Fall Arzu Özmen: Ein Bruder gesteht Entführung

Polizei will Vernehmungen fortsetzen - Anwalt des Inhaftierten äußert sich

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Anwalt bestreitet Bruder-Geständnis - © DETMOLD
Anwalt bestreitet Bruder-Geständnis (© DETMOLD)

Kreis Lippe (seh/jab). Wo ist Arzu Özmen? Auch fast eine Woche nach der Entführung der 18-jährigen Jesidin durch Familienangehörige hat die Polizei noch keine heiße Spur auf den Aufenthaltsort der Detmolderin. Inzwischen hat ein Bruder die Entführung gestanden.

Laut Sonja Rehmert von der Polizei Bielefeld liefen die Ermittlungen auch am Wochenende unter Hochdruck weiter - eine Suche erschien den Ermittlern mangels hinreichender Hinweise aber als wenig erfolgversprechend.

"Bislang ist weder für Montag noch für Dienstag eine weitere Suchaktion geplant. Wir werden mit den Vernehmungen der fünf inhaftierten Geschwister fortfahren", erklärte Rehmert auf LZ-Anfrage. Das erscheine nach derzeitigem Stand der Ermittlungen am aussichtsreichsten, da ein Bruder bei seiner Aussage die Entführung der eigenen Schwester eingeräumt hätte.

Der Anwalt des inhaftierten Bruders wollte dies nicht bestätigen. "Mein Mandant hat ausgesagt, dass er mit seinen Geschwistern zu Arzu gefahren ist und dass es eine Auseinandersetzung zwischen zwei Brüdern und der Vermissten gegeben hätte", erklärte der Verteidiger. Zudem habe er angegeben, selbst nicht beteiligt gewesen zu sein.

Oberstaatsanwalt Michael Kempkes hielt sich ebenfalls bedeckt. "Einer der Brüder hat etwas gesagt. Weitergeholfen hat es uns jedoch nicht", betonte er.

Die Polizei führt unterdessen die Ermittlungen in alle Richtungen fort. Flughäfen wurden bereits überprüft, auch einen Mord schließt die Polizei derzeit nicht aus. Aus ermittlungstaktischen Gründen werde aber auf die Veröffentlichung von Einzelheiten verzichtet.

Arzu Özmen war in der Nacht zu Dienstag vergangener Woche von Familienangehörigen aus der Wohnung ihres deutschen Freundes aus Detmold unter Waffengewalt verschleppt worden. Offenbar duldete die kurdische Familie die Liebe der Tochter zu einem Deutschen nicht. Am Freitag gab die Polizei bekannt, dass das Tatauto, ein dunkelblauer VW Golf IV mit dem Kennzeichen LIP-HV 107, sichergestellt wurde. Die Ermittler suchen noch immer nach Hinweisen.
 

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