Die Armutsquote in Lippe sinkt langsam

veröffentlicht

  • 0
Das Jobcenter berichtet von schrumpfenden Armutszahlen. - © DPA/Franz-Peter Tschauner
Das Jobcenter berichtet von schrumpfenden Armutszahlen. (© DPA/Franz-Peter Tschauner)

Kreis Lippe. Eigentlich hatte der Trend bereits vor der Pandemie begonnen: Zunehmend sank die Zahl der Leistungsbezieher beim Jobcenter in Lippe. Das habe sich während der Pandemie kurzfristig verändert: In dem kurzen Zeitraum von März bis Juni 2020 sei die Zahl von Neuanträgen auf Arbeitslosengeld II nach oben geschnellt, berichtet das Jobcenter. Danach normalisierte sich die Situation rasch und die Zahl der Leistungsbeziehenden nahm weiter ab. Und, ganz besonders erfreulich: Das Jobcenter Lippe registriert seit geraumer Zeit eine deutlich sinkende Armutsquote – trotz Corona.

Das Jobcenter habe sich gleich zu Beginn der Pandemie auf eine erhöhte Zahl von Antragstellern eingestellt und den Arbeitsmarkt durch die statistische Auswertung aller Zu- und Abgänge in der Grundsicherung beobachtet. Ergebnis: Von September 2019 bis September 2021 sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (meist Familien) um 1118, was einer Abnahme um 8,84 Prozent entspricht. Damit waren im Vergleichsmonat insgesamt 3180 weniger Personen von Leistungen des Jobcenters abhängig als noch zwei Jahre zuvor. Der Rückgang der Bedarfsgemeinschaften führe vor allem zu einer geringeren Armutsquote im Kreis Lippe. Bei der Berechnung der Armutsquote ist der SGB II-Bezug ein entscheidender Indikator. Er ermögliche den Vergleich mit anderen Regionen.

Die Zahl der Harzt IV-Empfänger sinkt. Grafik: Jobcenter - © Jobcenter
Die Zahl der Harzt IV-Empfänger sinkt. Grafik: Jobcenter (© Jobcenter)

„Das Jobcenter als größter Akteur der Armutsbekämpfung in Lippe hat in den vergangenen Jahren durch engmaschige Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern für eine deutlich niedrigere Armutsquote gesorgt, die insbesondere im Vergleich mit dem NRW-Durchschnitt positiv ausfällt", freut sich Jobcenter-Vorstand Stefan Susat. So sei die SGB II-Quote seit 2005 in NRW von 9,5 Prozent auf 11,2 Prozent gestiegen, während in Lippe ein entgegengesetzter Trend mit einem Rückgang von 11,6 auf 9,4 Prozent erkennbar sei.

Ein Job, von dem man leben kann

„Stand jetzt erhalten rund 11.200 Familien Leistungen nach dem SGB II durch das Jobcenter Lippe. Diese Zahl ist weiterhin zu hoch," betont Susat, „aber Anreiz für uns, das Erreichte weiter auszubauen." Die Gründe für den Rückgang des Zahlen seien vielfältig. Neben der kurzfristigen Aufnahme einer Beschäftigung könne das zum Beispiel auch ein Wohnortwechsel sein. Aber: Diverse Lipper haben schlichtweg wieder einen Job gefunden, von dem sie leben können.

Als Vorsitzender des Verwaltungsrates des Jobcenters freut sich Landrat Dr. Axel Lehmann insbesondere über die 3433 Integrationen in den Arbeitsmarkt, die das Jobcenter in 2021 realisierte. Geholfen hätten auch Anstrengungen im Jugendbereich, die darauf abzielten, Jugendlichen in besonders schwierigen Lebenssituationen zu helfen.

Ein anderes Beispiel in Lippe, so Dr. Lehmann, sei der Soziale Arbeitsmarkt: „Er bietet besonders benachteiligten Menschen eine Chance auf Arbeit, auch wenn sich diese aufwendigen Maßnahmen nicht in der harten Integrationsquote und der Anzahl der Vermittlungen widerspiegeln." Dazu kommen immer mehr Bemühungen in Lippe, präventiv auf die Armutsgefährdung bestimmter Zielgruppen einzuwirken.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2022
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare