Jobcenter stellt Vorstand Rosentreter frei

Landrat reagiert auf schlechte Vermittlungszahlen

VON MARTIN HOSTERT

Detmold. Weil das Jobcenter des Kreises Lippe die im OWL-Vergleich mit Abstand schlechtesten Vermittlungsquoten von Langzeitarbeitslosen in Arbeit erreicht, hat Landrat Friedel Heuwinkel (CDU) personelle Konsequenzen gezogen: Der zweite Vorstand des Jobcenters ist von seinen Aufgaben freigestellt worden.

Michael Rosentreter, seit Sommer 2012 zuständig für den Jobcenter-Bereich "Markt und Integration", werde nun eine "amts-angemessene weitere Verwendung im Konzern Kreis Lippe" erhalten, sagte Heuwinkel. Den Schritt begründete er mit der Integrationsquote von nur 18,6 Prozent - der schlechtesten in OWL und einer der schlechtesten der 54 Jobcenter in NRW. Nur fünf Jobcenter, vor allem in Großstädten wie Essen, Gelsenkirchen und Düsseldorf, vermitteln weniger ALG-II-Bezieher in Arbeit. "Hier waren wir immer unter den führenden Plätzen im Land. Wir sind gewaltig abgesackt", sagte Heuwinkel.

Heuwinkel räumte ein, sich von der Entscheidung für Rosentreter mehr versprochen zu haben. Der 52-jährige Lagenser war aus dem Arbeitsministerium gekommen, nachdem sich der Kreis Lippe entschieden hatte, die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen fortan in Eigenregie unabhängig von der Bundesagentur für Arbeit zu übernehmen - als sogenannte "Optionskommune". In OWL haben sich auch die Kreise Gütersloh und Minden-Lübbecke für diesen Weg entschieden.

Auf Rosentreter setzte man in Lippe auch, weil er im Ministerium Projekte zur Integration schwer vermittelbarer Arbeitsloser entwickelt hatte. "Dies hatten wir als großes Plus gesehen. Er kannte die Wege, den Draht zur Landesregierung, die Maßnahmen." Doch offensichtlich seien die Aufgaben in einer Landesverwaltung ganz andere als in einem Jobcenter. Erhoffte Effekte seien ausgeblieben - seien aber dringend nötig: "Wir müssen von den 14.000 Bedarfsgemeinschaften im Kreis runter", so Heuwinkel.

Rosentreters Aufgaben übernimmt nun kommissarisch Fachgebietsleiterin Stephanie Schmidt, die Vorstandsvorsitzende Andrea Berger bleibt im Amt. In Lippe seien die Folgen der großen Verluste in der Möbelindustrie immer noch spürbar. "Uns war klar, dass alle Mitarbeiter sehr hart an der Umsetzung unseres Konzeptes arbeiten müssen, insbesondere was die Versorgung der Arbeitslosengeld-II-Empfänger mit maßgeschneiderten Angeboten betrifft. Die Bemühungen haben allerdings nicht so gefruchtet, und es fehlte manchmal an kreativen Ideen", kritisierte der Landrat Rosentreter. Dieser sei "menschlich tadellos, für die Aufgabe allerdings nicht geeignet".

Für die SPD im Kreis ist Heuwinkels Beschäftigungspolitik "auf ganzer Linie gescheitert". Die schlechte Vermittlungsquo-te sei nicht nur für Betroffene tragisch, sondern auch teuer: Bis September seien die Unterbringungskosten für ALG-II-Bezieher um 1,9 Millionen Euro höher ausgefallen als 2012.

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