Uniklinikum OWL: 2021 starten die ersten Medizinstudenten

Carolin Nieder-Entgelmeier

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Wichtige Unterschrift: Rainer Norden (Aufsichtsratsvorsitzender des evangelischen Klinikums Bethel, vorne v. l.), Michael Ackermann (Geschäftsführer Klinikum Bielefeld), Gerhard Sagerer (Rektor der Universität Bielefeld) und Johannes Hütte (Geschäftsführer Klinikum Lippe) unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung für das Universitätsklinikum OWL. Frank Lohkamp (Geschäftsführer der medizinischen Fakultät, hinten v. l.), Claudia Hornberg (Gründungsdekanin), Isabel Pfeiffer-Poensgen (NRW-Wissenschaftsministerin), Karl-Josef Laumann (NRW-Gesundheitsminister) und Stephan Becker (Kanzler der Universität Bielefeld) schauen ihnen dabei zu. - © Wolfgang Rudolf
Wichtige Unterschrift: Rainer Norden (Aufsichtsratsvorsitzender des evangelischen Klinikums Bethel, vorne v. l.), Michael Ackermann (Geschäftsführer Klinikum Bielefeld), Gerhard Sagerer (Rektor der Universität Bielefeld) und Johannes Hütte (Geschäftsführer Klinikum Lippe) unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung für das Universitätsklinikum OWL. Frank Lohkamp (Geschäftsführer der medizinischen Fakultät, hinten v. l.), Claudia Hornberg (Gründungsdekanin), Isabel Pfeiffer-Poensgen (NRW-Wissenschaftsministerin), Karl-Josef Laumann (NRW-Gesundheitsminister) und Stephan Becker (Kanzler der Universität Bielefeld) schauen ihnen dabei zu. (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld/Kreis Lippe. Mit drei Krankenhausträgern aus OWL beginnt die Universität Bielefeld den Aufbau des Universitätsklinikums OWL. Damit für die ersten 100 Studenten, die im Wintersemester 2021/22 mit dem Medizinstudium beginnen, auch die klinische Ausbildung gesichert ist, hat Rektor Gerhard Sagerer eine Kooperationsvereinbarung mit dem Klinikum Bielefeld, dem Klinikum Lippe und dem evangelischen Klinikum Bethel unterzeichnet. Die klinische Ausbildung der Medizinstudenten wird aber offenbar auf weitere Krankenhäuser in OWL ausgeweitet.

Im Kampf gegen den Hausärztemangel in OWL finanziert die NRW-Landesregierung seit zwei Jahren den Aufbau der ersten medizinischen Fakultät in OWL an der Universität Bielefeld. Ab 2025 soll der Betrieb im Endausbau mit jährlich 300 Studenten laufen. „Die Versorgung mit Ärzten ist in NRW ebenso ungleich verteilt wie die Verteilung der medizinischen Fakultäten. Damit ist ab 2021 Schluss", erklärt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). „Am Terminplan wird nicht gefackelt, denn wir brauchen dringend Ärzte." Der Schwerpunkt der Ausbildung an der neuen Fakultät liegt auf der Allgemeinmedizin. „Unser Ziel ist, dass die Studenten durch einen frühen Bezug in die praktische Arbeit in Kliniken und Praxen von der Region überzeugt werden und nach dem Studium in OWL als Mediziner arbeiten", so Laumann.

Kommentar
Eine einmalige Chance für OWL
Von Carolin Nieder-Entgelmeier

Nach einem jahrelangen Kampf entsteht in Ostwestfalen-Lippe nun die erste medizinische Fakultät. Lange haben Politiker der SPD und der Grünen diesen längst überfälligen Schritt verhindert. Und das ausgerechnet in einer Region, in der seit Jahrzehnten Pionierarbeit in der Gesundheitswirtschaft, der Krankenhauslandschaft und den Gesundheitswissenschaften geleistet wird, und in der sich seit Jahren abzeichnet, dass Mediziner fehlen. Deshalb bietet sich mit dem Aufbau der neuen Fakultät an der Universität Bielefeld eine einmalige Chance für die Region.

Neben der Universität und den Krankenhäusern kann vor allem die Bevölkerung profitieren, wenn die Kooperationspartner diese Chance nutzen. Wenn es der Universität und den Kliniken gelingt, eine attraktive Medizinerausbildung anzubieten, dann wird es Absolventen schwerfallen, Ostwestfalen-Lippe nach dem Studium wieder zu verlassen.

Dabei kommt es vor allem auf die Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Arztpraxen an. Wenn sie den Studenten zeigen, welche Möglichkeiten die Allgemeinmedizin in OWL bietet, wenn sie begeistern und für ihre Aufgaben brennen, dann können sie dafür sorgen, dass sich die ärztliche Versorgung in der Region verbessert.



Für das Universitätsklinikum OWL sollen 100 Professuren besetzt werden

Der Verbund der drei Krankenhausträger soll die klinische Ausbildung der Medizinstudenten sicherstellen. Die Universität wird nach Angaben des Aufbaukoordinators der Fakultät, Frank Lohkamp, mit mehr als 24 Fachabteilungen in Krankenhäusern kooperieren. Die Kooperationsvereinbarung regelt laut Sagerer jedoch noch nicht, welche Fachabteilungen der ausgewählten Partner mit Aufgaben der Forschung und Lehre befasst sein werden.

Zudem werden laut Sagerer rund 100 Professuren besetzt. Die ersten neun Mediziner habe die Universität bereits zu einer Bewerbung aufgefordert. Darunter auch Epilepsie-Experte Christian G. Bien vom Krankenhaus Mara in Bielefeld und Kardiologie Andreas Götte vom St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn. Zwei Mediziner aus Krankenhäusern, die bislang nicht am Aufbau des Universitätsklinikum OWL mitarbeiten. Westfalen-Lippes Ärztekammer-Präsident Theo Windhorst fordert in diesem Zusammenhang, dass bei der Besetzung der Professuren die Leistungen der Mediziner in der Forschung nicht über die in der Versorgung von Patienten gestellt wird.

Information

Versorgung in OWL


Laut NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist keine Region so stark vom Hausärztemangel betroffen wie OWL. In Augustdorf, Bad Lippspringe, Barntrup, Borgentreich, Borgholzhausen, Büren, Enger, Espelkamp, Halle, Hille, Hüllhorst, Kalletal, Kirchlengern, Lichtenau, Löhne, Lübbecke, Lügde, Porta Westfalica, Rahden, Rödinghausen, Schieder-Schwalenberg, Schloß Holte-Stukenbrock, Spenge, Verl, Versmold, Vlotho und Willebadessen gilt die Versorgung als gefährdet. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe gilt bislang nur die Stadt Löhne als offiziell unterversorgt, da der Versorgungsgrad bei unter 75 Prozent liegt.

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