Detmolderin Ida Gerhardi begab sich unter die französischen Impressionisten

Schau in Schwalenberg

Von Barbara Luetgebrune

Ida Gerhardis Arbeiten 

in der Malerstadt - © Schwalenberg
Ida Gerhardis Arbeiten in der Malerstadt (© Schwalenberg)

Schieder-Schwalenberg. Paris um 1900: Schrilles Leben tobt in den Vergnügungscafés der Seine-Metropole. Mittendrin: Ida Gerhardi, Malerin aus Detmold. Ihre Bilder, in denen sie solche Tanzszenen festhält, sind bis heute von Bedeutung.

Einige davon sind ab kommendem Sonntag in der Städtischen Galerie in Schwalenberg zu sehen, wo die Kulturagentur des Landesverbandes Ida Gerhardi eine Ausstellung widmet. Schlaglichtartig wirft die Schau ihren Fokus auf das malerische Werk einer Künstlerin, die 1862 geboren wurde, 22 Jahre in Detmold lebte und 1891 nach Paris aufbrach, um dort an der berühmten Academie Colarossi Malerei zu studieren.

Ida Gerhardi sei eine überaus talentierte Porträtmalerin gewesen, erzählt Kuratorin Vera Scheef. "Aber sie schenkte ihr Augenmerk auch dem bunten Leben in den Kabaretts und Tanzlokalen von Paris, das um 1900 Zentrum der Avantgarde war." Das war nicht selbstverständlich, denn wenngleich sich in den Tanzcafés durchaus die Künstlerszene traf, so bezog sich das doch in erster Linie auf die männlichen Künstler - und nicht auf alleinstehende Frauen.

Die Tanzbilder sind eine Besonderheit in Ida Gerhardis Schaffen. Vera Scheef zeigt eine Arbeit in Öl auf Pappe, die 1904 entstanden ist, sich heute in Privatbesitz befindet und in Schwalenberg zu sehen sein wird. - © Foto: Gerstendorf-Welle
Die Tanzbilder sind eine Besonderheit in Ida Gerhardis Schaffen. Vera Scheef zeigt eine Arbeit in Öl auf Pappe, die 1904 entstanden ist, sich heute in Privatbesitz befindet und in Schwalenberg zu sehen sein wird. (© Foto: Gerstendorf-Welle)

Das galt erst recht für die düsteren, so genannten Apachenkneipen. Auch diese hat Ida Gerhardi gemalt. "Zum Teil hat sie das Pariser Nachtleben gemeinsam mit Käthe Kollwitz erkundet", erzählt Vera Scheef. Die Bewegungen, die bunte Kleidung, die Lichtreflexe, dazu die spannenden Künstlerpersönlichkeiten, Tänzerinnen,  Schauspielerinnen: All das habe die Malerin fasziniert.

Gemeinsam mit ihrer Detmolder Freundin Jelka Rosen, ebenfalls Malerin, war Ida Gerhardi zum Studium der Malerei nach Paris gegangen. Das war nicht unüblich. Das Besondere aber war: Ida Gerhardi blieb. "Sie war mutig und hat sich den Herausforderungen des Großstadtlebens gestellt. Sie hatte sicher ein entbehrungsreiches Leben, schon weil sie als Frau in jener Zeit vielen Einschränkungen unterworfen war - aber sie hat sich durchgeboxt", sagt Vera Scheef.

Die Malerin hatte ein Atelier am Montparnasse und schlug sich mit Auftragsarbeiten durch, vor allem mit Porträts. "Sie muss einen gewissen Ruf gehabt haben, weil sie überhaupt von der Porträtmalerei leben konnte", sagt die Kuratorin. Und sie hatte gute Kontakte - unter anderem zu dem Bildhauer Auguste Rodin.

Darüber hinaus habe die Malerin ausgezeichnet, dass sie sich stets auch für Kolleginnen eingesetzt, ihnen beispielsweise Ausstellungen vermittelt habe. Nachdem sie 1913 ihr Pariser Atelier aus gesundheitlichen Gründen habe aufgeben müssen, habe sie sich von Lüdenscheid aus für die Kunst engagiert - zum Teil gemeinsam mit dem Hagener Museumsgründer Karl Ernst Osthaus. Und sie hat sich für den deutsch-französischen Kulturaustausch eingesetzt.

Im Juni 1927 starb Ida Gerhardi in Lüdenscheid. Sie wurde im Familiengrab in Detmold beigesetzt.

Vernissage und Kuratorenführung

Die Ausstellung in der Malerstadt zeigt neben den Tanzbildern und Porträts auch Landschaftsdarstellungen, Stadtansichten und Blumenstillleben im Stil des französischen Impressionismus. Die gezeigten Werke sind Leihgaben aus Privatbesitz. Die Vernissage beginnt am Sonntag, 9. Juni, um 16 Uhr in der Städtischen Galerie, Marktstraße 5. Im Anschluss ist die Schau bis zum 21. Juli zu sehen, dienstags bis sonntags von 14 bis 17.30 Uhr, sonntags auch von 10 bis 12 Uhr. Am Mittwoch, 12. Juni, bietet Vera Scheef eine Kuratorenführung durch die Ausstellung an. Beginn ist um 15 Uhr. Kosten: 1 Euro plus Eintritt.

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