Nichts als „faule Ausreden“: Für Mario Herger ist autonomes Fahren keine Zukunftsmusik mehr

Marianne Schwarzer

  • 0
Mobilität der Zukunft ist das Thema für Mario Herger. Seine Devise lautet: Einfach mal machen. - © Bildrechte: Mario Herger
Mobilität der Zukunft ist das Thema für Mario Herger. Seine Devise lautet: Einfach mal machen. (© Bildrechte: Mario Herger)

Kreis Lippe. Er lebt im Silicon Valley, fährt ein Elektroauto und glaubt, dass Europa die Zeichen der Zeit nicht erkennt: Mario Herger ist glühender Verfechter der schönen neuen mobilen Welt mit autonomen Fahrzeugen, Elektroautos sowie vernetzten und geteilten Fahrzeugen. Für die aktuelle Ausgabe der Reihe „Zukunftsperspektiven" kommt er Dienstag, 18. Februar, in den Hangar. LZ-Redakteurin Marianne Schwarzer sprach im Vorfeld mit ihm.

Herr Herger, der Kreis Lippe ist eine sehr ländliche Region. Ich wohne 30 Kilometer von meiner Detmolder Arbeitsstelle entfernt, bin aufs Auto angewiesen. So geht es vielen Lippern. Wie wird das Ihrer Meinung nach in zehn Jahren aussehen?

Mario Herger: In ländlichen Regionen ist es viel zu teuer für die Verkehrsbetriebe, ein Bussystem aufrecht zu erhalten. Und Sie wissen ja auch noch nicht, wann Ihre Gesundheit nachlässt, Sie wollen teilhaben am sozialen Leben, zum Kaffeeklatsch oder zum Arzt gelangen. Da können Sie nicht einfach einen Uber oder ein Taxi bestellen. Aber wenn wir autonom fahrende Busse hätten, könnten wir schon mal die Personalkosten einsparen.

Daran kann es doch nicht hängen, so hoch sind die Personalkosten auch wieder nicht.

Herger: Ja, aber zurzeit fahren große Busse, die sehr teuer sind. Die Verkehrsbetriebe könnten kleinere, autonom fahrende Busse einsetzen, vielleicht auch autonom fahrende Einsitzer on demand.

Na toll, dann bringt mich so ein Auto nach Detmold und braucht hier einen Parkplatz. Im Werbefilm sieht das ja klasse aus, aber wenn Sie in die Detmolder Innenstadt fahren, überzeugt mich das nicht.

Herger: Aber so ein Fahrzeug würde Sie ja nur abliefern und wieder abholen, das muss ja nicht wie die meisten Autos durchschnittlich 23 Stunden am Tag herumstehen und benötigt keine Parkplätze in der Innenstadt. Darüber müssen sich die Mobilitätsentwickler in der Zukunft im Klaren sein. Zur Zeit kostet ein Parkplatz noch 20.000 bis 30.000 Euro.

Wenn Sie erst mal nach Lippe kommen, werden Sie merken, wie viele Funklöcher wir haben. Ist dann autonomes Fahren nicht nur ein schöner Traum?

Herger: Ja, ja, die digitale Wüste Deutschland, das Argument kenne ich. Der Witz ist: Man braucht dafür überhaupt keine ständige Internetverbindung. Die Sensoren am Auto, sogar am Bus oder Lastwagen, reichen vollkommen aus. Was Sie brauchen, sind vielleicht die aktualisierten Karten oder aktuelle Staumeldungen. Die haben Sie aber jetzt auch schon. Dennoch heißt es ständig: In Deutschland sind wir noch nicht so weit.

Sie meinen, das sind alles faule Ausreden?

Herger: Ganz genau. Denn beispielsweise im Silicon Valley haben wir ein unglaublich schlechtes Netz. Wenn man sich beim autonomen Fahren darauf verlassen müsste, dann hätte man ein echtes Sicherheitsproblem. Denn das Fahrzeug muss die Gefahr erkennen, noch bevor Sie selbst in der Lage sind, das wahrzunehmen.

Sie behaupten, das kriegt ein autonom fahrendes Auto hin?

Herger: Da bin ich mir total sicher. In zehn Jahren werden von Menschenhand gesteuerte Fahrzeuge verboten sein, weil das zu gefährlich ist.

Wird Elektrizität wirklich der Antrieb der Zukunft sein?

Herger: Diese Diskussion ist eigentlich schon erledigt. All die Gegenargumente, die vor allem im deutschsprachigen Raum vorgebracht werden, ziehen nicht. Die Reichweiten steigen, es werden immer kleinere Fahrzeuge gebaut.

Aber brauchen wir für Elektroautos nicht unglaublich viele kostbare Rohstoffe?

Herger: So viele Autos kann man gar nicht bauen, dass die so genannten seltenen Erden, die überhaupt nicht selten sind, sich erschöpfen werden, und Batterien kann man recyceln. Und falls die Vorräte knapp werden, wird die Recyclingtechnologie vorangetrieben.

Der Markt regelt das schon, ohne dass wir unsere Umwelt komplett zerstören?

Herger: Davon bin ich überzeugt. Und überlegen Sie mal, wie viel Energie die Gewinnung fossiler Brennstoffe verbraucht, und wir pusten das einfach in die Luft. Wir müssen endlich anders drauf schauen, aber hierzulande gucken wir immer erst auf die Probleme, nicht auf die Chancen.Das ist im Silicon Valley ganz anders. Darum sind die Big Boys dort und nicht hier.

Wie beeinflusst uns Digitalisierung nachhaltig?

Empfohlener redaktioneller Inhalt


Wir bieten an dieser Stelle weitere externe Informationen zu dem Artikel an. Mit einem Klick können Sie sich diese anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Externe Inhalte

Wenn Sie sich externe Inhalte anzeigen lassen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2022
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare