Dr. Heinz-Jürgen Friesen und Stephan Prinz zur Lippe erläutern die zwei Seiten der Windkraft

Astrid Sewing

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Trauriger Anblick: Große Flächen bei Berlebeck sind kahl, der Wald ist fast komplett weg.  - © Fotorechte: Stephan Prinz zur Lippe
Trauriger Anblick: Große Flächen bei Berlebeck sind kahl, der Wald ist fast komplett weg.  (© Fotorechte: Stephan Prinz zur Lippe)

Kreis Lippe. Blanker Boden – die Wälder von Stephan Prinz zur Lippe sind teilweise weg. Die Dürre, der Sturm, die Borkenkäfer haben sie vernichtet. Jetzt will er Flächen für 13 Windkraftanlagen verpachten, dagegen gibt es Widerstand. Dr. Heinz-Jürgen Friesen ist einer, der Argumente dafür liefert. Beim 10. Wohnmedizinischen Symposium der TH OWL trafen beide aufeinander.
Alles lief digital, auf Abstand, doch die Tagung gewährte einen interessanten Einblick in die Arbeitszimmer der Vortragenden: Prinz zur Lippe an einem komplett aufgeräumten Schreibtisch, im Hintergrund ein Ölgemälde und ein Designklassiker von USM Haller; Friesen vor Regalen voller Bücher und Akten, alles wirkt wie ein wohlgeordnetes Chaos.

Gegensätzlich sind auch die Aussagen. Friesen zweifelt den Nutzen der Windkraft an und verweist auf die gesundheitlichen Auswirkungen, wenn die Abstände zu bewohnten Gebäuden zu gering sind. Der Infraschall sei keine Einbildung, sondern könne zu Schlafstörungen, Tinnitus, Übelkeit oder Bluthochdruck führen. Über all das gebe es Studien, in Deutschland aber würden sie ignoriert. Die Bewertung in den Genehmigungsverfahren fuße auf alten Werten. „Man müsste die Daten der Krankenkassen abgleichen und sehen, ob es in der Nähe von Windkraftanlagen eine Häufung von Krankheiten gibt", sagte Friesen.

Geld landet auf den Bahamas

Auch die Energiebilanz zweifelte Friesen an, der jetzt im Ruhestand ist, aber früher in der pharmazeutischen Forschung gearbeitet hat. Windkraftanlagen produzierten weitaus weniger Strom, als angegeben werde. „Windenergie macht drei Prozent der Primärenergie aus, selbst wenn man die Zahl der Anlagen verdreifachen würden, bliebe es bei einer Unterversorgung. Die Windparks werden oft verkauft, das Geld landet auf den Bahamas. Wer einen gesundheitlichen Schaden geltend machen will, der muss sich durch diverse GmbH-Firmen arbeiten."

Nun ticken die Uhren in Lippe etwas anders, Stephan Prinz zur Lippe sieht seine eigenen Flächen, seine Heimat, die er erhalten will. Im Film sieht man deutlich, was es kosten muss, die Flächen wieder aufzuforsten. Er will dem Klimawandel etwas entgegensetzen. Die Windkraft sei eine Übergangslösung. „In 20 Jahren kommen wir vielleicht zu anderen Erkenntnissen, die Anlagen werden vermutlich keine Rotoren mehr haben. Aber wir müssen jetzt etwas tun. Und ich frage: Was ist die Alternative?"

Das Land gebe vor, dass jede Kommune Flächen für die Windkraft bereitstellen müsse. „Da gibt es in Detmold nur sehr wenig Möglichkeiten, gerade im Hinblick auf die Bebauung. Im Wald gibt es das Problem nicht. Da spielt der Artenschutz eine Rolle, die Sicherung des Grundwassers und einiges mehr, was auch sehr genau geprüft wird", sagte Prinz zur Lippe. Das Geld bleibe sehr wohl vor Ort, unter anderem gehe 70 Prozent Gewerbesteuer an die jeweilige Standortgemeinde.

Wohnmedizinisches Symposium

Der Präsident der TH OWL, Professor Jürgen Krahl, bezeichnete es als Novum, dass die Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur Experten für die Wohnmedizin hat. Er dankte Professor Dr. Manfred Pilgramm, HNO-Arzt in Detmold, der das Symposium zum zehnten Mal organisiert hatte und es gemeinsam mit Dr. Mario Blei moderierte. Das Thema Windkraft war von den Studenten und Studentinnen gewählt worden. Außerdem ging es gestern unter anderem auch um Feng Shui und das Radon-Risiko in Gebäuden. Der Inhalt der Beiträge ist gegen eine Schutzgebühr auf Stick erhältlich, angefordert werden kann er per Mail: wohnmedizin.fb1@
th-owl.de

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