Dringende Suche nach Azubis - Handwerker starten digitales Speeddating

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Im Januar war noch alles anders: Silke Diekjobst von der Stadt Lemgo und Shanathanan Jejanathan sind beim Speeddating in der Gesamtschule dabei. Heute ist es sehr viel schwieriger für Betriebe, Auszubildende zu finden, es läuft nur über digitale Kontakte.  - © Vera Gerstendorf-Welle
Im Januar war noch alles anders: Silke Diekjobst von der Stadt Lemgo und Shanathanan Jejanathan sind beim Speeddating in der Gesamtschule dabei. Heute ist es sehr viel schwieriger für Betriebe, Auszubildende zu finden, es läuft nur über digitale Kontakte.  (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Die Verunsicherung im Handwerk ist groß. Das belegt eine Umfrage der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. Die Betriebe klagen über den schleppenden Eingang von Neuaufträgen und blicken beunruhigt in den Herbst. Die Handwerksorganisation befürchtet: Eine schlechte Auftragslage könnte zu weniger Ausbildungsplätzen führen. Und das, obwohl derzeit noch jeweils mehr als 100 Betriebe in den Kreisen Paderborn und Lippe händeringend nach Nachwuchs für den Ausbildungsbeginn im August 2020 suchen.

„Dieser Trend wäre alarmierend, da aufgrund der demografischen Entwicklung dringend junge Fachkräfte im Handwerk gebraucht werden", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Michael H. Lutter. Laut Pressemitteilung fordert er ein klares Bekenntnis der Politik zur dualen Ausbildung und zum Handwerk. „Die Politik ist auch bereit, dem Profifußball den roten Teppich auszurollen. Dann können die Auszubildenden und die ausbildungsbereiten Betriebe nicht unbeachtet links liegen gelassen werden", findet Lutter.

Firmen, die ausbilden, seien ohnehin schon in der Minderheit. Für eine funktionierende Wirtschaft und die Gesellschaft seien sie unabdingbar. Benötigt würden jetzt handfeste Bonusprogramme für ausbildende Betriebe und gleichzeitig ein groß angelegtes Hilfspaket zur Förderung der außerbetrieblichen Ausbildung. „Zur Unterstützung des Ausbildungsmarktes gehen Soforthilfen, KfW-Kredite oder Staatsbürgschaften am Ziel vorbei", meint Lutter. Die Förderung der betrieblichen Ausbildung müsse jetzt das oberste Ziel sein. Aber auch außerbetriebliche Angebote seien notwendig, um die schlimmsten Verwerfungen am Ausbildungsmarkt zu verhindern. „Es muss darum gehen, auch den jungen Menschen des Corona-Abschlussjahrgangs eine Perspektive im Handwerk zu bieten."

Anlaufstelle "Schule" fehlt

Erschwerend komme derzeit hinzu, dass ausbildungswillige Betriebe und ausbildungswillige junge Menschen gar nicht erst zusammenfinden. Die Anlaufstelle „Schule" fehle und auch alle großen Ausbildungsmessen seien für dieses Jahr abgesagt. „Selbst unsere hauseigene Ausbildungsoffensive ,Folge deinem Ich‘ ruht seit der Schließung der Schulen."

Die Handwerksorganisation sei nichtsdestotrotz intensiv bemüht, online Kontakt zu den jungen Menschen zu halten, obwohl das keinen vollwertigen Ersatz für die direkte, persönliche Ansprache darstelle. Digitale Alternativangebote seien derzeit in Planung. Für das im August beginnende Ausbildungsjahr suchten sowohl in Paderborn als auch in Lippe jeweils mehr 100 Handwerksunternehmen händeringend nach Lehrlingen. „Und nicht zu vergessen ist auch noch die andere Seite, nämlich die der Jugendlichen, die jetzt regelrecht in der Luft hängen und keine klare Perspektive entwickeln können", so Lutter. Im Juni startet die Kreishandwerkerschaft daher ein digitales Speed-Dating mit Unterstützung von Radio Hochstift und Radio Lippe.

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