"Stark mit Stift" erleichtert ukrainischen Kindern den Schuleinstieg

Kirsten Fuhrmann

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Xinran Yang und ihre Schwester Xinyue (von links), Schulleiterin Maria Becker und Niklas Thiessen sitzen auf dem Schulhof. Hier spielen alle Kinder zusammen - egal welcher Herkunft. Auch neue Schüler aus der Ukraine spielen mit. Beim Fototermin hatten die allerdings schon Schulschluss. - © Kirsten Fuhrmann
Xinran Yang und ihre Schwester Xinyue (von links), Schulleiterin Maria Becker und Niklas Thiessen sitzen auf dem Schulhof. Hier spielen alle Kinder zusammen - egal welcher Herkunft. Auch neue Schüler aus der Ukraine spielen mit. Beim Fototermin hatten die allerdings schon Schulschluss. (© Kirsten Fuhrmann)

Kreis Lippe. Geflüchtete Kinder aus der Ukraine beim Schulstart mit Federmappe, Heften, Sportsachen & Co. unterstützen – genau dafür haben mehrere lippische Stiftungen gemeinsam mit der LZ die Spendenaktion „Stark mit Stift" ins Leben gerufen. 40.700 Euro sind bereits zusammengekommen. Das bedeutet, dass bis zu 810 Kinder eine Unterstützung bekommen und mit Schulutensilien ausgestattet werden können. Auch die ukrainischen Schüler an der Grundschule in Heidenoldendorf konnten von der Aktion bereits profitieren.

Information

Spenden

Helfen Sie mit, den Kindern einen guten Schulstart zu ermöglichen. Durch die Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen „Stiftung Standortsicherung" können für Spenden – egal in welcher Höhe – Bescheinigungen ausgestellt werden, die steuerlich gelten. Stark mit Stift – Hilfe für ukrainische Kinder – Spendenkonto: DE 36 4765 0130 1010 1879 51

Wenn Lehrerinnen und Lehrer in ihren Klassen einen Bedarf erkennen, können sie über ihre Schule pro Kind eine Förderung in Höhe von bis zu 50 Euro erhalten. Die Auslagen für die Anschaffung der Schulutensilien werden gegen Vorlage der Kassenbons ausgezahlt. In Heidenoldendorf gehen derzeit sieben ukrainische Kinder zur Schule. Aufgeteilt sind sie in den ihrem Alter entsprechenden Klassen. Die Stundenzahl am Tag ist reduziert, um sie nicht zu überfordern. Einmal täglich haben die ukrainischen Kinder gemeinsam eine Stunde Deutschunterricht.

Wo Sprache keine Rolle spielt

Vorrangig aber gehe es zunächst ums Miteinander, ums gemeinsame Spielen und den Sport, wo Sprache keine Rolle spielt. „Wir stellen das Gemeinsame in den Vordergrund, nicht die Unterschiede", macht Schulleiterin Maria Becker den Gedanken hinter der Integration der geflüchteten Kinder deutlich. Auch, wenn die meisten Familien nach dem Krieg wieder zurück in die Ukraine wollen, wie sie Gesprächen mit den Eltern – meist nur den Müttern – entnommen hat.

Von den 50 Euro, die es von dem Stiftungsbündnis gibt, sind bereits Schulmaterialien gekauft worden. Was gebraucht wird, ist ganz verschieden, wie die Schulleiterin beobachten konnte. Das eine Kind hat seinen Schulranzen aus der Ukraine mitgebracht, das andere nicht, ein Schüler hat bereits einen Farbkasten, ein anderer nicht. „Die Lehrer besorgen, was benötigt wird", erklärt Maria Becker. Vorrangig sind das passgenaue Arbeitshefte. Um die Besorgungen kümmern sich auch deshalb die Lehrer, weil viele ukrainische Mütter mit ISBN-Nummern kaum etwas anfangen können.

Ideen für den sozialen Frieden

Die Schulleiterin lobt besonders, dass es auf dem Weg zur Förderung keine Hürden gibt. „Sind Bedarfe da, melden wir das an, ohne 20 Formulare ausfüllen zu müssen", sagt sie. Außerdem können zusätzlich Gelder für verbindende Aktionen angemeldet werden. Diese sind für alle Kinder der Schule gedacht – damit sich keines benachteiligt fühlt, so der Gedanke dahinter. „Schnell kann es in Klassen zu der Frage kommen, warum denn die ukrainischen Kinder alles neu bekommen und wir nicht?", erklärt Dr. Heinrike Heil, Geschäftsführerin der „Stiftung Standortsicherung". Insofern fördere die gemeinsame Initiative auch Ideen für den sozialen Frieden. Die Geschäftsführerin: „Wenn Lehrer eine passende Idee haben, zahlen wir weitere Zuschüsse für verbindende Aktionen."

Das hat sich die Grundschule Heidenoldendorf nicht zweimal sagen lassen und sofort eine Idee gehabt. Noch vor den Sommerferien wollen die Lehrkräfte mit allen Schülern und Klassen einen großen Ausflug samt Sternwanderung zur Adlerwarte in Berlebeck machen. Schulleiterin Maria Becker ist froh, dass solche Aktionen durch soziales Engagement möglich gemacht werden. Und das ist groß, weiß Dr. Heinrike Heil von der Stiftung des Kreises Lippe.

„Die Spendenbereitschaft war unmittelbar nach Veröffentlichung des ersten Presseartikels vor einem Monat sehr groß. Inzwischen liegen Förderzusagen in Höhe von 40.700 Euro vor", teilt sie mit. Und weil die Bereitschaft, für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine zu spenden, in Lippe so groß ist, sollen in Zukunft nicht nur Grundschulen, sondern auch weiterführende Schulen und Berufskollegs das Angebot nutzen können. Somit ist das eingetreten, was alle insgeheim gehofft haben: Das Spendenaufkommen ist deutlich höher als der anfängliche Bedarf. Auch zielgerichtete Sprachkurse für die Eltern sind denkbar, um die Aktion weiter auszuweiten, heißt es.

Finanzielle Förderer

Das Projekt „Stark mit Stift" ist eine Gemeinschaftsaktion der LZ und mehrerer Stiftungen unter dem Dach der „Stiftung Standortsicherung". Diese steuert das gesamte Verfahren. Finanzielle Förderer sind bislang die Stiftung „Für Lippe" (Arnd Paas, Stiftungsratsvorsitzender, Rainer Giesdorf, Vorstandsvorsitzender) für ganz Lippe, die Brigitte-und-Alfred-Wiebe-Stiftung für Oerlinghausen und die Meyer-Sickendiek-Stiftung für Ausbildung und Erziehung für Bad Salzuflen.

Aktuell arbeitet die Standortsicherung auch mit der Bürgerstiftung in Detmold zusammen, die die weiteren Bedarfe an den Detmolder Schulen abfragt. Die Stiftung Standortsicherung ist für Nachfragen telefonisch zu erreichen unter der Rufnummer (05231) 621287.

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