall Lügde: Opfer-Mutter soll Andreas V. erpresst haben

Erol Kamisli und Janet König

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Lügde (© Guido Kirchner/dpa)

Lügde-Elbrinxen. Der 56-jährige Dauercamper, der sich derzeit wegen Kindesmissbrauchs in 298 Fällen vor dem Detmolder Landgericht verantworten muss, soll Anzeige gegen die Mutter eines seiner Opfer gestellt haben. Nach LZ-Informationen wirft der Angeklagte der Frau aus Bad Pyrmont vor, ihn nach dem Missbrauch an deren Tochter erpresst zu haben. Diese bestreitet die Vorwürfe und sei am Boden zerstört, sagt ihr Anwalt Roman von Alvensleben.

Die Frau soll von Andreas V. Geld für ihr Schweigen verlangt haben. "Beim ersten Mal ging es um 500 Euro, das zweite Mal hat sie 2.000 Euro gefordert", sagt hingegen Rechtsanwalt Johannes Salmen, der Andreas V. verteidigt. Sein Mandant sei willig gewesen, das Schweigegeld zu zahlen. Die ersten 500 Euro hätte die Frau bekommen, danach habe der Dauercamper Zeit gebraucht, das übrige Geld aufzutreiben. Andreas V. habe daraufhin versucht, sein Reisewohnmobil zu verkaufen, um an weiteres Geld zu kommen. Der Mutter hätte das jedoch zu lange gedauert, sagt Verteidiger Salmen. Ende Oktober 2018 stellte die Frau Anzeige, danach kamen die Ermittlungen im Fall Lügde erst ins Rollen. Hätte der Dauercamper rechtzeitig gezahlt, wäre der jahrelange Missbrauch laut Salmen möglicherweise weiter im Verborgenen geblieben.

Die Anzeige zum jetzigen Zeitpunkt sei kein taktisches Manöver, sein Mandant habe nichts mehr zu verlieren. „Nicht nur seine vielen Taten sind zu verurteilen, sondern auch das Verhalten dieser Frau, die mit den Elend ihres eigenen Kindes noch ein Geschäft machen wollte", sagt Salmen. Er habe bei der Detmolder Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet. Nach LZ-Informationen hat diese Ermittlungen aufgenommen.

"Das ist eine große Lüge"

Opferanwalt Roman von Alvensleben, der die zehnjährige Tochter der Frau vertritt, ist stocksauer. „Das ist eine große Lüge", sagt der Hamelner Rechtsanwalt. Genau wie der Dauercamper über viele Jahre hinweg Kinder manipuliert habe, würde er jetzt mit den Erwachsenen weitermachen – und auch seinen Anwalt instrumentalisieren. „Ich frage mich, ob er dafür irgendwelche Beweise hat", sagt von Alvensleben. Die Mutter habe ihm zugesichert, dass an den Vorwürfen nichts dran sei. „Ich habe keinen Zweifel daran. Sie hat ihren ganzen Mut zusammen genommen und den Fall zur Anzeige gebracht", sagt er.

Die mutmaßliche Erpressung soll sich kurz nach dem Missbrauch im August 2018 abgespielt haben, nachdem sich das heute zehnjährige Mädchen seiner Mutter unter Tränen anvertraut hatte. Diese hatte gegenüber den Ermittlern angegeben, Andreas V. am Telefon zur Rede gestellt zu haben. Er habe die Tat zugegeben und gesagt, sie solle sich nicht so anstellen. Das Mädchen habe es schließlich gewollt, soll Andreas V. gesagt haben. Aus Angst vor dem Dauercamper sei die Frau erst knapp drei Monate später zur Polizei gegangen.

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