Das Wunder von Bern: Am 5. Juli 1954 steht die deutsche Fußball-Nationalelf mit (Bild oben von links) Fritz Walter, Toni Turek, Horst Eckel, Helmut Rahn, Ottmar Walter, Werner Liebrich, Jupp Posipal, Hans Schäfer, Werner Kohlmeyer, Karl Mai und Max Morlock im Finale der Weltmeisterschaft gegen Ungarn. Unvergessen ist bis heute Herbert Zimmermanns Ausruf: „Deutschland ist Weltmeister!" Auf dem Titel der LZ erscheint allerdings – druckbedingt – ein Archivbild. - © LZ, 5. Juli 1954

Zeitreise
Heimat, Bauboom und der Beginn des Rock'n'Roll: Das waren die 50er

Das Wunder von Bern: Am 5. Juli 1954 steht die deutsche Fußball-Nationalelf mit (Bild oben von links) Fritz Walter, Toni Turek, Horst Eckel, Helmut Rahn, Ottmar Walter, Werner Liebrich, Jupp Posipal, Hans Schäfer, Werner Kohlmeyer, Karl Mai und Max Morlock im Finale der Weltmeisterschaft gegen Ungarn. Unvergessen ist bis heute Herbert Zimmermanns Ausruf: „Deutschland ist Weltmeister!" Auf dem Titel der LZ erscheint allerdings – druckbedingt – ein Archivbild. (© LZ, 5. Juli 1954)

Kreis Lippe. Was für ein Jahrzehnt: Die 50er Jahre stehen für die neue Hoffnung, für den Aufschwung, fürs Aufatmen – und vor allem für Veränderung in einem hohen Tempo. Die deutsche Wirtschaft wird zum Erfolgsmotor, der Wohnraum hingegen immer knapper. Die Kommunen in Lippe wachsen immer mehr.

Ganz im Sinne des Zusammenhalts stehen 1951 die Heimattage in Lippe. In Detmold und Lemgo wird über eine Woche hinweg gefeiert. Der Wunsch ist nachzuvollziehen, schließlich hat sich der Freistaat Lippe nach zähen Verhandlungen entschieden, ein Teil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen zu werden (1948).

Hoher Besuch: „Na, wenn es denn sein muss, bitte ein halbes Butterbrot, aber zwei Schnäpse." Theodor Heuss (Bildmitte) macht Eindruck, als er am 1. Juli 1951 im Detmolder Rathaus gastiert. Einige Kisten Zigarren bekommt er überreicht, bevor die Fahrt mit Heinrich Drake (rechts) weitergeht – zum Festumzug nach Lemgo. - © Fritz Ostmann/Stadtarchiv Detmold
Hoher Besuch: „Na, wenn es denn sein muss, bitte ein halbes Butterbrot, aber zwei Schnäpse." Theodor Heuss (Bildmitte) macht Eindruck, als er am 1. Juli 1951 im Detmolder Rathaus gastiert. Einige Kisten Zigarren bekommt er überreicht, bevor die Fahrt mit Heinrich Drake (rechts) weitergeht – zum Festumzug nach Lemgo. (© Fritz Ostmann/Stadtarchiv Detmold)


Doch das lippische Bewusstsein muss bewahrt werden, sind sich die Lipper einig. Zu diesem Anlass besuchte sogar Bundespräsident Theodor Heuss das Lipperland und eröffnete die Heimattage. Er wurde damals von Zehntausenden jubelnder Bürger begrüßt.

In den folgenden Jahren wird Lippe auch als wirtschaftlicher Standort immer attraktiver. Große Unternehmen siedeln beispielsweise in Lemgo an – dort ersetzt bald ein Neubau am Regenstor – das heutige Eau-Le – die Flussbadeanstalt an der Bega.

