Naturschützer: Arten verschwinden in Lippe, und keiner merkt‘s

Hans-Dieter Wiesemann kritisiert den Flächenverbrauch für Straßen und Gewerbe

Von Martin Hostert

Naturschützer kritisiert

Flächenverbrauch - © Kreis Lippe
Naturschützer kritisiert Flächenverbrauch (© Kreis Lippe)

Detmold. Der rasante Flächenverbrauch muss gestoppt werden. Dies fordert Hans-Dieter Wiesemann, langjähriger Vorsitzender des Naturschutzbundes Detmold, aktiv im Regionalrat und vielen anderen Gremien.

Rückblickend aufs vergangene Jahrzehnt kritisiert Wiesemann die schleichende Veränderung der Landschaft durch immer mehr Flächen für Siedlung, Gewerbe oder Verkehr. Der Gärtner, Landschaftsarchitekt und Biologe, im Berufsleben beim Landschaftsverband für Landschaftsplanung zuständig, zieht ein durchaus bitteres Fazit seines jahrzehntelangen professionellen und ehrenamtlichen Engagements: "Wir haben eine enorme Verantwortung für die Natur, unsere Enkel werden vieles nicht aber mehr erleben."

Hans-Dieter Wiesemann aus Klüt. - © Foto: Hostert
Hans-Dieter Wiesemann aus Klüt. (© Foto: Hostert)

Der Flächenverbrauch beschleunige den Verlust der Arten, zudem sei die Hälfte dieser Flächen versiegelt. "Wir wissen, dass wir den Flächenverbrauch stoppen müssen, und tun das Gegenteil." Scharf kritisiert er etwa das geplante interkommunale Gewerbegebiet bei Belle. "Freie Flächen besten Ackerbodens werden ausgewiesen, nur wegen vorhandener Verkehrsanbindung."

Das mit dem Nabu und anderen erarbeitete Ausgleichskonzept werde nicht umgesetzt, dabei sollte es vor einer ersten Ansiedlung bereits funktionieren. Dabei gebe es in den Städten genügend  aufzufüllende Areale. Wiesemann nennt den Abzug der Briten aus Detmold daher einen Glücksgriff, in Hohenloh gebe es Flächen und Immobilien. Die Ausweisung eines Gewerbegebietes an der B239 in Höhe Nienhagen habe zurückgenommen werden können.

Dennoch blickt er mit Sorge auf dieses Gebiet, Lage und Detmold wüchsen immer mehr zusammen. Straßenprojekte wie die L758 neu (Ortsumgehung Vahlhausen) oder der Ausbau der B239 seien in keinster Weise zeitgemäß. Schon heute fehle Geld für die Straßenunterhaltung.

Auch die vielfältigen Grünlandflächen schrumpften. Der starke Mais- und Hybridgrasanbau zur Biogasproduktion habe verheerende Folgen: Leitarten wie Lärche oder Rotmilan haben Probleme bei der Futter- und Nistplatzsuche. "Sie kommen nicht mehr an die Böden, zudem sinkt die Zahl der Mäuse." Arten verschwänden einfach, "ohne dass wir Menschen dies bemerken".

Diese "Mikroprozesse" hätten gravierende Auswirkungen auf den Artenbestand, weil sie flächendeckend in Europa stattfinden und nicht erkannt werden. Denn nicht nur der Tiger in Asien ist bedroht, auch Fledermaus, Luchs, viele Käfer. Es ist sei an der Zeit, "endlich umzudenken." Wiesemann ist daher ein großer Fan der Nationalpark-Idee. Eine zukunftsfähige Entwicklung der Region werde  aber "rein ideologisch" bekämpft.

Alle Teile der LZ-Serie "Bilanz eines Jahrzehnts" finden Sie hier.

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