Bundesverband der Krankenkassen (GKV) soll "Tab in Time" als Hilfsmittel anerkennen

Astrid Sewing

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Ein Smiley zeigt, dass alles in Ordnung ist und die Tabletten (rechts) pünktlich entnommen wurden. Dazu gibt es links von „Tab in Time" immer auch Wasser – nur nicht für das  - © astrid sewing
Ein Smiley zeigt, dass alles in Ordnung ist und die Tabletten (rechts) pünktlich entnommen wurden. Dazu gibt es links von „Tab in Time" immer auch Wasser – nur nicht für das  (© astrid sewing)

Kreis Lippe. „Tab in Time" ist kleiner geworden, die Funktionen sind vielfältig. Das Gerät hilft dabei, die Medikamente zur richtigen Zeit mit Wasser einzunehmen. Es spricht mit dem Nutzer, es schickt Mitteilungen an Pflegedienste oder Kontaktpersonen, wenn etwas nicht klappt. Das könnte dem Pflegepersonal das Leben leichter machen, aber so einfach ist es in Deutschland nicht, ein solches Produkt zu platzieren. Derzeit läuft das Verfahren, damit „Tab in Time" vom Bundesverband der Krankenkassen (GKV) als Hilfsmittel anerkannt wird.

Bis hierher war es ein langer Weg. Die Digitalisierung ist das große Thema, aber Ideen, die das Leben sicherer und den Alltag einfacher machen können, sind deshalb nicht automatisch Selbstläufer. In Deutschland dauert es lange, ein neues Produkt zu platzieren, vor allem in der Gesundheitsbranche. Diverse Prüfungen müssen durchlaufen werden. Ein Hilfsmittel, das durch die Krankenkassen erstattet wird, ist es nur dann, wenn es einen nachweisbaren medizinischen Nutzen für die Patienten hat.

2015 hatte Gabriele Bunse den Bad Salzufler Unternehmer Udo Voßhenrich von dem Medikamenten-Managementsystem überzeugt. In „Tab in Time" kommt ein Warenvorschubsystem des Salzuflers zum Einsatz. Es gibt zwei Seiten, jeweils fünf Becher in klarem und rotem Kunststoff, einer gefüllt mit Wasser, der andere mit den verordneten Medikamenten. Ein Computer steuert das System, erinnert mit mahnenenden Worten an die Einnahme, meldet, wenn etwas nicht eingehalten wird.

"Es darf nirgendwo Kanten geben"

Diverse Prüfungen der Technik gab es, im Prüflabor von Phoenix Contact wurde alles penibel unter die Lupe genommen. Fresenius testete, ob das Mineralwasser auch keimfrei bleibt. „Tab in Time" soll helfen, nicht krank machen. „Es darf nirgendwo Kanten geben, an denen man sich verletzen kann, es darf sich kein Becher selbstständig machen und herausfallen, auch körperlich eingeschränkte Personen müssen das Gerät sicher bedienen können", sagt Gabriele Bunse, die sich um den Vertrieb kümmert. Die Detmolderin ist Expertin in Sachen Pflege, kennt den Beruf aus dem Effeff, hat ein Studium aufgesattelt und sich laufend fortgebildet. „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird kaum umgesetzt, dabei gibt es vieles, was das Personal auch entlasten würde. Es nimmt keine Arbeit weg, es verschafft Zeit, sich mit den Menschen mehr zu beschäftigen", ist die Detmolderin überzeugt.

Und die korrekte Einnahme von Medikamenten sei für den Erfolg vieler Therapien unabdingbar. „Da müssen Zeiten genau eingehalten werden, das fällt nicht jedem leicht, den Überblick zu behalten. Es zieht aber enorme Folgekosten nach sich, wenn die Behandlungen keinen Erfolg haben, deshalb rechnet es sich, die Medikamentengabe abzusichern", erklärt Bunse. Wobei auch bei noch so korrekter Erinnerung immer ein Unsicherheitsfaktor bleibt: Wer die Medikamente aus dem Becher nimmt und wegwirft, profitiert nicht. „Eine Kameraüberwachung wollen wir nicht. Aber das Gerät meldet, wenn die Becher nicht entnommen werden. Da könnte dann der Pflegedienst, der als Kontakt angegeben werden kann, Rücksprache halten und fragen, ob alles in Ordnung ist."

Studien in Österreich und Norwegen 

In Norwegen soll „Tab in Time" ausprobiert werden, in Wien laufen Studien ebenso. In Dresden wird getestet, ob und wie die Digitalisierung mit dem Managementsystem der Firma Akvigo (Akustisch-Visuelle-Gesundheits-Optimierung), deren Geschäftsführer Udo Voßhenrich ist, vorangetrieben werden kann.

Gabriele Bunse hat viele Ideen, welche Funktionen integriert werden könnten. Mit Sehbehinderten hat sie zusätzliche Aufkleber in Blindenschrift erfolgreich getestet, aber in den Pflegeeinrichtungen kommt sie derzeit nicht recht vorwärts: Durch Corona sind die Möglichkeiten, dort ein solches Pilotprojekt zu begleiten, stark eingeschränkt. Auf Messen habe sich bereits gezeigt, dass es großes Interesse an digitalen Lösungen gebe. „Im häuslichen Bereich hilft es, selbstständig leben zu können", ist die Detmolderin überzeugt. Sie sucht deshalb auch Probanden, die chronisch krank sind und mindestens zwei Medikamente nehmen müssen.

Wer Interesse hat, kann sich bei Gabriele Bunse unter gabriele.Bunse@akvigo.de melden.

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