Jahresempfang der Kreishandwerkerschaft: Pro Meisterbrief

Astrid Sewing

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Hingucker: (von links) Andreas Rosenbohm, Kristin Wagner und der Präsident der IHK Lippe zu Detmold, Volker Steinbach, lassen sich von Kreishandwerksmeister Mickel Biere erklären, was die Glieder der goldenen Kette bedeuten. - © Astrid Sewing
Hingucker: (von links) Andreas Rosenbohm, Kristin Wagner und der Präsident der IHK Lippe zu Detmold, Volker Steinbach, lassen sich von Kreishandwerksmeister Mickel Biere erklären, was die Glieder der goldenen Kette bedeuten. (© Astrid Sewing)

Kreis Lippe. „Es geht nicht um das Zunftdenken, sondern um die Qualitätssicherung und die Aufstiegsmöglichkeiten junger Handwerker" – beim Jahresempfang der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe am Mittwochabend fand Hauptgeschäftsführer Peter Gödde klare Worte. Die Abschaffung des Meisterbriefs 2004 für einige Handwerksberufe müsse wieder rückgängig gemacht werden.

Mittlerweile gebe es Studien, die belegten, dass die Novelle 2004 nicht den gewünschten Effekt gehabt hat. „Es gab damals eine hohe Arbeitslosigkeit, die Konjunkturlage war schlecht – mit der Abschaffung des Meisterbriefs wollte man mehr dazu ermuntern, sich selbstständig zu machen", erklärte Gödde. Von den 116 Handwerksberufen blieben 41 übrig, für die weiterhin die Meisterprüfung als Voraussetzung für die Selbstständigkeit galt. Doch die Erwartungen hätten sich nicht erfüllt. Viele der Betriebe hätten nicht überlebt. „Der Meisterbrief ist eben auch eine Art Unternehmensführerschein, denn es werden auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt", sagte Gödde.
Den jungen Handwerkern seien durch die Abschaffung auch Aufstiegsmöglichkeiten genommen worden. „Mit dem Meisterbrief haben Sie quasi eine Beschäftigungsgarantie. Er bringt bis zu einem Viertel mehr Lohn, und auch als angestellte Kraft kann man so viel verdienen wie ein Akademiker." Im Bereich der Kreishandwerkerschaft gebe es jährlich 60 bis 80 junge Gesellen, die die Meisterschule absolvieren.

Die Zukunft des Handwerks werde oft falsch gesehen, meinte Kreishandwerksmeister Mickel Biere. In der neuen Imagekampagne stelle man das Handwerk ganz bewusst aus einem anderen Blickwinkel dar, denn die Digitalisierung sei durchaus ein Thema. „Sie wird vielfach gelebt, sei es mit veränderten Produktionsabläufen, in der Kommunikation oder in der Arbeitsorganisation", sagte Biere.
Besonders stolz sei die Kreishandwerkerschaft auf die Kooperation mit dem Kreis Lippe und der Technischen Hochschule OWL. In Lemgo soll der „Innovation Spin" entstehen. In Anlehnung an die Smart Factory soll eine digitale Werkstatt, eine Smart Manufactory, gebaut werden. „Wir erproben digitale Geschäftsmodelle, schulen Mitarbeiter aus Handwerksbetrieben und geben Impulse für die Entwicklung neuer Technologien und Prototypen für die Handwerkswirtschaft", sagte Biere. Noch gebe es keine Förderzusage, aber „die Zeichen stehen hier durchaus auch sehr positiv", so Biere.

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