Neue Ausstellung in der Alten Synagoge zeigt "Überirdische Landschaften"

Karin Prignitz

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Ricarda Treppner (25) lebt und arbeitet in München, aufgewachsen ist sie in Bad Salzuflen. An der Fachhochschule Bielefeld hat sie ihren Master absolviert. In der Alten Synagoge schickt sie die Betrachter ihrer Bilder auf eine Reise zu verschiedenen Bergehalden im Ruhrgebiet. - © Karin Prignitz
Ricarda Treppner (25) lebt und arbeitet in München, aufgewachsen ist sie in Bad Salzuflen. An der Fachhochschule Bielefeld hat sie ihren Master absolviert. In der Alten Synagoge schickt sie die Betrachter ihrer Bilder auf eine Reise zu verschiedenen Bergehalden im Ruhrgebiet. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Fünf großformatige Bilder sprengen das Format der Fensterzwischenräume in der Alten Synagoge. Schwarz-Weiß-Fotografien, so scheint es, hängen dort. Tatsächlich sind es Farbaufnahmen. Kleine Details wie Wasseransammlungen oder weit entfernte Häuser und Bäume lassen es erahnen. Bewusst hat Ricarda Treppner die stillen Szenen im Herbst und Winter eingefangen – der neutralen Stimmung wegen.

„Dadurch wirken sie schwarz-weiß", bestätigt die Grafikdesignerin und Fotografin bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „Übersicht. Fotografie" beim Kunstverein Oerlinghausen in der Alten Synagoge. Hinzu komme die besondere Form der Aufnahme. „Jedes einzelne Bild ist aus vielen Einzelbildern entstanden", erläutert die 25-Jährige. „Wie bei einem Landschaftsscan." Wer die entsprechende Perspektive einnimmt, der wird erkennen, dass die horizontale Linie der Bilder mit dem Horizont, der durch die Fenster der Synagoge zu sehen ist, in Verbindung steht.

Bergehalden, ihnen hat sich Ricarda Treppner gewidmet. Aufgeschüttet worden sind sie aus Bauschutt, Schlacke und Abraum bis zu einer Höhe von 140 Metern. Die künstlich aufgeworfenen Berge aus Abfallprodukten des Bergbaus haben die ansonsten eher flache Landschaft des Ruhrgebietes nachhaltig geprägt und verändert. Viele der Halden sind begrünt und renaturiert, mit einer Landmarke oder einem Kunstwerk bereichert worden. Schon als Studentin ist Ricarda Treppner mit dem NRW-Ticket Richtung Ruhrgebiet gereist, hat viele dieser Bergehalden erwandert und Szenen im Bild festgehalten.

„Der Blick über das Ruhrgebiet, der Wind pfeift, gleichzeitig herrscht Ruhe." Diese unglaublich spannende Stimmung hat die Grafikdesignerin und Fotografin von Beginn an fasziniert. Auf allen ausgestellten Bildern ist das Zusammenspiel von Haldenplateau, der in den Hintergrund gerückten umgebenden Landschaft und eines immer neutralen grauen Himmels zu sehen. Durch die starke Abstraktion entstehen neue Eindrücke.

Betrachter, die vor den Bildern stehen, tauchen ein in den Raum, in dem die Perspektiven bewusst verschoben worden sind. Etwas Dreidimensionales haben die Bilder. Entstanden sind die Ursprungsaufnahmen in Bergkamen, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Bottrop und in der Nähe von Oberhausen. „Ich habe versucht, die Atmosphäre einzufangen", erzählt Ricarda Treppner. In Bad Salzuflen ist sie aufgewachsen, hat an der FH Bielefeld ihren Master gemacht. Mittlerweile lebt und arbeitet sie in München.

Andreas Beaugrand, der Künstlerische Leiter des Kunstvereins Oerlinghausen, hebt im Gespräch mit der jungen Künstlerin deren unglaubliche Dynamik, Zielstrebigkeit und ihr Talent hervor. „Das Ergebnis ihrer Masterarbeit hängt hier." Ricarda Treppner habe sich mit dem Bergbau einem Thema gewidmet, „das heiß umstritten ist". Durch die Abstraktionen entstünden völlig neue und interessante Formen und Eindrücke.

Beaugrand, der an der FH Bielefeld lehrt und bei dem Ricarda Treppner ihren Master absolvierte, hatte die junge Künstlerin im Jahr 2016 für den 9. Förderpreis Technik, Umwelt, Wirtschaft und Kultur des Soroptimist Clubs Detmold vorgeschlagen. „Ihre Arbeiten haben sich einstimmig durchgesetzt." Sie seien es wert, sagt Beaugrand, daraus ein künstlerisches Buch zu gestalten. Um die junge Kunst zu fördern, brauche es aber bereits im Vorfeld finanzielle Unterstützung, warb Beaugrand.

Zeiten und Termine

Die Ausstellung von Ricarda Treppner ist noch bis zum 14. April in der Alten Synagoge an der Tönsbergstraße 4 zu sehen. Im Zusammenhang mit der Schau gibt es weitere Veranstaltungen. Das Kunstgespräch am Donnerstag zur Ausstellung findet am 4. April ab 18.30 Uhr in der Oerlinghauser Synagoge statt. Bereits am Donnerstag, 14. März, lädt Dorothee Sommer Grundschulkinder ein, ab 16 Uhr Kunstentdecker in der Ausstellung zu werden. Die Öffnungszeiten: Donnerstag, Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 13 Uhr und auf Anfrage.

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