Kurzwahl birgt noch Potenzial

"Mr. 115" Thomas Wolf-Hegerbekermeier zieht Bilanz der Behörden-Rufnummer

Von Martin Hostert

Kurzwahl birgt noch Potenzial - © Lippe
Kurzwahl birgt noch Potenzial (© Lippe)

Kreis Lippe. Mehr als 100 Städte, Landkreise und Gemeinden in Deutschland haben die Behörden-Rufnummer 115 freigeschaltet. Seit fünf Jahren mit dabei: Der Kreis Lippe. Projektverantwortlicher war bislang Thomas Wolf-Hegerbekermeier, der nun in den "115-Ruhestand" geht und die Rechtsabteilung in der Kreisverwaltung übernimmt.

Transparente Verwaltung, mehr Service, Zeitgewinn, Abbau von Hemmschwellen - hat der Kreis seine Versprechungen von vor fünf Jahren einhalten können?

Thomas Wolf-Hegerbekermeier: Ja, das haben wir. Bei den Bürgern ist die 115 aber leider dennoch noch nicht so richtig angekommen … trotz aller Werbemaßnahmen. Ich bin aber überzeugt, dass das die richtige Idee ist.

Warum rufen weniger als erwartet an, wenn die einheitliche Behördennummer uns doch soviel Positives beschert?

Stützen der "115": Vanessa Opitz, Silvia Yüsün, Theresa Bunse, Thomas Wolf-Hegerbekermeier, Semra Stroh und Hasret Aslan (von links) kennen sich im Behördendschungel aus wie wenige andere. - © Foto: Gerstendorf-Welle
Stützen der "115": Vanessa Opitz, Silvia Yüsün, Theresa Bunse, Thomas Wolf-Hegerbekermeier, Semra Stroh und Hasret Aslan (von links) kennen sich im Behördendschungel aus wie wenige andere. (© Foto: Gerstendorf-Welle)

Wolf-Hegerbekermeier: Vielleicht dauert es alles doch länger als wir so dachten, bis die Bürger das verinnerlicht haben. Zum ersten Mal überhaupt gibt es schließlich ein Projekt, bei dem Bund, Länder und Kommunen zusammenarbeiten und der Zerfaserung der deutschen Verwaltung entgegenwirken wollen. Aber, was positiv ist: Hier im Haus ist noch nie soviel über Bürgerfreundlichkeit gesprochen worden.

Sie haben jetzt die Chance, drei 115-Pluspunkte zu nennen.

Wolf-Hegerbekermeier: Erstens: Unter einer einzigen Telefonnummer gibt­’s Antworten auf Fragen, die immerhin drei Verwaltungsebenen betreffen können. Zweitens: Die Wissendatenbank hinter der 115 ist immens. Drittens: Alle beteiligten Behörden sind von 8 bis 18 Uhr erreichbar, auch am Freitagnachmittag.Der Kreis ist zentral unter 115 zu erreichen, andere Verwaltungen stellen ihre Telefonnummern auf die 115 um.

Wissen Ihre Leute immer fachkundig Bescheid, ruft jemand an und fragt zum Beispiel, ob sich ein Müllabfuhrtag verschiebt?

Wolf-Hegerbekermeier: Ja. Es geht nämlich eben nicht nur darum, Anrufer hier im Haus weiterzuverbinden oder auf Öffnungszeiten und Durchwahlen von anderen Ämtern hinzuweisen. Wir geben auch direkt Sach­informationen raus, zumindest vermitteln wir einen ersten Überblick.

Wonach ist denn in 2012 am meisten gefragt worden?

Wolf-Hegerbekermeier: Es ging ums Auto an-, um- oder abmelden, um Bildung und Teilhabe, um Verpflichtungserklärungen bei Visa­fragen und natürlich den NRW-Tag.

Mithin sämtlich um Fragen in Zuständigkeit des Kreises.

Wolf-Hegerbekermeier: Ja. Leider wird die 115  immer nur mit "Kreis Lippe" in Zusammenhang gebracht. Den Automatismus "Da gibt es eine einheitliche Behördennummer, egal wer zuständig ist, da rufe ich mal an" gibt es noch nicht. Aber ich bin zuversichtlich.

Nun stellen ja auch längst nicht die Mitarbeiter aller Verwaltungen in Deutschland ihr Telefon auf die 115 um, wenn sie Kaffee holen oder in Feierabend gehen.

Wolf-Hegerbekermeier: Das wäre unser Ziel. Denn noch nie gab es eine solche umfangreiche Datenbank mit Wissen, wovon alle Bürger profitieren können.

Welches Servicezentrum erreiche ich per Handy?

Wolf-Hegerbekermeier: Das dem Funkmast nächstliegende. Aber immer gilt: Fragen Sie in Sachsen nach Jagdschein-Regelungen für Lippe oder nach Bebauungsplänen in Leopoldshöhe, bekommen Sie fachkundige Antwort.

Und was kostet das Projekt den Kreis?

Wolf-Hegerbekemeier: Die Kosten der bundesweiten 115-Infrastruktur tragen der Bund und die Länder. Die Kommunen leisten ihren Beitrag durch die konkreten Auskünfte. Den Mehraufwand haben die Mitarbeiter im Bürgerservice "mitgeleistet". Besondere Sachkosten entstehen dem Kreis durch 115 nicht.

Haben Sie denn schon mal die 115 gewählt?

Wolf-Hegerbekemeier: Als ich einen neuen Reisepass brauchte. Die Kollegen dachten, ich wollte sie vereimern, haben aber astrein geholfen.

Vier Kommunen
Lippe hatte sich 2008 gemeinsam mit dem Komunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe um das Pilotprojekt beworben und den Zuschlag vom Bund bekommen. Seit 2011 läuft der Regelbetrieb. Landrat Friedel Heuwinkel ist seither im bundesweiten 115-Lenkungsausschuss. In Lippe sind neben der Kreisverwaltung Bad Salzuflen (Anrufer erreichen das 115-Service-Center in Bielefeld) sowie Lage, Leopoldshöhe, Kalletal und der Landesverband dabei.

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