Plattform „Lippe kauft regional“ vernetzt Händler

Yvonne Glandien

  • 0
Jörg Wilutzky (links) hat die Online-Plattform ins Leben gerufen. Oliver und Katrin Kropp gehören mit ihrer Imkerei „Honigliebe" zu den ersten Anbietern, die sich dort registriert haben. - © Yvonne Glandien
Jörg Wilutzky (links) hat die Online-Plattform ins Leben gerufen. Oliver und Katrin Kropp gehören mit ihrer Imkerei „Honigliebe" zu den ersten Anbietern, die sich dort registriert haben. (© Yvonne Glandien)

Kreis Lippe. Ein autonomes Geschäft ohne Kassierer, in dem nur regionale Produkte zu finden sind, ein Lkw, der Produkte von lokalen Erzeugern direkt zur Haustür liefert – „das sind Zukunftsträumereien", sagt Jörg Wilutzky. Dennoch hat sich der 49-Jährige zum Ziel gesetzt, bis Jahresende zumindest ein paar dieser Träumereien anzuschubsen. Sehr ambitioniert? „Ich bin sehr schnell", sagt Wilutzky und lacht. Das hat er bewiesen: Im vergangenen Jahr hat der Dörentruper die Online-Plattform „Lippe kauft regional" aus der Taufe gehoben.

Der Name war allerdings zuvor bereits im Umlauf. „Ich kaufe selbst leidenschaftlich gerne auf Höfen vor Ort", sagt Jörg Wilutzky. „Es gab nur einfach nichts, wo man übersichtlich die Hofläden finden konnte. Dann bin ich zufällig auf die Facebook-Gruppe ,Lippe kauft regional‘ gestoßen." Angetan von der Idee, dass Händler und Kunden sich direkt vernetzen, hat sich Wilutzky mit den Organisatoren der Gruppe verständigt. „Dann kam mir Idee für die Plattform." Das war Anfang 2020. Das System ist ein recht einfaches: Jeder, der nachhaltige, regionale und selbsterzeugte Produkte feilzubieten hat, kann sich mit einem Formular registrieren, sodass potenzielle Kunden ihn finden können. „Mit allen Informationen an einer Stelle", sagt Jörg Wilutzky. Für viele gerade landwirtschaftliche Betriebe sei der digitale Sprung immer noch nicht geschehen, mit der Plattform möchte er eine Hilfestellung leisten.

Wilutzky, der auch eine Werbeagentur führt, betreibt „Lippe kauft regional" als gemeinnütziges Projekt, wie er sagt. „Gewinn mache ich keinen, im Gegenteil." Anfangs sah der Plan anders aus. „Ursprünglich sollten Händler, die sich auf der Seite eintragen, eine monatliche Gebühr bezahlen. Das hat aber nicht wirklich funktioniert." Mittlerweile sei ihm der Gemeinschaftsgedanke wichtiger. Für die Finanzierung des Projekts hofft er auf Fördermittel, Werbung auf der Seite zu schalten, sei auch eine Option.

Von der ersten Stunde an dabei waren Katrin und Oliver Kropp. Das Paar ist 2017 in Hillentrup in die Imkerei eingestiegen. Mit ihrer Marke „Honigliebe" verkaufen sie selbsterzeugte Bienenprodukte. Jörg Wilutzky hat den beiden dabei geholfen, ihre Marke aufzubauen, einen Namen zu finden und ein Lable zu kreieren. Klar also, dass sich die Kropps als eine der ersten registriert haben. „Wir sind zwar bei Facebook und Instagram, aber andere sind da schon viel professioneller unterwegs", sagt Katrin Kropp.

Gerade für Betriebe, die noch keine Fühler in die sozialen Medien ausgestreckt haben, sei die Plattform praktisch. „Wir haben unser Logo und unsere Öffnungszeiten reingeschrieben", sagt Kropp. „Seit wir mit ,Honigliebe‘ dort zu finden sind, kommen öfter mal neue Gesichter vorbei", sagt Oliver Kropp. Denn wer als Kunde auf die Seite geht, hat verschiedene Möglichkeiten, um zu finden, was er sucht. Wilutzky erklärt: „Es ist ein bisschen aufgebaut, wie Airb’n’b früher." Auf der Startseite gibt es ein Suchfeld mit der Frage „Wonach suchen Sie?" und der Filtermöglichkeit der Produktkategorie. So kann sich der Kunde beispielsweise alle mitmachenden Imker anzeigen lassen, bekommt Adresse und weitere Informationen und kann hinfahren. „Richtig praktisch wäre die Plattform auch für Jäger, die ihr Wild anbieten wollen."

„Die Plattform bekommt schon viel Aufmerksamkeit von Kunden, damit hätte ich gar nicht gerechnet, dass das so schnell geht", sagt Jörg Wilutzky. Nur an Anbietern fehle es noch, 14 verteilt in Lippe seien bisher registriert.

Gibt es nicht bereits eine Stelle, an der lippische Erzeuger zusammen auftreten? Jein. „Lippe kauft regional" möchte kein zweites „Lippequalität" sein. „Uns geht es darum, die Hofläden vor Ort zu unterstützen, die Kunden dorthin zu bekommen", sagt Jörg Wilutzky. Dabei sei nicht gewollt, dass die Produkte in den regulären Einzelhandel gelangen. Außerdem versteht sich „Lippe kauft regional" nicht als Marke, die eine geprüfte Qualität verspricht. Wer mitmachen will, muss Produkte anbieten, die „nachhaltig, regional und selbstgemacht sind". Kontrolliert werde natürlich, ob der Händler auch die Kriterien erfüllt, harte Regeln gibt es nicht. „Wer sich dann nicht sicher ist, kann sich aber immer bei mir melden."

Die Plattform ist unter www.lippe-kauft-regional.de zu finden.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare