"Mehr Mut zur kontrollierten Öffnung"

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Seit Monaten sind die Läden auch in Lippe fast durchgehend geschlossen.  - © Symbolbild: Pixabay
Seit Monaten sind die Läden auch in Lippe fast durchgehend geschlossen.  (© Symbolbild: Pixabay)

Kreis Lippe. „Die geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes ist für mich unbegreiflich", erklärt Alfred Westermann, Vizepräsident und Vorsitzender des Handelsausschusses der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe). Der Bevölkerung sei es nicht mehr zu erklären, warum große Teile des Einzelhandels nun wieder schließen sollen, obwohl die Ladengeschäfte keine Hotspots sind, betont die IHK in ihrer Pressemitteilung.

Und sie fragt sich: Warum dürfe ein Gartenmarkt öffnen und ein Baumarkt müsse geschlossen bleiben? Warum könnten Fachgeschäfte zum Beispiel keine Sportschuhe verkaufen, Lebensmittelmärkte ihre Nonfood-Sortimente jedoch immer weiter ausbauen? „Das ist unverständlich", so Westermann.

Der IHK-Vizepräsident fordert die lippischen Bundestagsabgeordneten daher auf, dem Kabinettsentwurf nicht zuzustimmen. Der Handel habe mit sehr vielen Investitionen in Hygienekonzepte und die Kontaktermittlung wichtige Schritte in eine gesicherte Kundenbetreuung gemacht. Das geplante Gesetz ziehe den Unternehmen nun wieder den Boden unter den Füßen weg. Die Unternehmer und deren Mitarbeiter nähmen ihr Schicksal lieber selbst in die Hand und wollten nicht länger „am Tropf des Staates hängen", wie die IHK schreibt.

Alfred Westermann betont, dass digitale Angebote zur Nachverfolgung und Einlasskontrollen im Umlauf sind. Seit einem Jahr setze der Handel kreative und sichere Konzepte ein und zeige Eigenverantwortung. Westermann bewertet die Rücknahme von „Click und Meet", also Einkaufen mit vereinbarten Terminen, jetzt „als echten Stimmungskiller für den Einzelhandel". Anstelle der Änderung verlangt IHK-Vizepräsident von der Politik mehr Mut zur kontrollierten Öffnung und Nutzung der bereits entwickelten Konzepte des Handels.

Auch kein "Click and Collect"?

Die Formulierung des Kabinettsentwurfs scheine sogar die Abholung per „Click und Collect" sowie die Auslieferung von Waren zu verbieten. „Unfassbar, denn das ist der Gastronomie erlaubt, was ich ausdrücklich begrüße. Wir wollen nicht zulassen, dass die Politik den Handel und die Gastronomie gegeneinander ausspielt", betont Westermann kopfschüttelnd. Dies lasse wiederum befürchten, dass die Politik die Wertigkeit des stationären Einzelhandels nicht sehe. „Unsere Einzelhandelsgeschäfte sind mit Gastronomie und Kultur prägend für die Attraktivität unserer Innenstädte."

Solange die Inzidenzen sehr hoch sind, sei „Click und Meet" mit Negativtest hilfreich. Außerdem biete dieses Angebot den Bürgern einen Anreiz, um sich testen zu lassen. Vermehrte Testungen seien im Interesse aller, denn dadurch würden Infektionsketten durchbrochen, da Infizierte frühzeitig herausgefiltert werden, so der Handelsausschussvorsitzende.

„Die Politik muss nun verlässliche Perspektiven für die Wirtschaft auf den Weg bringen, die schon seit Monaten geschlossen ist." Den Handel zu schließen, zeuge nicht von einer weitsichtigen Politik. Diese hätte schon nach dem ersten Lockdown Konzepte für die zweite Welle erarbeiten müssen.

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