Badespaß in der Bega: Große Veränderungen gibt es in den Stadtbildern. Unternehmen nehmen in den 50ern reichlich Geld in die Hand, um zu erweitern und neu zu bauen. In Lemgo lässt etwa die Kreissparkasse einen Neubau am heutigen Standort an der Mittelstraße errichten. Ein städtisches Großbauprojekt ist 1953 in Lemgo die neue Badeanstalt am Regenstor, das heutige Eau-Le. Diese ersetzte die alte Flussbadeanstalt an der Bega (Foto), in der in den 50ern noch häufig geplanscht wurde. - © Hermann Walzer/Stadtarchiv Lemgo
Badespaß in der Bega: Große Veränderungen gibt es in den Stadtbildern. Unternehmen nehmen in den 50ern reichlich Geld in die Hand, um zu erweitern und neu zu bauen. In Lemgo lässt etwa die Kreissparkasse einen Neubau am heutigen Standort an der Mittelstraße errichten. Ein städtisches Großbauprojekt ist 1953 in Lemgo die neue Badeanstalt am Regenstor, das heutige Eau-Le. Diese ersetzte die alte Flussbadeanstalt an der Bega (Foto), in der in den 50ern noch häufig geplanscht wurde. (© Hermann Walzer/Stadtarchiv Lemgo)


Hüftschwung und Gitarrenklänge

Und auch musikalisch verändert sich einiges. Ein Blick auf die deutschen Plattenverkäufe zeigt, in was für einem Kontrast sich die Generationen befinden. Die Älteren bleiben der alten Tradition, deutschen Texten, Volk- und Schlager treu, während bei den Jüngeren die bislang nie gehörten Rhythmen des Rock 'n' Roll ein Feuer in Gang bringen.

Elivs Presley und Jerry Lee Lewis betören mit Hüftsprung und lauten Gitarren, Bill Haley erobert mit "Rock Around the Clock" die Herzen und schafft es, eine der bestverkauften Singles des Jahrzehnts auf den Markt zu bringen.

Aber auch Chuck Berry, Buddy Holly, Eddie Cochran und The Drifters bleiben unvergessen. Die Musik der 50er drückt Umbruch aus, Freiheit, Losgelösheit von gesellschaftlichen Zwängen.

Das waren die Top 10 der deutschen Charts der Dekade

1 "Jim, Jonny und Jonas" - Hula Hawaiian Quartett

2 "Heimweh" - Freddy Quinn

3 "Buona Sera" - Louis Prima

4 "Rock Around The Clock" - Bill Haley & His Comets

5 "Petite Fleur (Little Flower)" - Chris Barber

6 "Die Gitarre und das Meer" - Freddy Quinn

7 "Seemann wo ist deine Heimat?" - Will Glahé und sein Orchester, Geschwister Hofmann und das Golgowsky-Quartett

8 "Weißer Holunder" - Gitta Lind und die Telestars

9 "Tom Dooley" - Nilsen Brothers

10 "Cherry Pink (And  Apple Blossom White)" - Perez Prado and Orchestra

(Quelle: chartsurfer.de)

Die Hits der Zeit und die Lieblingslieder der Redaktion haben wir in einer Playlist im Musik-Streamingdienst Spotify zusammengefasst:

https://spoti.fi/2LeZDBW

In sechs Wochen durch sechs Jahrzehnte

Die LZ nimmt Sie in den Sommermonaten mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte. Jede Woche geht es schwerpunktmäßig um ein anderes Jahrzehnt. Den Anfang machen die 50er Jahre. Erinnerungen an die alte Straßenbahn, die einst zwischen Detmold und Paderborn verkehrte, den Toast Hawaii oder die ersten Gastarbeiter kommen dabei in den nächsten Tagen zum Zuge. In der darauf folgenden Woche reisen wir dann ein Jahrzehnt weiter in die 1960er-Jahre.

Zum Abschluss der Sommerferien geht es in die neuere Zeit. Den Abschluss der Serie markieren die 2000er. Die Fußball-WM im eigenen Land, der Start des Euro und auch der Trend der sogenannten "Arschgeweih" in der Tattoo-Szene werden unter anderem eine Rolle spielen.

Freuen Sie sich mit uns auf sechs Wochen voll spannender Hintergründe, faszinierender Lokalgeschichten und unglaublicher Trends. Alle Artikel aus der Serie finden Sie täglich in Ihrer LZ und hier im Spezial unter LZ.de/zeitreise

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Auf weitere Anregungen, Erinnerungen, Fotos oder Videoschnipsel von besonderen Ereignissen in der Region freuen wir uns unter online@lz.de

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von Yvonne Glandien

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