Lippischer Polizist filmt Bekannte auf der Gästetoilette

Beamter wehrt sich gegen Jagdschein-Entzug

VON DAVID SCHELLENBERG

Kreis Höxter. Ein Polizist aus Höxter, der bei der Kreispolizeibehörde in Lippe arbeitet, hatte auf seiner Gästetoilette Bekannte gefilmt und die Bilder auf seinem privaten Rechner gespeichert. Das Amtsgericht Brakel hatte den Mann deshalb zu einer Strafe von 60 Tagessätzen verurteilt. Damit war die Sache für den Polizisten aber noch nicht beendet.

Denn: Die Untere Jagdbehörde des Kreises Höxter hatte ihm nach der Verurteilung seinen Jagdschein entzogen. "Wer zu einer Strafe von 60 Tagessätzen oder mehr verurteilt worden ist, bekommt automatisch den Jagdschein entzogen, weil er wie es im Gesetz heißt, als unzuverlässig gilt", heißt die Regelung des Kreises Höxter. Gegen den Entzug seines Jagdscheins wehrt sich der Polizist mit einer Klage momentan vor dem Verwaltungsgericht in Minden.

Der ursprüngliche Tatzeitraum liegt im Jahr 2010. Wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen" wurde er damals vom Amtsgericht Brakel verurteilt. "Diesen Strafbefehl hat er auch akzeptiert", sagte Oberstaatsanwalt Horst Rürup gegenüber Radio Hochstift. Immerhin darf er seine Dienstwaffe weiterhin tragen.

Die Verhandlung ist für den kommenden Freitag, 3. August, angesetzt. Laut Aussage des Kreises, kann der Entzug des Jagdscheins bis zu zehn Jahre andauern. Er erfolge unabhängig davon, für welche Tat der Betroffene verurteilt wurde. Der Verhandlung sieht man beim Kreis Höxter gelassen entgegen: "Dieses Vorgehen ist im Jagdgesetz ganz klar geregelt", erklärte Burkhard Schwannecke, Pressesprecher des Kreises Höxter.

Auch der ursprüngliche Fall ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Weil der Tatort im Kreis Höxter lag, musste die Kripo Höxter gegen den Kollegen ermitteln. "Da der Mann rechtskräftig verurteilt wurde, ist der Fall für uns abgeschlossen. Wir sind dazu nicht mehr auskunftsberechtigt", sagte Polizeisprecher Peter Schneider. Der Polizist wurde inzwischen innerhalb des Kreises Lippe versetzt. Wie die dortige Polizeileitung mitteilte, läuft gegen ihn noch ein Disziplinarverfahren, das allerdings noch nicht abgeschlossen sei.

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