Lipperin rettet Vierjährige mit einer Knochenmarkspende

Marianne Schwarzer

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Ein Mitarbeiter der DKMS fotografierte Kristin von Gescher nach dem Eingriff im Krankenhaus - nur an zwei Stellen am Becken ist die Punktierung erfolgt. - © Privatarchiv Gescher
Ein Mitarbeiter der DKMS fotografierte Kristin von Gescher nach dem Eingriff im Krankenhaus - nur an zwei Stellen am Becken ist die Punktierung erfolgt. (© Privatarchiv Gescher)

Kreis Lippe. Die Frau strahlt förmlich durchs Telefon: Kristin von Gescher kann immer noch kaum glauben, dass sie möglicherweise einem krebskranken Kind das Leben gerettet hat. Und das alles nur, weil die junge Lipperin ihr Knochenmark gespendet hat. Für den heutigen Internationalen Kinderkrebstag hat die gelernte Konditormeisterin der LZ gern ihre Geschichte erzählt.

Es begann mit einem Post auf Instagram: „Da wirbt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei dafür, sich typisieren zu lassen." Kristin hat in der Familie einen Krebsfall, und so bestellte sie sich via Internet ein Testkit, strich mit einem Wattestäbchen über ihre Mundschleimhaut und schickte es an die DKMS. „Nach zwei Jahren wurde ich im November eines Abends angerufen und gefragt, ob ich tatsächlich bereit bin, zu spenden. Klar war ich."

Ein kurzer Eingriff kann leben retten, so ähnlich hat es auch bei Kristin von Gescher ausgesehen, als die Spezialisten ihr das Knochenmark entnommen haben. - © DKMS
Ein kurzer Eingriff kann leben retten, so ähnlich hat es auch bei Kristin von Gescher ausgesehen, als die Spezialisten ihr das Knochenmark entnommen haben. (© DKMS)

Denn irgendwo auf der Welt lebt ein Mensch, dem ihre Stammzellen helfen könnten, zu überleben. „Dass es ein Mädchen im Kindergartenalter ist, erfuhr ich erst nach der OP."

VIP-Behandlung für die Spenderin

Dann ging es Schlag auf Schlag: „Ich musste mich um nichts kümmern, die DKMS hat einen kompletten Gesundheitscheck mit EKG und Ultraschall für mich organisiert", erzählt Kristin von Gescher. Dann stand der OP-Termin in einer Privatklinik, mit „VIP-Behandlung", wie sie sagt. „Die ganze Zeit über hatte ich bei der DKMS einen persönlichen Betreuer, der all meine Fragen beantwortet hat." Und sie aufklärte: „Knochenmark ist nicht gleich Rückenmark." Das sei ein weit verbreiteter Irrtum: „Viele schrecken vor eine Spende zurück, weil sie denken, dass ihnen da am Rückenmark herumgepfuscht wird." Aber die Spende wird mit einer Punktierung des oberen Beckenkamms entnommen." Das Ganze passiert unter Vollnarkose.

Ein wenig Überwindung hat das schon gekostet. Aber nach einer Dreiviertelstunde war alles vorbei. „Danach hat es sich ein bisschen wie eine Prellung oder ein starker Muskelkater angefühlt, aber das ist echt kein Problem." Drei Tage hat sie ein wenig Ibuprofen genommen, eine Woche lang war sie krank geschrieben, die DKMS bezahlt den Arbeitsausfall.

Jetzt brennt Kristin von Gescher darauf, das kleine Mädchen kennen zu lernen, dem sie möglicherweise das Leben gerettet hat. „Ich weiß, sie ist vier und lebt in Deutschland. Aber wir dürfen uns erst nach zwei Jahren kennenlernen, wenn sie und ihre Eltern das wollen." Sie fände es toll. „Wenn meine Stammzellen ihr helfen, dann kommt die kleine Maus in zwei Jahren in die Schule. Dann kann ich ja vielleicht bei der Einschulung dabei sein."

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