Theaterstück zur Explosion der Detmolder Munitionsfabrik

Barbara Luetgebrune

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„Erschütterung": Mitglieder der Theaterwerkstatt „bühnenreif" haben sich in ihrem Probenraum in Hohenloh versammelt. - © Barbara Luetgebrune
„Erschütterung": Mitglieder der Theaterwerkstatt „bühnenreif" haben sich in ihrem Probenraum in Hohenloh versammelt. (© Barbara Luetgebrune)

Detmold. Die Explosion in der Munitionsfabrik an der Elisabethstraße, bei der 72 Menschen ums Leben kamen: Am 31. Mai 2017 jährt sich der Tag dieses Unglücks zum 100. Mal. Der Detmolder Bühnenautor Reiner Woop hat ein Theaterstück darüber geschrieben und will es am 100. Jahrestag im Hangar 21 zur Uraufführung bringen. Die Proben laufen bereits auf Hochtouren.

„Wir haben jetzt etwa Halbzeit. Noch 18 Probentage bis zu unserem Einzug in den Hangar", sagt Woop, der sein Stück selbst inszeniert und auch auf der Bühne stehen wird. Zum 14-köpfigen Ensemble gehören neben Darstellern seiner Theaterwerkstatt „bühnenreif" auch zwei seiner langjährigen Weggefährten, unter anderem aus Detmolder-Zimmertheater-Zeiten: Karin Burkhardt und Bernhard Staercke.

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Requisiten als Leihgaben gesucht

Das Ensemble sucht für die Produktion „Erschütterung" noch eine Reihe von Requisiten aus der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts. „Wir benötigen zum Beispiel noch diverse Küchenutensilien, Stühle mit Armlehnen, einen Schreibtisch für den Stadtrat, einen Teewagen, einen Bollerwagen und eine Brottrommel", sagt Autor und Regisseur Reiner Woop. Wer eine der Utensilien leihweise zur Verfügung stellen kann, kann sich unter Tel. 05231-6113707 bei Reiner Woop melden.

„Erschütterung" hat Woop sein Stück überschrieben. Es basiert auf den damaligen Geschehnissen um den Fabrikanten Walter Keller, der eine alte Möbelfabrik in der Elisabethstraße zur Munitionsfabrik umrüstete. Dies geschah in Eile, was auf Kosten der Sicherheitsvorkehrungen ging.

Offen gelagertes Schießpulver und Funkenflug in einer Halle mit fest verschlossenen Fenstern: Das führte zur Explosion. 72 Menschen, die in der Fabrik arbeiteten, starben. Am 3. Juni 1917 wurden die Opfer in einem Massengrab beigesetzt – und nur wenige Tage später wurden per Anzeige neue Arbeitskräfte gesucht, damit der Betrieb in der Fabrik weiterlaufen konnte.

„Das Stück erinnert an ein tragisches Ereignis unserer Stadtgeschichte. Ich freue mich über das Engagement von Reiner Woop und seiner Theaterwerkstatt, die uns die Historie der Munitionsfabrik in der Elisabethstraße ins Gedächtnis ruft", sagt der Detmolder Bürgermeister Rainer Heller, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat, das auch vom Kultur-Team der Stadt unterstützt wird.

„Das Unglück hätte vermieden werden können, aber der Profitgedanke stand im Vordergrund": Das sagt Reiner Woop, der die Geschichte in seinem Stück anhand zweier fiktiver Detmolder Familien erzählt. Als einzig historisch belegte Figur tritt Fabrikant Walter Keller in Erscheinung.

Zu Beginn der Probenarbeit hat der Regisseur mit den Darstellern Biographien für ihre Figuren gebastelt. „Es geht ja längst nicht nur darum, den Text möglichst gut auswendig zu können. Die Spieler sollen genau verstehen, warum die Figuren zu dem geworden sind, was sie sind", sagt er.

Sein Text habe sich bewährt, er funktioniert gut, berichtet der Regisseur. Als große Herausforderung beim Einstudieren des Stückes sieht er jedoch die knappe Zeit. „Als Ensemble können wir nur einmal in der Woche proben, weil alle Ensemblemitglieder berufstätig sind und viele auch noch anderweitig engagiert", sagt er. Zwischendurch schiebt Woop deshalb, wann immer es geht, Coachings mit einzelnen Darstellern ein.

Und er setzt auf die letzten Wochen vor der Uraufführung, die für den 31. Mai geplant ist. „Am 12. Mai können wir in den Hangar umziehen und die Bühne aufbauen. Und dann können wir noch mal 14 Tage am Stück proben", sagt Reiner Woop.

Nach der Uraufführung wird es voraussichtlich eine Reihe weiterer Vorstellungen geben. Dafür möchte Woop insbesondere Schulklassen als Zuschauer gewinnen.

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