Schauspieler Markus Hottgenroth verlässt nach 20 Jahren das Landestheater

Barbara Luetgebrune

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Verlässt das Landestheater: Markus Hottgenroth. Aktuell ist er in der „Odyssee" auf der Bühne zu erleben. - © Bernhard Preuss
Verlässt das Landestheater: Markus Hottgenroth. Aktuell ist er in der „Odyssee" auf der Bühne zu erleben. (© Bernhard Preuss)

Detmold.Er wollte nur ein Jahr bleiben – geworden sind es 20 Spielzeiten. Nun verlässt Schauspieler Markus Hottgenroth das Landestheater, „das Wohnzimmer von Detmold", als das er es in den zwei Jahrzehnten erlebt hat. Der erklärte Detmolder Publikumsliebling folgt dem scheidenden Intendanten Kay Metzger ans Theater Ulm.

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Nach 20 Jahren muss ein frischer Impuls her. „Ich brauche das Gefühl, Publikum neu gewinnen zu können", sagt Markus Hottgenroth . Dennoch ist ihm die Entscheidung alles andere als leicht gefallen. Die Unkündbarkeit und damit sichere Lebensstellung, die er nach 15 Jahren am Landestheater erreicht hatte – geschenkt. Es sind andere Faktoren, die ihm den Abschied schwer machen. „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt. Die Detmolder lieben ihr Theater, Theater hat hier einen ganz hohen Stellenwert", sagt der Schauspieler. Und da ist er, der Satz: „Das Theater ist das Wohnzimmer von Detmold." Dazu die Nähe zur Musikhochschule, zu den Architekten und Innenarchitekten der Detmolder Schule, aber auch der Wochenmarkt an gleich drei Tagen: „Die Lebensqualität hier ist sehr hoch. Das ist ein ganz fruchtbarer Boden für Kultur."

Wie fängt sie an, die Geschichte mit Markus Hottgenroth und dem Theater? Sein Weg auf die Bühne verläuft keineswegs schnurgerade. Nach der Schulzeit auf einem katholischen Internat im Rheinland studiert er acht Semester katholische Theologie. „Die Frage, ob ich Priester werden wolle, ergab sich irgendwann ganz automatisch", erzählt der 48-Jährige. Im Pfarrpraktikum erkennt er jedoch, dass er diese Arbeit nicht ein Leben lang machen will.

In einem Theater-Workshop kommt er erstmals mit der Schauspielerei in Kontakt, wird gefragt, ob er das nicht beruflich machen wolle – „von da an gingen die zwei Wege immer mehr auseinander. Aus heutiger Sicht war aber auch der Umweg eine gute Entscheidung. Beide Wege waren richtig." Und bis heute gilt: Egal, ob gelegentlicher Kirchgang oder Meditation – „der Draht nach oben ist für mich ein wichtiger." Schon weil er mehr Tiefe in Leben und Spiel bringt.

Markus Hottgenroth besucht die Schauspielschule in Wien und kommt 1998 ans Detmolder Landestheater. Seine erste Rolle?

„Das war im Weihnachtsmärchen, der Panther Baghira im ,Dschungelbuch‘. Das habe ich sehr, sehr gern gespielt." Seither hat er quer durch die schauspielerischen Genres und Gattungen unzählige Figuren verkörpert, klassische Helden, gebrochene Charaktere, ultimative Lachnummern. „Ich habe in Detmold viel spielen dürfen, große Rollen, da nehme ich viel Gutes mit", sagt er.

Sind Wünsche offen geblieben? „Ich habe immer darauf gewartet, dass wir mal die ,Rocky Horror Picture Show‘ machen. Den Riff Raff hätte ich gern gespielt", sagt Markus Hottgenroth lachend. Überlegt kurz und ergänzt: „Die schönsten Erfahrungen habe ich aber immer mit Stücken gemacht, die nie auf meiner Wunschliste standen." Mit der Rolle des Katurian in „Der Kissenmann" zum Beispiel. Oder auch mit seinem Auftritt im Musical „Les Misèrables" in der Regie des damaligen Intendanten Ulf Reiher. „Das war eine ganz große Herausforderung, auch gesanglich. Und eine tolle Erfahrung, mit so bekannten Musical-Darstellern auf der Bühne zu stehen."

Und da waren auch die „Wöhlermanns", die mit ihrer Hommage an die Siebziger Anfang der 2000er Jahre das Hoftheater unsicher machten. „Darauf werde ich bis heute am häufigsten angesprochen. Oder jemand, der im Laden hinter mir steht, pfeift auf einmal leise ,Fiesta Mexicana’, den Song von damals." Markus Hottgenroth lacht. „Wenn dich Leute, die dir im Alltag begegnen, einfach nur anlächeln, das ist ein schönes Gefühl. Ein toller Beruf, wenn man Freude machen kann."

Freude machen, Bühnen-Charakteren Profil und Tiefe geben, Zuschauer-Herzen gewinnen: Ab nächster Spielzeit geht Markus Hottgenroth dieser Mission in Ulm nach. „Aber es ist keinesfalls so, dass ich mir hier den Staub von den Schuhen wische und weg bin. Das Landestheater liegt mir am Herzen, es ist so eine Perle", sagt der 48-Jährige. Und wird kurz ganz ernst. „Ich wünsche mir, dass die Detmolder ihr Theater im Herzen behalten – trotz der aktuellen Spardebatten. Und ich wünsche mir, dass die Politik die Verantwortung für das Theater ernst nimmt. Für vergleichsweise wenig Geld gibt’s hier in Detmold ein lebendiges Vier-Sparten-Haus – viele andere Städte wären selig, wenn sie das hätten. Gerade auch mit dem Gastspiel-Betrieb, das ist so ein großes Aushängeschild für Detmold."

Geplant ist, dass sich Markus Hottgenroth mit einem Theater-Solo in der Detmolder Martin-Luther-Kirche von seinen Fans verabschiedet.

Viel Personal zieht mit nach Ulm

Neben Markus Hottgenroth folgen etliche weitere Ensemblemitglieder Kay Metzger nach Ulm. Aus dem Schauspiel sind das Stephan Clemens, Marie Luisa Kerkhoff , Nicola Schubert und Lukas Schrenk . Aus der Dramaturgie und der Theaterleitung gehen Chefdramaturg Dr. Christian Katzschmann , Ausstattungsleiterin Petra Mollérus , Theaterpädagogin Charlotte Van Kerckhoven und Presse-Dramaturgin Carolin Meyer mit. Und auch Tänzer Gaëtan Chailly wechselt als Tanzpädagoge ans Ulmer Theater.

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