Kreis Lippe sieht sich als Wegbereiter für nachhaltige Gewerbegebiete

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Vorbildlich: Der Solarpark im Gewerbegebiet Echternhagen in Kalletal. - © Archivfoto: Jens Rademacher
Vorbildlich: Der Solarpark im Gewerbegebiet Echternhagen in Kalletal. (© Archivfoto: Jens Rademacher)

Kreis Lippe. Industrie und Wirtschaft wachsen – auch in Lippe. In der Regel ist das aber verbunden mit Verbrauch von Flächen und Ressourcen, beides knappes und wertvolles Gut. Die Geschäftsstelle „Lippe zirkulär" hat sich nun mit Experten und Praktikern über die Potenziale nachhaltiger Gewerbegebiete ausgetauscht.

Denn Flächen stünden in immer größerer Konkurrenz zur Landwirtschaft, Energieproduktion, Erhaltung der Biodiversität und Maßnahmen zur Klimafolgeanpassung. „Soll der Bedarf an Gewerbegebieten künftig ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen gleichermaßen gerecht werden, muss ein Umdenken stattfinden", schreibt der Kreis in einer Pressemitteilung.

Nachhaltige Gewerbegebiete müssen entwickelt werden

Nahezu 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten darüber diskutiert, wie sie zukunftsfähige Gewerbegebiete – möglichst vorhandene, aber auch neue – gestalten können, und an welchen Stellen es Hemmnisse gibt. „Die Verwirklichung solcher Gebiete hängt an Personen und braucht auf kommunaler und unternehmerischer Seite Menschen mit Begeisterung für diese Wirtschaftsform", fasst Dr. Ute Röder, Verwaltungsvorstand Umwelt und Bauen des Kreises Lippe, zusammen.

Ideen, wie ein nachhaltiges Gewerbegebiet aussehen kann, gab es viele: Gemeinsam genutzte Einrichtungen wie Kantine oder Kita, Fuhrparks, Lagerräume oder Energieerzeugung sparen sowohl Flächen als auch Kosten. Eine attraktive Grüngestaltung im Umfeld erhöht die Aufenthaltsqualität für Mitarbeiter.

Bei dem Austausch stellten die Fachleute zudem eine gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV heraus. Bisher sind großversiegelte Parkflächen üblich, die den Großteil des Tages ungenutzt sind. Für eine effiziente Wertschöpfung könnten die Firmen ebenfalls voneinander profitieren: Ein Abfallprodukt wie Zuschnittsreste von Kunststoff- oder Metallprodukten könne idealerweise als Rohstoff für ein Produkt einer anderen Firma weiterverarbeitet werden.

Genossenschaftsmodelle könnten Lösung sein

Private Dienstleister und Investoren zur Personalentlastung und Kapitalschonung von Kommunen und Unternehmen einzubinden, könne eine wichtige Stellschraube sein – ebenso die Realisierung von Genossenschaftsmodellen. Dies habe Michael Hoppenberg, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, bestätigt. Genossenschaften seien eine zukunftsfähige Organisationsform, da sie nicht gewinnorientiert arbeiteten, sondern Kostendeckung anstrebten und Kommunen und Unternehmer personell und finanziell entlasten könnten. „Gemeinsam genutzte Infrastruktur sind durch Genossenschaftsmodelle einfacher zu realisieren."

Die Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Gewerbegebiete gingen Hand in Hand. „Die zirkuläre Wertschöpfung, entwickelt aus der Vermeidung von Emissionen neuer Geschäfts- und Wertschöpfungsmodelle. Umweltschutz und Nachhaltigkeit, ist Nebenprodukt eines vernünftigen Umgangs mit Ressourcen und Energie", erklärt Prof. Dr. Peter Heck, Direktor des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement in Birkenfeld. Das herkömmliche lineare Wirtschaften sei endgültig ein „Auslaufmodell" und es brauche kommunaler Vordenker, um Impulse zu setzen. Das nehme der Kreis ernst, er sehe sich zirkulär als Wegbereiter. „Um neue Wertschöpfungsketten zu erschließen, muss unser Denken weg vom Reaktiven hin zum Aktiven", ist Birgit Essling, Leitung der Geschäftsstelle Lippe zirkulär, sicher.

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