200 Besucher verfolgen LZ-Podiumsdiskussion mit Sylvia Löhrmann

Thema: "Wie bildet sich Schule weiter"

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Das aktuelle Bild der Bildung in Lippe - © Kreis
Das aktuelle Bild der Bildung in Lippe (© Kreis)

Lemgo (mah). Ohne den Blick auf den Einzelnen, ohne individuelle Förderung, kann Schule heute nicht mehr funktionieren. Davon waren die Referenten der LZ-Podiumsdiskussion Montagabend in Lemgo überzeugt.

Zum Abschluss ihrer Serie hatte die LZ zum Thema "Wie bildet sich Schule weiter" in die Aula des Marianne-Weber-Gymnasiums eingeladen. Und es zeigte sich vor den rund 200 Besuchern schnell: Zeiten, in denen allen Kindern einer Klasse der gleiche Lehrstoff eingetrichtert wurde und sie sechs Stunden später nach Hause gegangen sind, gehören der Vergangenheit an.

Heute geht es darum, das Leistungsspektrum jedes Schülers differenziert zu betrachten. Mit den Worten der Schulministerin Sylvia Löhrmann: "Weg von der Defizit-Orientierung, hin zur Potenzial-Orientierung." Hinter dem Zauberwort der "Inklusion" versteckt sich laut Löhrmann nicht nur gemeinsames Lernen der Kinder mit und ohne Behinderung. Vielmehr gehe es auch um die "soziale Dimension" - etwa, indem Kinder aus sozial schwachen Familien besser gefördert werden - und um Chancen für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Auch hier wieder: Individuelle Bildung, mit dem Elternwillen als Basis.

Torsten Buncher, Karin Niederkrome, Sylvia Löhrmann und Vera Hesse. Schulleiterin Karin Fischer-Hildebrand hatte die Gäste begrüßt (von links). - © Foto: Gerstendorf-Welle
Torsten Buncher, Karin Niederkrome, Sylvia Löhrmann und Vera Hesse. Schulleiterin Karin Fischer-Hildebrand hatte die Gäste begrüßt (von links). (© Foto: Gerstendorf-Welle)

Karin Niederkrome, Rektorin der Heinrich-Drake-Ganztagshauptschule, betonte die Wichtigkeit von auf jeden Schüler zugeschnittenen Förderplänen. Ein klares "Ja" antwortete sie auf die Frage des moderierenden LZ-Redakteurs Thomas Reineke, ob dies denn der richtige Weg sei. Allerdings: "Wir sollten uns nicht so sehr um die Schulformen, sondern vielmehr um die Inhalte kümmern." Südschul-Leiter Torsten Buncher schlug den Bogen zu den Referenten auf dem Podium und zum Publikum: "Bei jedem von uns ist das Leistungsspektrum differenziert und überdies von der Tagesform abhängig." Die kritische Frage des MWG-Abiturienten Marc Wehmeier, wie denn ein Lehrer bei 25 bis 30 Schülern individuelle Förderung überhaupt ermöglichen solle, beantwortete er eindeutig: "Das ist möglich. Wir müssen diese Prozesse aber lernen, müssen Interesse an der Sache haben."

Sylvia Löhrmann betonte, Schule nach "Schema F" gebe es nicht mehr. Sie zitierte ein afrikanisches Sprichwort: "Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen." Sprich: Es braucht Bildungsnetzwerke, Kultur, Musik, Vereine, Kirchen etc. Noch ein Zauberwort also: "ganzheitlich". Denn: "In einem Dorf voller Lehrer will doch keiner wohnen." Auch Schulpsychologin Vera Hesse forderte: "Wir brauchen außerschulische Angebote in den Schulen. Da muss mehr passieren." Die Ministerin räumte ein, dass die Vielfalt des Bildungssystems "verwirrend" sei. Aber: "Es gibt keine Quote. Wenn vor Ort in einer Kommune für eine bestimmte Schulform entschieden wird, dann ist das gut und richtig."

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