Einseitige Bevorzugung der Mütter soll durch ein neues Gesetz zum Sorgerecht verhindert werden

Ledige Väter bekommen mehr Rechte

Von Julia Mausch

Die Lemgoer Rechtsanwältin Silke Streit kennt sich mit dem Thema Familienrecht aus. Die 40-Jährige hält es für sinnvoll, dass Väter zukünftig leichter das Mitsorgerecht ihres nicht-ehelichen Kindes beantragen können. - © Foto: Mausch
Die Lemgoer Rechtsanwältin Silke Streit kennt sich mit dem Thema Familienrecht aus. Die 40-Jährige hält es für sinnvoll, dass Väter zukünftig leichter das Mitsorgerecht ihres nicht-ehelichen Kindes beantragen können. (© Foto: Mausch)

Lemgo. Jedes dritte Kind wird in Deutschland nicht-ehelich geboren. Damit unverheiratete Väter leichter Mitsorge beantragen können, hat die Bundesregierung jetzt einen neuen Gesetzesentwurf beschlossen.
"Die Bundesregierung setzt damit die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte und des Bundesverfassungsgerichts um", sagt Silke Streit. Die Lemgoerin ist Fachanwältin für Straf- und Familienrecht und freut sich darüber, dass die alte Regelung jetzt gekippt wurde. Denn bis vor kurzem erhielten laut Streit unverheiratete Eltern nur dann das gemeinsame Sorgerecht, wenn die Mutter einverstanden war.

Vor zwei Jahren entschied dann das Bundesverfassungsgericht, dass die einseitige Bevorzugung der Mutter gegen das "geschützte Elternrecht des Vaters verstoße". "Man hat sich von dem Gedanken verabschiedet, dass die Mutter grundsätzlich weiß, was am besten für das Kind ist ", erklärt Silke Streit den Hintergrund. Zu dieser Einsicht ist auch das Justizministerium gekommen.

Information
Beratungsstellen in Lippe:
Professionelle Hilfe, wie sie die Rechtsanwältin im Streitfall empfiehlt, bieten in Lippe einige Vereine und Institutionen an. Dazu gehören etwa der Verein Alraune in Detmold, 05231-20177, oder auch "pro familia" Lippe, 05231-33024. Die Beratungsstellen des Kreises in Lemgo, Detmold, Bad Salzuflen und Oerlinghausen sind unter 05261-97720 zu erreichen. Das Diakonische Werk der Landeskirche berät nach Absprache: 05231-99280.

Spätestens im Frühjahr 2013 soll sich das bisherige Gesetz ändern: Entscheidend sei dann allein das Wohl des Kindes. "Nur wenn die Mutter triftige Gründe nennt, die das Kindeswohl im Fall der Beteiligung des Vaters beeinträchtigen, behält sie das alleinige Sorgerecht", sagt die Anwältin. Ausreichend sei dabei beispielsweise nicht, dass die Eltern lange voneinander lebten oder keinen Kontakt mehr zum Ex-Partner wollten. In solchen Fällen erhalte der Vater dennoch die Mitsorge, wenn er dies wünsche. Dadurch dürfe er unter anderem mit entscheiden, auf welche Schule das Kinde geht, welche ärztlichen Behandlungen in Anspruch genommen werden oder wo der optimale Wohnort für die Tochter oder den Sohn ist.

Während Väter in den vergangenen Jahren oftmals vergeblich um das nicht-eheliche Kind kämpften, sollen sie laut Silke Streit nun beim Familiengericht einen Antrag auf gemeinsame elterliche Sorge stellen können. "Das Gericht schreibt dann die Mutter an und fordert sie zur Stellungnahme auf", erklärt die Lemgoerin. Äußere sie sich nicht innerhalb einer sechswöchigen Frist, wird die Mitsorge dem Vater in einem vereinfachten Verfahren gewährt. Diese recht kurze Frist wird von Kritikern bemängelt.

Durch den Gesetzesentwurf kann laut Silke Streit ein grundsätzliches Problem aber nicht verhindert werden: "Wenn das Sorgerecht auf beide Elternteile übertragen wird, bedarf es auch eines Mindestmaßes an Übereinstimmung und Kommunikation zwischen den Eltern", sagt die 40-Jährige. Sie rät den Erziehungsberechtigten, professionelle Hilfe aufzusuchen, wenn keine unkomplizierte Zusammenarbeit ohne Streitigkeiten in Sicht ist.

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