Fall Lügde: Behörden sind weiter im Visier der Ermittler

Janet König

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Prozessakten zum Fall Lügde: Die Rolle der Behörden spielt im Hauptverfahren keine Rolle, das hatte Richterin Anke Grudda gleich am ersten Prozesstag deutlich gemacht. - © Bernhard Preuss
Prozessakten zum Fall Lügde: Die Rolle der Behörden spielt im Hauptverfahren keine Rolle, das hatte Richterin Anke Grudda gleich am ersten Prozesstag deutlich gemacht. (© Bernhard Preuss)

Detmold/Lügde. Während gegen die Hauptangeklagten Andreas V. und Mario S. wohl Anfang September das Urteil fallen soll, sind die Ermittlungen gegen die Behörden noch lange nicht abgeschlossen. Gegen 14 Amtsträger wird im Missbrauchsfall Lügde weiter ermittelt.

Darunter sind Polizisten, Mitarbeiter der Jugendämter und der Familienhilfe. „An den Zahlen hat sich nichts geändert, es sind keine Verfahren eingestellt worden", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Auch der frisch eingesetzte Untersuchungsausschuss des Landtages, der ebenfalls die Rolle der Behörden aufarbeiten soll, habe keinen Einfluss auf die andauernde Ermittlungsarbeit.

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Freie Träger im Visier

Im Fokus der Ermittlungen steht unter anderem das Sozialwerk Sauerland, das als freier Träger von Oktober 2016 bis April 2018 mit der Betreuung des Pflegekindes beauftragt war. Eine Mitarbeiterin hatte sich im April mit Andreas V. überworfen, den Pflegevater „als unbelehrbar" bezeichnet, so teilte es der Hamelner Landrat Tjark Bartels auf einer Pressekonferenz mit. Es kam zum Bruch zwischen Träger und Pflegevater. Zu den Hintergründen möchte das Unternehmen keine Angaben machen. „Wir kooperieren mit Polizei und Staatsanwaltschaft so gut es geht, können uns wegen des laufenden Verfahrens aber nicht weiter äußern", sagt Geschäftsführer Michael Freese. Auch die zuständige Mitarbeiterin des Regionalteams Lippe wolle aus Datenschutzgründen nichts sagen.

Knapp vier Monate vergingen ohne Betreuung, bis der AWO-Kreisverband Höxter als neuer Träger eingesetzt wurde. Achtmal sollen die Mitarbeiter laut Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Kuckuk im Zwei-Wochen-Rhythmus auf dem Campingplatz gewesen sein. „Es gab in diesen Gesprächen keine Hinweise auf Missbrauch, das hat auch das Team im Nachhinein noch einmal reflektiert", sagt Kuckuk. Gegen die Mitarbeiter der AWO werde nicht ermittelt. Der Fall Lügde hätte jedoch noch mehr sensibilisiert. „Man sieht an diesem Fall, dass man sich nie ganz sicher sein kann."

Prozess geht weiter

Unterdessen soll der Lügde-Prozess kommenden Donnerstag und Freitag, 15. und 16. August, wie geplant weitergehen. Für Donnerstag sind laut Landgerichtssprecher Wolfram Wormuth die letzten sieben Zeugen geladen – darunter Opfer, Eltern und ein Polizist. Am Freitag sollen die Gutachten der Sachverständigen vorgestellt und erste Plädoyers gehört werden.

Demo geplant

Darüber hinaus ist für den Prozesstag am Donnerstag wieder eine Demonstration von 9 bis 16 Uhr vor dem Detmolder Landgericht angemeldet. Organisiert wird diese von Sozialarbeiterin Erda Seib, die als Betroffene aus Solidarität mit den Lügde-Opfern schon Demos in Bielefeld ins Leben gerufen hatte, und Michaela V. aus Lügde, die als Elfjährige von Andreas V. missbraucht worden sein soll. Die Missbrauchstaten, die beiden Frauen als Kinder angetan wurden, seien inzwischen verjährt. "Wir möchten Opfern eine Stimme geben und für ihre Rechte kämpfen", sagt Seib.

Von 9 bis 11 Uhr soll es eine Mahnwache vor dem Landgericht geben. Danach ist ein Schweigemarsch zum Markt und zurück geplant. Um 15 Uhr soll dann eine Abschlusskundgebung vor dem Landgericht stattfinden, planen die Organisatoren.

Die Doku zum Fall Lügde

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